„Thor Steinar“: Ermittlungen gegen Berliner Polizisten

Steinar
Hemd aus der Thor-Steinar-Kollektion Screenshot: JF

BERLIN. Die Berliner Polizei geht gegen einen ihrer Beamten vor, weil dieser im Dienst Kleidung der Marke „Thor Steinar“ getragen haben soll. Diese steht im Ruf, sich vor allem in der rechtsextremen Szene großer Beliebtheit zu erfreuen.

Der Polizist war am 9. November während einer Demonstration unter dem Motto „70 Jahre nach der Reichspogromnacht/Gegen Antisemitismus“ in Zivil im Einsatz, als er aus einer Gruppe von rund 50 Personen von einem Demonstranten attackiert wurde. Als der Polizist den Angreifer festnehmen wollte, wurde dies von mehreren Demonstranten verhindert, indem sie auf den Beamten einschlugen und -traten. Der Ordnungshüter mußte von uniformierten Kollegen in Sicherheit gebracht werden, die Angreifer konnten entkommen.

Jüdische Gemeinde spricht von Beleidigung der Opfer

Im Anschluß an den Vorfall beschwerte sich der Versammlungsleiter der Demonstration beim Einsatzleiter der Polizei und teilte diesem mit, der Zivilpolizist habe Thor-Steinar-Kleidung getragen. Die Polizei kündigte daraufhin an, gegen den 29 Jahre alten Beamten ein Disziplinarverfahren einzuleiten. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens werde es zudem eine „intensive Auseinandersetzung“ darüber geben, „welche Rückschlüsse ein solches Verhalten auf Einstellung und Sensibilität von Polizeimitarbeitern“ zulasse.

Die Jüdische Gemeinde von Berlin zeigte sich über die „Entgleisung“ des Polizisten empört. „Daß ausgerechnet das Gedenken an die Novemberpogrome 1938 durch die Provokation eines verdeckt arbeitenden Polizeibeamten gestört wird, ist eine Beleidigung der Opfer“, hieß es in einer Mitteilung.

Waffenhersteller Heckler & Koch kündigt Klage an

Erfreut gab man sich dagegen bei den Organisatoren der Demonstration. Die linksextreme Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten lobte die prompte Reaktion der Polizei. Allerdings erwarte man nun auch, daß der Berliner Polizeipräsidenten Dieter Glietsch und der Innensenator Ehrhart Körting (SPD) den Worten Taten folgen ließen und den Polizisten mit sofortiger Wirkung aus dem Dienst entfernten.

Währenddessen hat der Waffenhersteller Heckler & Koch angekündigt, gegen die Abbildung ihres Gewehrs „G 36“ auf einem T-Shirt von Thor Steinar juristisch vorzugehen. Man wolle nicht diese Ecke gestellt werden, begründete die Firma ihre Entscheidung.

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