Evangelische Kirche nimmt Evangelikale in Schutz

HANNOVER. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat evangelikale Christen gegen „pauschale Kritik“ in den Medien in Schutz genommen. Wie es in einer am vergangenen Wochenende veröffentlichten Stellungnahme des EKD-Leitungsgremiums heißt, seien in jüngster Zeit „mehrfach Veranstaltungen, Aktivitäten und Positionen von evangelischen Christen, die der evangelikalen Strömung zugehören oder zugerechnet werden, in den Medien verzerrt dargestellt worden“.

Ausdrücklich bekennt sich die EKD dazu, daß viele der Evangelikalen „mit ihrer tiefen persönlichen Frömmigkeit, ihrem nachhaltigen Eintreten für eine missionarische Kirche und ihrem diakonischen Engagement zum Kern unserer evangelischen Gemeinden“ gehören.

Das Leitungsgremium des Zusammenschlusses der 22 evangelischen Landeskirchen wirft den Medien in diesem Zusammenhang vor, sich „fragwürdiger journalistischer Mittel bedient“ zu haben. Bezeichnend dafür war nach Ansicht der EKD-Ratsmitglieder der Beitrag „Sterben für Jesus – Missionieren als Abenteuer“, der am 4. August 2009 im ZDF-Magazin Frontal 21 ausgestrahlt wurde und von den beiden im Jemen ermordeten deutschen Bibelschülerinnen handelte: „Das Grundübel dieses Beitrags ist der undifferenzierte Umgang mit der Kategorie des Fundamentalismus“, so die Kritik.

Anforderungen an solide Recherche nicht genügt

Als besonders diffamierend bewertet man die Gleichsetzung des Begriffes „Märtyrer“ mit islamistischen Selbstmordattentätern. Offensichtlich hätten die betreffenden Journalisten „keinerlei Kenntnis von der christlichen Märtyrervorstellung, nach der ein Märtyrer Gewalt erleidet, aber nicht anderen Gewalt zufügt“, beklagt die EKD.

So erkläre sich auch der negative Höhepunkt im Abspann des Beitrags, in dem noch einmal die Bereitschaft, für Gott zu sterben, als Gemeinsamkeit „islamischer Fundamentalisten“ sowie „radikaler Christen“ herausgestellt wurde. Eine solche Art von Journalismus werde den Anforderungen an eine solide Recherche und dem Anspruch des ZDF, Qualitätsfernsehen zu sein, nicht gerecht, heißt es abschließend in der Beschwerde der Kirchenvertreter.

Unterdessen hat der Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes KEP (Konferenz Evangelikaler Publizisten), Wolfgang Baake, gefordert, das ZDF solle sich von dem Beitrag distanzieren und sich entschuldigen. Zudem müßten die Fernsehratsmitglieder die anhängige Programmbeschwerde so entscheiden, wie dies der Rat der EKD getan habe, sagte Baake der evangelischen Nachrichtenagentur idea.(vo)

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