Nach Rücktritt

Kardinal Meisner kritisiert Umgang mit Papst Benedikt

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Kardinal Meisner kritisiert den Umgang mit Papst Benedikt XVI. in Deutschland Foto: Erzbistum Köln

KÖLN. Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat den Umgang mit Papst Benedikt XVI. in Deutschland kritisiert. „Es hat mich immer verletzt, wie abschätzig, ja hämisch in Deutschland über den Papst gesprochen wurde“, sagte Meisner der Frankfurter Rundschau.

„Was vielen gefehlt hat, war ein Gefühl des Selbstbewußtseins, ja des Stolzes, daß zum ersten Mal nach fast 500 Jahren wieder ein Deutscher ein solches Amt mit dieser globalen Verantwortung bekleidete.“ Dies sei völlig ausgeblendet worden, beklagte der Kardinal.

Für seine Entscheidung, nach knapp achtjähriger Amtszeit aus gesundheitlichen Gründen zum Ende des Monats zurückzutreten, hatte Benedikt der XVI zwar viel Respekt erhalten, seine Kritiker in Politik und Medien nahmen den Schritt jedoch auch zum Anlaß, noch einmal mit dem scheidenden Papst abzurechnen.

Roth fordert „Reformpapst“

Grünen-Chefin Claudia Roth zog in einem Beitrag für das Handelsblatt eine negative Bilanz von Benedikts Pontifikat. „Schon als Kardinal und Chef der Glaubenskongregation war Joseph Ratzinger ein Vertreter der konservativen Kirchenhierarchie und kämpfte gegen fast alle fortschrittlichen Tendenzen in seiner Kirche. Gegen eine pluralere Theologie, gegen die Befreiungstheologie, gegen Reformen bei der katholischen Sexuallehre und für den Zölibat“, schrieb Roth.

„In diesem Sinne hat er auch sein Amt als Papst Benedikt geführt – mit Interventionen gegen die gleichgeschlechtliche Ehe, mit einer Annäherung an die reaktionäre Pius-Bruderschaft und der dogmatischen Ablehnung des ökumenischen Abendmahls.“ Sein Rücktritt könne daher nun der katholischen Kirche die Möglichkeit bieten, sich zu öffnen und zu modernisieren. Die katholische Kirche brauche einen „Reformpapst“, forderte die Grünen-Chefin.

Antisemitismusvorwurf

Der Moderator und Redaktionsleiter des ARD-Magazins Monitor, Georg Restle, schrieb auf der Facebook-Seite von Monitor zum Rücktritt Benedikt des XVI, der deutsche Papst sei vor allem eines gewesen: weltfremd. „Weil er die Kirche entweltlichen wollte. Weil er kein Gespür für diese Welt hatte und kein Verständnis für die Menschen in dieser Welt. Statt die Welt mit der Kirche zu versöhnen, hat er einen Kampf gegen die Moderne geführt. Er hat südamerikanische Befreiungstheologen verdammt und sich antisemitischen Zirkeln zugewandt. Er hat Traditionalisten und Reaktionäre zu Bischöfen ernannt – und einen von ihnen gleich zum Chef der allerheiligsten Glaubenskongregation.“

Gerade in der heutigen Zeit brauche es aber nach Ansicht Restles eine Kirche, „die kompromißlos an der Seite der Entrechteten steht. Die Frauen ernst nimmt. Die gegen Unterdrückung und neue Interventionskriege kämpft. Eine Kirche, die sich mit den Mächtigen dieser Welt anlegt statt Frauen in Not oder Homosexuelle zu Sündern zu erklären“. Für eine solche Kirche lohne es sich, zu streiten. „Gerade weil dieser Papst so viel versäumt hat!“

Taz: „Gut, daß dieser Papst weg ist“

Die Taz machte am Dienstag mit den leeren roten Schuhen Papst Benedikts und der Schlagzeile „Gott sei Dank“ auf. Chefredakteurin Ines Pohl kommentierte dazu: „Gut, daß dieser Papst weg ist. Denn nichts ist gut. Nicht im Staate Vatikan und schon gar nicht im Rest der Weltkirche.“ Dem Papst sei es in seinem fast achtjährigen Pontifikat gelungen, die Befürchtungen sogar zu übertreffen, empörte sich Pohl.

„An der Aufarbeitung der zahllosen sexuellen Gewaltverbrechen innerhalb seiner eigenen Institution zeigte der von Menschenhand gewählte Stellvertreter Gottes so wenig Interesse wie an einer Auseinandersetzung mit der faschistoiden Organisiation Opus Dei. Ob beim Thema Frauen, Homosexuelle, Aids und Vergewaltigung, also beim Thema Menschenrechte: reaktionärer als dieser Papst kann man sich kaum äußern.“ (krk)

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