Bundeswehr setzt angeblich „unselige Wehrmachtstraditionen“ fort

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Zeitschrift „Der Landser“: Verklärung in der Bundeswehr-Ausbildung? Foto: Pabel-Moewig Verlag

BERLIN. Die Bundeswehr sieht sich wieder einmal mit dem Vorwurf konfrontiert, „unselige Wehrmachtstraditionen“ fortzuführen. Wie das ARD-Politikmagazin Kontraste berichtete, verwendet die Truppe bei der Kampfausbildung Handbücher, in denen „die Wehrmacht … zum großen Lehrmeister verklärt“ werde.

In den Schriften lebe „Hitlers Wehrmacht auf jeder Seite wieder auf“, um die Bundeswehrsoldaten bei der Ausbildung in „Kampfstimmung“ zu bringen, so das Fazit der Autoren.

Eine der kritisierten Stellen etwa lautet: „Die Panzerfaust schußbereit, lauern wir und verfolgen die Stahlkolosse … Gespannt sehen wir, wie ein Kamerad, die Panzerfaust in der Hand, und von Deckung zu Deckung springend, den Panzer ‚angeht’ wie ein Jäger das Wild … Eine riesige Stichflamme und der Koloß brennt lichterloh.“

General: „militärische Grundweisheiten“

Das vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) produzierte Magazin zitiert den Militärhistoriker Detlef Bald, der in diesem Zusammenhang von „skandalösen“ Texten spricht: „ Hier wird Geschichte verfälscht und es wird so getan, als sei der Zweite Weltkrieg ein ganz normaler Krieg gewesen und nicht ein ideologischer und ein rassistischer und ein Vernichtungskrieg.“

Für die Ausbildung der Bundeswehr sei dies eine „falsche Tradition“, so Bald. Für General Walter Spindler, Leiter der Ausbildung im Heer, handelt es sich bei den inkriminierten Texten lediglich um „militärische Grundweisheiten“, die eben „auch während der zwölf Jahre eines totalitären Regimes“ gegolten hätten.

Kontraste hatte auch über die Ehrenmitgliedschaft von Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) im Bund deutscher Pioniere berichtet, in dem „auch Veteranen der Wehrmacht“ und ehemalige Angehörige der Waffen-SS organisiert seien.

Minister tritt aus Bund deutscher Pioniere aus

Noch am vergangenen Donnerstag, dem Ausstrahlungstermin der Sendung, verkündete das Ministerium, der Politiker habe seine Mitgliedschaft niedergelegt. Jung lagen „zum Zeitpunkt seiner Aufnahme als Ehrenmitglied keine Kenntnis über die noch bestehende Mitgliedschaft von ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS“ in der Organisation vor, teilte ein Ministeriumssprecher mit.

Die Bundeswehr stehe nicht in der Tradition der Wehrmacht und habe dies in ihrem Traditionserlaß zweifelsfrei erklärt. Zu einer weiteren inhaltlichen Begründung dieses Schrittes wollte das Verteidigungsministerium auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT keine Angaben machen.

Wörtlich heißt es in der Antwort: „Zu dieser klaren persönlichen Entscheidung des Ministers auf Grundlage ihm bis dahin nicht vorliegender Informationen gibt es aus unserer Sicht nichts zu erläutern oder zu spekulieren.“

Zuvor war der Christdemokrat vom verteidigungspolitischen Sprecher der Grünen, Winfried Nachtwei, attackiert worden: „Die Ehrenmitgliedschaft des Verteidigungsministers im Bund deutscher Pioniere ist ein völlig falsches Signal, vor allem auch für die Bundeswehrangehörigen, für die Soldaten, von denen wir ja alle an sich erwarten, daß sie sich nicht in einem Boot sehen, in Kontinuität sehen zur Wehrmacht.“  (vo)

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