Christival: Pastor warnt vor „fundamentalistischer Missionsarbeit“

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BREMEN. Nach öffentlichen Solidaritätsbekundungen der EKD und der Bremischen Evangelischen Kirche für das „Christival“ gibt es nun aus der evangelischen Kirche heftige Kritik an diesem evangelikalen Jugendkongreß, der vom 30. April bis 4. Mai in Bremen stattfindet.

Im Interview mit der taz wirft Pastor Bernd Klingbeil-Jahr von der Bremer Friedensgemeinde dem Christival „fundamentalistische Missionsarbeit“ vor. Deshalb habe seine Gemeinde es abgelehnt, Räume zur Verfügung zu stellen. Nach Überzeugung des Theologen gibt der Fundamentalismus auf komplexe Fragen „sehr schlichte, geradezu billige Antworten“. Man habe aber nicht automatisch Recht, nur weil man Christ sei. „Jesus begegnet mir im offenen Dialog mit anderen Menschen, vielleicht im obdachlosen Atheisten.“

Ein offensives Nein zu Abtreibungen nannte der Pastor eine „schwarz-weiße, allzu schlichte Geisteshaltung“, die gefährlich sei, da sie zur Gewalt neige. Klingbeil-Jahr wandte sich auch gegen Bestrebungen in der evangelischen Kirche, den Begriff Mission wieder positiv zu besetzen. „Ich finde, das geht nicht, weil Mission im Kolonialismus einfach mit Gewalttaten verbunden ist, da klebt Blut dran.“ Wer nach Auschwitz für Judenmission eintrete, wie das die Bremer Matthäus-Gemeinde tue, der pervertiere den Glauben.

Beck kommt nach Bremen

Unterdessen wurde bekannt, daß der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Volker Beck (Berlin), am 29. April – dem Vorabend der Christival-Eröffnung – zu einer Podiumsdiskussion nach Bremen kommen wird. Die „Grüne Jugend“ will dort zum Thema „Frei denken, handeln, lieben“ ein Gespräch zwischen Beck, Annegret Siebe von Pro Familia und dem evangelikalen Pastor Olaf Latzel von der St. Martini-Gemeinde führen lassen.

Zur öffentlichen Kontroverse um den Jugendkongreß war es gekommen, nachdem Beck Anstoß an einem inzwischen abgesagten Seminar genommen hatte, das Hilfen für Homosexuelle anbot, die unter ihrer homosexuellen Orientierung leiden und Veränderung wünschen.

Organisierten Widerstand gibt es vor Ort: Nach einem Antisexistischen Bündnis, das bei der Christival-Eröffnung in unmittelbarer Nähe eine „Antisexistische (Walpurgis) Demo“ durchführen will, hat inzwischen auch das „Rat- und Tat-Zentrum für Schwule und Lesben“ Aktionen angekündigt.

Bischof Huber fährt zum Christival

Unterstützung hat Christival von der Deutschen Evangelischen Allianz, evangelikalen Verbänden und evangelischen Kirchenleitern erhalten. Der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber (Berlin), wird den Kongreß am 2. Mai besuchen.

Zu Äußerungen Becks, daß er die Meinungsfreiheit der von ihm kritisierten Veranstalter gegen jeden Repressionsversuch verteidigen werde, erklärte der Präsident des EKD-Kirchenamts, Hermann Barth (Hannover), gegenüber idea: „Daran werde ich ihn messen, wenn es im Vorfeld oder bei Veranstaltungen des Christivals 2008 zu irgendeinem Repressionsversuch – wie etwa Störungen – kommen sollte.“ (idea/JF)

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