Bundeswehr: Streit um das Eiserne Kreuz

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Eisernes Kreuz als Hoheitszeichen an einem Bundeswehrfahrzeug
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Eisernes Kreuz von 1813

BERLIN. Deutschland hat es nicht einfach mit seiner Identität, seinen Symbolen, seinem nationalen Selbstverständnis. Geht es um einen souveränen Umgang mit der eigenen Geschichte, nationalen Traditionen, ist der Weg zur Hysterie nicht weit.

Aktuelles Beispiel: der Streit um das Eiserne Kreuz und die Einführung einer Tapferkeitsauszeichnung für Bundeswehrsoldaten, die sich bei Einsätzen im Ausland bewährt haben. Auf Vorschlag von Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung will Bundespräsident Horst Köhler eine Tapferkeitsauszeichnung für Soldaten im Einsatz einführen. Sogleich wurde dementiert, daß damit das Eiserne Kreuz „wieder aufleben“ solle, wie es der Vorsitzende des Reservistenverbandes gefordert hatte.

„Sinnbild sittlich gebundener soldatischer Tapferkeit“

Dabei wurde das Eiserne Kreuz seit dem 12. November 1955, als die ersten Soldaten der Bundeswehr in der Bonner Ermekeilkaserne ihre Ernennungsurkunde erhielten, zum Symbol der Bundeswehr schlechthin. Die westdeutsche Armee kennzeichnet seit 1956 ihre Panzer und Flugzeuge mit der ursprünglichen Form des Eisernen Kreuzes. So ziert  das Eiserne Kreuz als Hoheitszeichen der Bundesrepublik Deutschland auch die Flugzeuge der Flugbereitschaft, die der Luftwaffe unterstellt sind.

Der Traditionserlaß von 1965 wertet das Eiserne Kreuz als „Sinnbild sittlich gebundener soldatischer Tapferkeit“, der von Verteidigungsminister Hans Apel (SPD) verabschiedete Nachfolgeerlaß von 1982 spricht dem Symbol besondere Bedeutung als „nationalem Erkennungszeichen und als Sinnbild für Tapferkeit, Freiheitsliebe und Ritterlichkeit“ zu.

Es ist ein peinliches Schauspiel, wie Politiker ins Stottern geraten, wenn sie dieses würdige nationale Symbol Deutschlands verteidigen sollen, dem die Armeen aller ehemaligen Kriegsgegner tiefen Respekt zollen.

Legendäre Auftritte Erich Mendes

Das Eiserne Kreuz, daran sei erinnert, wurde in größter nationaler Not vom Preußischen König Friedrich Wilhelm III. 1813 für die Soldaten gestiftet, die sich in den Befreiungskriegen den napoleonischen Truppen entgegenwarfen und wurde erstmals standesunabhängig verliehen. Schnell wurde das Eiserne Kreuz zum nationalen Symbol nicht nur Preußens, sondern aller Deutschen.

Wiederaufgelegt wurde der Tapferkeitsorden 1870 sowie im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Sein Ruhm überdauerte auch das Dritte Reich: Die Bundesrepublik Deutschland erhob es zum Symbol der Bundeswehr, und der Bundespräsident gestattete ab 1957 offiziell das Tragen der Wehrmachtsauszeichnungen unter Beseitigung der NS-Symbole, weshalb diese Orden selbstverständlich weiter getragen wurden. Legendär sind die Auftritte Erich Mendes, Major a. D. der Wehrmacht (1960–1967 Bundesvorsitzender der FDP), der das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes trug.

Die Einführung einer Tapferkeitsmedaille für Bundeswehrsoldaten in Auslandseinsätzen ist ausdrücklich zu begrüßen. Das Eiserne Kreuz in seiner traditionellen Form sollte jedoch dem Einsatz vorbehalten bleiben, der tatsächlich der Landesverteidigung in einem Krieg gilt. Es ist eben ein Irrtum, daß Deutschlands Freiheit am Hindukusch verteidigt wird.

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