Interview

„Im Krieg gibt es keinen zweiten Platz“

Eric-Lehnert
Erik Lehnert, der Geschäftsführer des Instituts für Staatspolitik weist die Kritik der „Bild“-Zeitung zurück
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Ausgangspunkt des kritisierten Artikels: Die Studie „Die Frau als Soldat“ des Instituts für Staatspolitik Fotos: JF

BERLIN. Die Marine-Offiziers-Vereinigung steht derzeit in der Kritik. In ihrem Verbandsorgan, dem Marineforum, erschien ein Beitrag, der sich kritisch mit der Rolle von Frauen in der Bundeswehr auseinandersetzt. Angeblich wurde in dem Artikel die im November 2010 auf der „Gorch Fock“ tödliche verunglückte Kadettin verhöhnt. Die JUNGE FREIHEIT sprach mit dem Autor des Textes, Erik Lehnert. 

Herr Dr. Lehnert, die „Bild“-Zeitung und „Welt Online“ werfen ihnen vor, die tote Kadettin Sarah S. in einem Beitrag für das „Marineforum“ verhöhnt zu haben, stimmt das? 

Lehnert: Nein. Mir ist auch schleierhaft, wie der Bild-Autor zu dieser Unterstellung gekommen ist, zumal er keinen einzigen Beleg dafür liefert. Im Gegenteil: selbst die bei Bild zitierten Stellen zeigen, daß es mir nicht um Verhöhnung, sondern um eine ernsthafte Diskussion geht, die an das Verantwortungsbewußtsein der politischen und militärischen Führung appelliert. Offenbar sind die von mir genannten Fakten nicht zu widerlegen, so daß man meint, mit Unterstellungen arbeiten zu müssen. 

Was war ihre eigentliche Kritik?

„Männer und Frauen boxen ja auch nicht gegeneinander“

Lehnert: Mein Artikel bezieht sich auf die Umsetzung der Gleichheitsideologie in der Bundeswehr, die eben übersieht, daß es zwischen Frauen und Männern Unterschiede gibt. Diese Unterschiede führen dazu, daß nicht alle Einsatzbereiche gleichermaßen von beiden Geschlechtern ausgefüllt werden können. Niemand käme auf die Idee, Männer und Frauen beispielsweise in der Leichtathletik oder gar beim Boxen gegeneinander antreten zu lassen.

Daher ist es schon zu hinterfragen, wie es kommt, daß diese Regel ausgerechnet im militärischen Bereich nicht mehr gelten soll. Ein Kampfeinsatz ist und bleibt eine einzigartige physische Belastung, die bei mangelnder Leistungsfähigkeit nicht mit dem zweiten Platz, sondern mit dem Tod endet. 

Verteidigungsminister Thomas de Maizière nennt Ihre Ausführungen „widerwärtig“ und setzt sie in eine Reihe mit linksextremistischen Verunglimpfungen gefallener Bundeswehrsoldaten.

Lehnert: Ich hätte gedacht, daß sich de Maizière von seinem Vorgänger vor allem darin unterscheidet, daß er keine voreiligen Urteile fällt. Von einem promovierten Juristen hätte ich zudem erwartet, daß er sich einen Sachverhalt anschaut, bevor er sich zu diesem äußert. Das hat Herr de Maizière aber offenbar nicht getan. Hätte er meinen Artikel gelesen, wüßte er, daß seine Anschuldigungen haltlos sind.

„Die hysterischen Reaktionen sind nicht zu erklären“

De Maizière sagt, eine Armee im Einsatz müsse sich mit Sterben und Töten auseinandersetzen. Seiner Meinung nach dürfe man Probleme in der Bundeswehr zwar durchaus kontrovers diskutieren, aber nicht das Andenken an die Gefallenen entehren.

Lehnert: Das habe ich auch mit keinem Wort getan. Im Gegensatz zu vielen anderen nehme ich den Tod der Kadettin ernst und versuche, mögliche Ursachen zu benennen. Es ist eben in diesem Fall nicht damit getan, für den Unfall allein die Vorgesetzten verantwortlich zu machen. Das zeigt ja auch gerade der offizielle Untersuchungsbericht. Man sollte besser einmal darüber nachdenken, warum die letzten beiden auf der „Gorch Fock“ ums Leben gekommenen Soldaten weiblich waren. Vielleicht deshalb, weil das Schiff mit all seinen Anforderungen und Härten nicht für weibliche Kadetten vorgesehen ist? Doch darüber soll offenbar nicht gesprochen werden. Anders sind die hysterischen Reaktionen nicht zu erklären.

Warum meinen Sie, sollte das nicht thematisiert werden dürfen?

Lehnert: Gegenfrage: Warum haben wir bislang keine gefallene Soldatin zu beklagen? Weil Frauen in Kampfeinheiten so gut wie nicht vorkommen. Und das liegt nicht daran, daß sie zu diesen nicht zugelassen wären, sondern sie in der Mehrheit den Anforderungen einfach nicht gewachsen sind. Das wird auch stillschweigend akzeptiert. Oder hat schon irgendjemand eine Frauenquote für Afghanistankontingente gefordert? Aber thematisiert werden – also offen ausgesprochen – darf dieser Sachverhalt nicht. Sonst könnte nämlich zeigen, daß die grenzenlose Gleichheitsideologie, wie sie von den politisch Verantwortlichen verfochten wird, an der Wirklichkeit scheitert.

Wie kam es dazu, daß Sie den Artikel für das Marineforum geschrieben haben? 

Lehnert: Das Institut für Staatspolitik hatte im März unter dem Titel „Die Frau als Soldat“ eine Studie veröffentlicht, die sich vor allem mit den biologischen und soziologischen Einschränkungen beschäftigt, denen der Einsatz von Frauen insbesondere in den Kampfeinheiten unterworfen ist. Auslöser war der „Gorch Fock“-Skandal, der durch den Tod der Kadettin losgetreten wurde. In der Studie konnten wir nachweisen, daß eine Untersuchung der Bundeswehr bereits 2005 ergeben hat, daß kleine und mittelgroße Frauen an Plätzen, die bislang Männern vorbehalten waren, besonders gefährdet sind.

Überwiegend positive Reaktionen

Weiterhin haben wir darin ausführliches statistisches Material ausgebreitet, das vor allem die US-Streitkräfte in diesem Zusammenhang ermittelt haben. Daraus geht klar hervor, daß die Durchsetzung der Gleichheitsideologie auf Kosten der Einsatzbereitschaft des Militärs und der Gesundheit der Frauen geht. Da sich die Studie mit einem Marine-Thema beschäftigt, haben wir sie unter anderem an das Marineforum geschickt, das dann um einen Beitrag dazu bat. 

Welche Reaktionen haben Sie bislang für Ihre Thesen erhalten? 

Lehnert: Das Echo ist bislang ausgesprochen positiv. Das sehen Sie nicht zuletzt an den zahlreichen Kommentaren, die bei Welt-Online und Spiegel Online dazu erschienen sind. Von denen sind, würde ich schätzen, mindestens 90 Prozent der Meinung, daß das von uns angesprochene Problem existiert und man offen darüber sprechen muß. Die Financial Times Deutschland hat bereits gestern einen Beitrag zu diesem Thema gebracht und dort auch auf mich als den Urheber hingewiesen und das Marineforum um eine Stellungnahme gebeten. Die Antwort lautete, daß es einem Forum gut zu Gesicht steht, auch einmal ein unbequemes Thema kontrovers zu diskutieren. (krk)

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Dr. Erik Lehnert (35) ist seit 2008 Geschäftsführer des Instituts für Staatspolitik und Oberleutnant der Reserve. 

> Studie: Die Frau als Soldat. Der Gorch-Fock-Skandal, Minister zu Guttenberg und der Einsatz von Frauen in den Streitkräften.

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