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Hamburg
 

Autobrandstiftungen als Mutprobe

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In Hamburg sollen mehrere Jugendbanden für die Serie von Brandanschlägen auf Autos sein Foto: Flickr/ReclaBox

In Hamburg ist es offenbar erstmals gelungen, im großen Stil Verantwortliche für die andauernde Serie nächtlicher Autobrandstiftungen zu ermitteln. Damit liegt ein Täterprofil vor: Demnach sind zehn bis zwölf Hamburger Jugendbanden für eine Vielzahl der Brandstiftungen verantwortlich.

Die Polizei will die Bandenthese bislang nicht offiziell bestätigen. Sie ist politisch hochbrisant, sagt sie doch nichts anderes aus, als daß sich zum Teil mehrfach vorbestrafte Jugendliche aus Spaß ungehindert und zunehmend brutaler am Eigentum anderer vergreifen. Doch die Ermittlungsergebnisse passen ins Bild. Schon lange war vermutet worden, daß nicht alleine politisch motivierte Linksextremisten für die Brandstiftungen in Hamburg verantwortlich sind.

Alleine am Wochenende um den 1. Mai brannten in Hamburg wieder 46 Autos. Neben zahlreichen willkürlich angezündeten Privatautos wurde auch ein Bundeswehrfahrzeug ein Raub der Flammen. In der Nacht zum 2. Mai gelang den Fahndern dann ein Erfolg. Sieben Verdächtige fielen den Beamten bei einer nächtlichen Streife auf, bei einem 15jährigen konnten Grillanzünder sichergestellt werden. Die Gruppe wollte offenbar im Nachgang der linken Mai-Demonstrationen Brände legen und hatte bereits mehrere Brandsätze unter Autos in Stellung gebracht. Trotz dieses Erfolges der Polizei brannten in der Nacht zum 2. Mai nochmals 18 Fahrzeuge in Hamburg. 

Wer nicht Graffiti sprühen kann, suche eben auf andere Weise „Respekt“

Wenige Tage vor dem Mai-Feiertag hatten Hamburger Zeitungen unter Berufung auf die Polizei im Zusammenhang mit dem Anstieg der Autobrandstiftungen erstmals über kriminelle Jugendbanden als mögliche Tätergruppe berichtet. Demnach orten Fahnder Brandstiftungen vor allem in Straßen, in denen bereits aus anderen Zusammenhängen bekannte vorbestrafte Jugendliche leben. Das schnelle Abtauchen der Täter selbst in Sackgassen und schwer zugänglichen Gebieten hatte der Polizei zuvor oft Rätsel aufgegeben.

Sie sucht nun nach gerichtsfesten Beweisen und will die mutmaßlichen Brandstifter bis dahin mit Hausbesuchen einschüchtern. Die statistische Häufung der Brände im Umfeld der Jugendbanden fiel erst durch die Ermittlungstätigkeit auf. Gut 200 Beamte zählt die mehrfach erweiterte Sonderkommission „Florian“ mittlerweile. So sah vor dem 1. Mai alles danach aus, als ginge das Gros der Attacken auf das Konto vermeintlich unpolitischer jugendlicher Trittbrettfahrer. Experten mutmaßten: Wer nicht Graffiti sprühen kann, suche eben auf andere Weise „Respekt“ und Aufmerksamkeit bei Altersgenossen.  

Mit dem 1. Mai rückte aber auch wieder die linke Szene ins Zentrum der Betrachtung: Von den in der Nacht zum 2. Mai aufgegriffenen Verdächtigen gehörten mindestens sechs der linken Szene an und hatten Aufenthaltsverbote für das Schanzenviertel. 

Die Grenzen sind nur schwer auszumachen

Dort schlägt das Herz des Linksextremismus in Hamburg, die „Rote Flora“. Dieses Beispiel zeigt, daß die Grenzen zwischen links politisierten und unpolitischen Kriminellen nur noch schwer auszumachen sind. Inzwischen hat sich zudem im Hamburger Umland herumgesprochen, daß Spaßbrandstiftungen in der Großstadt relativ risikolos sind: Einige der nun verhafteten Jugendlichen stammen aus dem Hamburger Umland. Alle sind wieder auf freiem Fuß. 

Kein Spaß ist das Ausmaß der Schäden. Häuser und nahe Garagen wurden bereits durch die Feuer angegriffen, Menschenleben gefährdet. Mehr als 150 Autos brannten dieses Jahr in der Hansestadt, der materielle Schaden ist noch nicht beziffert. Angesichts dieses Ausmaßes verstehen immer weniger Bürger, warum die Politik Ermittlern mit rechtlichen Hürden die Arbeit erschwert. Fehlende Regeln bei der Vorratsdatenspeicherung schränken deren Erfolgsaussichten ein, und die Szene kann sich so immer weiter vernetzen.

Immerhin will Hamburgs Polizei Tätern nun mit an den Brandorten ermittelten Mobifunkdaten auf die Schliche kommen. Der Erfolg dürfte nicht lange auf sich warten lassen, da auf den Handys von Jugendlichen schon mehrfach entsprechende Bilder von Tatorten gefunden wurden. Prahlerei und Mutproben mischen sich so mit linken Attacken zu einem unheilvollen Gemisch.

JF 19/11

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