„Vermißt“-Aktion
 

Empörung über Anti-Islamismus-Kampagne in Köln

KÖLN. Die „Vermißt“-Kampagne des Bundesinnenministeriums, mit der über radikalisierte Moslems aufgeklärt werden soll, sorgt weiter für Ärger. Islamverbände, SPD, Linke und Grüne übten am Mittwoch heftige Kritik an der Verteilung von Postkarten der Aktion in Köln. Daß diese an einem Tatort eines Bombenattentats, das der „Zwickauer Zelle“ angelastet wird, verteilt wurden, sei „in hohem Maße unsensibel“, sagte Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Die dem türkischen Religionsministerium unterstehende Türkisch-Islamische Union (Ditib) forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, „sich persönlich mit den Auswüchsen der ‘Vermißt’-Aktion des Bundesinnenministeriums zu befassen“. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, verlangte von Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) eine Entschuldigung für die Verteilung.

200.000 Karten in zehn Städten

Unterstützung erhielt er dabei von der Linkspartei. „Es ist beschämend, daß Bundesinnenminister Friedrich seine rassistischen Postkarten- und Plakatkampagen unter anderem in Köln in der Straße startet, in der 2004 ein Bombenanschlag der NSU-Terrorgruppe die türkischen Anwohner in Angst und Schrecken versetzte“, empörte sich das Vorstandsmitglied der Linkspartei, Christine Buchholz.

Das Innenministerium verteidigte die Aktion. Diese werde in einigen vor allem von Moslems bewohnten Stadtteilen verteilt. Derzeit würden etwa 200.000 dieser Karten in zehn Großstädten ausgelegt. (ho)

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