Stadt Chemnitz will Wandbild übermalen

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Das umstrittene Bild im Berufsschulzentrum Chemnitz Foto: blauenarzisse.de
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Berthold Brehm (CDU) Foto: CDU Chemnitz

CHEMNITZ. Die Stadt Chemnitz will am Donnerstag ein Wandgemälde im Beruflichen Schulzentrum für Wirtschaft beseitigen lassen. Das monumentale Bild mit dem Titel „Chemnitz – Stadt der Moderne“, auf dem typische Gebäude der sächsischen Metropole dargestellt sind, stammt von dem 22 Jahre alten Benjamin Jahn Zschocke.

Im Oktober letzten Jahres war bereits die feierliche Enthüllung des Gemäldes kurzfristig abgesagt worden, nachdem ein angeblich darauf abgebildetes „Keltenkreuz“ für Aufregung in der örtlichen Presse und unter Lokalpolitikern gesorgt hatte.

„Aufgedrängte Kunst“ eines Konservativen

Vor allem wirft man Zschocke vor, Mitbegründer des rechtsgerichteten Chemnitzer Schüler- und Jugendmagazins Blaue Narzisse und außerdem Mitarbeiter einer rechtskonservativen Fraktion im Stadtrat zu sein. Seitdem ist die entsprechende Wand der Cafeteria verhüllt.

In einem Schreiben an den jungen Künstler weist der zuständige Dezernatsleiter Berthold Brehm (CDU) nun darauf hin, daß das Wandbild ohne Wissen und ohne Genehmigung der Stadt in der Schul-Cafeteria gemalt worden sei.

Wörtlich heißt es darin: „Die gegen den Willen der Grundstückseigentümerin erfolgte Bemalung stellt eine Beeinträchtigung des Eigentumsrechts dar, zu deren Duldung die Stadt Chemnitz nicht verpflichtet ist. Die Stadt Chemnitz wird deshalb in Ausübung ihres Beseitigungsanspruchs aus § 1004 Abs. 1 BGB das Wandbild entfernen lassen. Dieser Beseitigungsanspruch greift auch in Fällen der sog. aufgedrängten Kunst.“

Auschwitz-Überlebender bestätigte Unbedenklichkeit

In dem Brief räumt die Stadtverwaltung Zschocke eine drei Tage währende „Gelegenheit zur Anfertigung einer fotographischen Nachbildung“ seines Werkes ein.

Die Anfertigung des Bildes „Chemnitz – Stadt der Moderne“ war ursprünglich vom Förderverein der Berufsschule angeregt worden. Deren Schulleiter Andreas Kahl will nach Informationen der JUNGEN FREIHEIT versuchen, die endgültige Beseitigung des Gemäldes zu verhindern.

Kahl hatte wegen des umstrittenen Wandbildes bereits im Februar ein Symposium veranstaltet. An diesem nahm auch ein Überlebender des Konzentrationslagers Auschwitz teil, der dem Gemälde attestierte, politisch unbedenklich zu sein. (vo)


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