Fall Mannichl: Verfassungsschutz soll von Alibi gewußt haben

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Manuel H. nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft auf der Internetseite der „Freien Nationalisten München“ Foto: JF

MÜNCHEN. Das im Fall des niedergestochenen Passauer Polizeichefs Alois Mannichl zunächst verdächtigte Ehepaar aus München hatte offenbar ein Alibi vom Verfassungsschutz.

Wie der Focus berichtet, sei das Ehepaar aus der rechtsextremen Szene am Tattag vom Verfassungsschutz und Staatsschützern der Polizei lückenlos bei einem Treffen in Erding observiert worden. Dennoch waren Sabrina und Manuel H. kurz nach dem Angriff auf Mannichl festgenommen und acht Tage in Untersuchungshaft gehalten worden.

Kriminalpolizei Erding widerspricht Darstellung des Focus

Der Leiter der Staatsanwaltschaft im Passau, Helmut Walch, sagte dem Focus, er habe die sofortige Freilassung des Ehepaares beantragt, nachdem er von den Zeugenaussagen erfahren hatte.

Weder das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz noch das bayerische Landeskriminalamt (LKA) wollten sich zu dem Bericht gegenüber der JUNGEN FREIHEIT äußern. Beide Behörden verwiesen auf die zuständige Staatsanwaltschaft, die in dem laufenden Verfahren als einzige auskunftsberechtigt sei. Der Leitende Oberstaatsanwalt Walch war jedoch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Kriminalpolizei in Erding betonte allerdings auf Anfrage der JF, daß zumindest sie dem Ehepaar für die Tatzeit gegen 17:30 Uhr kein Alibi ausstellen könne. „Wenn wir ein Alibi hätten ausstellen können, wären die nie festgenommen worden“, sagte ein Sprecher.

Kontrolle erfolgte im Zuge der Ermittlungen im „Fall Mannichl”

Staatsschützer und Kriminalpolizei hätten erst gegen 22:00 Uhr eine Personenkontrolle bei einer Feier der „Freien Kräfte Erding“ vorgenommen. Dabei sei auch die Anwesenheit des Ehepaares festgestellt worden. Dieses hätte aber durchaus Zeit gehabt, vom Zeitpunkt der Tat bis zur Personenkontrolle von Passau nach Erding zu fahren.

Zu der Feier hätten sich rund 40 Rechtsextremisten versammelt, von denen auch etliche aus dem Raum München stammten. Die Personenkontrolle habe im Zusammenhang mit den Ermittlungen im Fall Mannichl gestanden, da sich auf der Feier mehrere Personen befanden, auf die die Täterbeschreibung zutraf.

Wie der Spiegel berichtet, will die Polizei nun ein Gutachten über die Stichverletzung Mannichls anfertigen lassen. Dieses solle klären, ob sich die Verletzung des Passauer Polizeichefs mit seinen Schilderungen zum Tathergang deckt. Laut einem Sprecher des bayerischen LKA sei dies jedoch bei Ermittlungen in einem Verfahren wegen Mordversuchs ein ganz normaler Vorgang.

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