Achtungserfolge für unabhängige Präsidentschaftskandidaten

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Ron Paul: Obwohl der Republikaner offiziell nicht kandidiert hat, stimmten 20.000 Wähler für ihn Foto: US-Repräsentantenhaus

WASHINGTON. Obwohl kein unabhängiger Präsidentschaftskandidat die Wahl in den Vereinigten Staaten entscheidend beeinflussen konnte, gab es einige Achtungserfolge.

Auch dieses Mal bewarben sich mehrere Dutzend Kandidaten um das Amt des amerikanischen Präsidenten. Sie sind chancenlos, und doch gelten sie als Unwägbarkeiten des US-Wahlkampfes. Gefürchtet sind die sogenannten „Mavericks“ von Wahlkampf-Strategen in den Bundesstaaten mit unsicheren Mehrheitsverhältnissen. Wenige Prozentpunkte können hier über die Mehrheit in einem Bundesstaat und damit die Anzahl der Wahlmänner entscheiden.

Bei der Präsidentschaftswahl 2000 hatte beispielsweise der bekannte Verbraucherschutz-Aktivist Ralph Nader nahezu 100.000 Stimmen im umkämpften Florida gewonnen. Ganze 537 Stimmen lag damit der spätere Präsident George W. Bush vor seinem demokratischen Konkurrenten Al Gore, der dadurch die Gesamtwahl verlor. Auch dieses Mal gelang Nader mit rund 650.000 Stimmen ein Achtungserfolg.

Kein „Maverick“ hat die Wahl entscheidend beeinflußt

Ihm auf den Fersen ist der ehemalige CIA-Mitarbeiter und heutige Bürgerrechts-Aktivist Bob Barr mit rund 480.000 Stimmen. Zuvor war noch spekuliert worden, daß Barr dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain wichtige Stimmen abnehmen könnte. Doch diese Wahl hat kein Unabhängiger entscheidend beeinflußt, wie auch schon 2004. Geblieben ist ein Bild von einem Amerika jenseits der etablierten Machtblöcke.

Ron Paul, der sich noch bis Juni als republikanischer Präsidentschaftskandidat bewarb, gleichwohl McCain bereits im März die Mehrheit besaß, konnte immerhin rund 20.000 Stimmen auf sich vereinigen, obwohl er sich gar nicht offiziell zur Wahl stellte. Paul, innerparteilich ein entschiedener Gegner der „Neocons“, und scharfer Kritiker des amerikanischen Finanzsystems, mußte als sogenannter „Write in“ von den Wählern handschriftlich auf den Wahlzettel eingetragen werden. In zwei Staaten wurde Paul, der wieder für den 14. Distrikt in Texas in das Repräsentantenhaus einziehen wird, sogar von einer regionalen Initiative ohne Rückfrage in die Wahlliste aufgenommen.

Der Spitzenkandidat der Sozialistischen Arbeiterpartei, Róger Calero, hätte im Falle einer gewonnenen Wahl das Amt gar nicht antreten können, da er in Nicaragua geboren wurde. Etwa gleich viel, rund 7.000 Stimmen, gewann auch Gloria La Riva von der Partei für Sozialismus und Liberalismus. Zusammen mit der Sozialistischen Partei der Vereinigten Staaten wären sozialistische Parteien damit auf rund 20.000 Stimmen gekommen.

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