Markus Krall Freiheit oder Untergang
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Wittenberg
 

Nominierung von „Pussy Riot“ für Lutherpreis stößt auf Kritik

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Die russische Punkband „Pussy Riot“ Foto: Wikimedia/Игорь Мухин mit CC-Lizenz https://bit.ly/7w8Qxp

LEIPZIG. Der Theologe Friedrich Schorlemmer hat gegen den Vorschlag protestiert, die russische Punkband „Pussy Riot“ mit dem diesjährigen Lutherpreis auszuzeichnen. „Es wäre ein verheerendes Zeichen, wenn mit ‘Pussy Riot’ der Vorschlag unserer Stadt für den Lutherpreis den Sieg davon tragen würde. Allein die Nominierung ist schon empörend genug“, kritisierte der ehemalige DDR-Bürgerrechtler in der Leipziger Volkszeitung.

Die jungen Frauen hätten in einer Kirche von ‘Gottes Dreck’ gesungen. Dies sei beleidigend, sagte Schorlemmer. „Man stelle sich aber nur mal vor, der Auftritt wäre so im Magdeburger oder im Kölner Dom geschehen. Eine Lutherstadt sollte keine Gotteslästerung ehren.“

Mitglieder der feministischen Punkgruppe „Pussy Riot“ hatten im Februar in der Moskauer orthodoxen Christ-Erlöser-Kathedrale für einen Skandal gesorgt, als sie vor den Altar stürmten und dort Würdenträger der orthodoxen Kirche unter anderem als „Scheiße des Herrn“ beschimpften.

Auch Wittenbergs Probst kritisiert Nominierung

Mit ihrem „Punkgebet“ wollte die Gruppe nach eigenen Angaben gegen die Unterstützung der Russisch-Orthodoxen-Kirche für den damaligen Ministerpräsident und heutigen Präsidenten Rußlands, Wladimir Putin, protestieren. Drei Mitglieder der Band wurden deswegen im August zu zwei Jahren Straflager verurteilt.

Der Hauptausschuß der Stadt Wittenberg hatte die Punkgruppe daraufhin für den mit 10.000 Euro dotierten Lutherpreis „Das mutige Wort“ nominiert. Gestiftet wird der Preis von den 16 Lutherstädten, zu denen neben Wittenberg unter anderem auch Augsburg, Eisenach, Erfurt, Heidelberg und Speyer gehören.

Unterstützung bei seiner Kritik erhielt Schorlemmer auch vom Wittenberger Probst, Siegfried Kasparick: Wittenberg mache sich lächerlich, sagte dieser dem Blatt. Der Auftritt der Frauen in der Christ-Erlöser-Kathedrale habe Menschen und ihre religiösen Gefühle tief verletzt. Bereits zuvor hatte Kasparick gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung die Nominierung scharf kritisiert. „Man muß sich die religiöse Seite klarmachen. Das ist, wie wenn Jugendliche in eine Synagoge eindringen, den Rabbiner beleidigen und für einen Preis vorgeschlagen werden.“ (krk)

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