Nachruf: Zum Tod des U-Boot-Kommandanten Hans Georg Hess

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Hans Georg Hess (2007)
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Das Museums-U-Boot U 995 in Laboe

BERLIN. Am Samstag vergangener Woche starb im Alter von 84 Jahren der Ritterkreuzträger und Kommandant von U 995, Hans Georg Hess.

Die JUNGE FREIHEIT veröffentlicht an dieser Stelle einen Vorabdruck des Nachrufs auf Hess von unserem Autor Hans-Joachim von Leesen.

Einer der Letzten tritt ab

Der letzte Kommandant von U 995 ist tot. Hans Georg Hess, starb am 29. März 2008 wenige Wochen, bevor er 85 Jahre alt geworden wäre, in seinem Haus in Wunstorf-Idesen bei Hannover. Mit ihm trat einer der letzten von 138 U-Boot-Kommandanten ab, denen das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen worden war.

Millionen haben sein U-Boot, das seit 1972 als Museum am Fuße des Marine-Ehrenmales Laboe steht, besucht und sich einen Eindruck verschafft, unter welchen Bedingungen die Männer der deutschen U-Boot-Waffe damals kämpften. Scharf kritisierte Hess daher in den vergangenen Monaten die fortschreitende Umgestaltung des Marine-Ehrenmals in Laboe, die im Sommer vergangenen Jahres in einer Operaufführung auf dem Gelände der Gedenkstätte gipfelte.

„Das ist eine Zweckentfremdung der Mittel im doppeltem Sinne: Erst wird der Gedenkort entweiht, und dann wird das verdiente Geld noch benutzt, um das Ehrenmal umzuwidmen“, kritisierte Hess damals gegenüber der JUNGEN FREIHEIT. Bis zuletzt setzte Hess sich gegen die Pauschalisierung der Wehrmacht als verbrecherisch ein.

Nach dem Abitur am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Berlin-Dahlem trat Hess in die Kriegsmarine ein. Nach viereinhalb Jahren Kriegseinsatz auf Minensuchern und Unterseebooten übernahm er als 21 Jahre alte Oberleutnant zur See das Kommando über U 995 vom Typ VII c, das in Narvik lag. Sein Kampfgebiet war das Nordmeer, wo das Boot vor allem gegen britische und amerikanische Geleitzüge eingesetzt wurde, die Kriegsmaterial in die Sowjetunion bringen sollten.

Von den Briten interniert

Unter Hess‘ Kommando konnte es einen Zerstörer, einen bewaffneten Fischdampfer, ein Geleitboot und vier Frachtschiffe versenken, einen weiteren Zerstörer und drei Frachter torpedieren. Im Februar 1945 drang das U-Boot nachts in den von Russen besetzten finnischen Nordmeerhafen Kirkenes ein, torpedierte einen hier liegenden Dampfer und konnte unbemerkt die offene See erreichen. Dafür erhielt der Kommandant das Ritterkreuz. Als die Wehrmacht kapitulierte, lag das Boot in Trondheim in der Werft, um mit einem Schnorchel ausgerüstet zu werden. Die Mannschaft wurde von den Briten interniert.

Nach der Entlassung studierte Hess in Göttingen und Erlangen Rechtswissenschaften, wurde promoviert und ging in die Wirtschaft. Bis 1984 war er Geschäftsführer der Industrie-und Handelskammer in Hannover, um anschließend als Rechtsanwalt tätig zu sein. 1998 verließ er nach jahrzehntelanger Mitgliedschaft – wie so viele Konservative – die CDU.

Im September 2001 verbreitete der Norddeutsche Rundfunk, Funkhaus Kiel, einen Fernsehbeitrag über den ehemaligen U-Boot-Kommandanten Hess und nannte ihn einen Mörder. Angeblich hatte ein Informant, den zu benennen der NDR sich weigerte, Material vorgelegt, wonach in britischer Gefangenschaft der U-Boot-Kommandant gemeinsam mit seinen Offizieren verantwortlich gewesen sein soll für die Erschießung eines Besatzungsangehörigen, der unerlaubt die Einheit verlassen hatte.

Der NDR mußte Hess Sendezeit einräumen

Der Sender hatte es nicht für notwendig befunden, zu den fragwürdigen Beschuldigungen den Betroffenen wenigstens anzuhören. Hess wehrte sich entschieden. Tatsächlich hatte sicher der betreffende Seemann unerlaubt abgesetzt, war festgenommen und eingesperrt worden. Als er zu fliehen versuchte und den Wachtposten angriff, hatte der ihn erschossen. Eine gerichtliche Untersuchung hatte diesen Tatbestand einwandfrei festgestellt. Der NDR mußte Hess ausreichend Sendezeit einräumen, um seine Sicht der Dinge vor den Fernsehkameras darzustellen.

Hess hat sich stets vor seinen früheren Oberbefehlshaber Großadmiral Karl Dönitz gestellt und zu seinen Kameraden von der amerikanischen U-Boot-Waffe engen Kontakt gehalten. Sie gehörten denn auch zu den ersten, die den Angehörigen ihr Beileid aussprachen.

Lesen Sie auch den JF-Themenschwerpunkt zum Marineehrenmal in Laboe.

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