Antifa-Kampagne bringt PR-Professor der Uni Leipzig zu Fall

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Michael Vogt
Geheimakte_Hess
Stein des Anstoßes: Vogts Film „Geheimakte Heß“

Nach einer knapp zweiwöchigen Kampagne gegen den Medienexperten Michael Vogt hat die Universität Leipzig die Zusammenarbeit mit ihrem Honorarprofessor beendet. Ihm waren von verschiedenen Seiten Kontakte in die „rechte Szene“ vorgeworfen worden.

Auslöser war ein Artikel von Spiegel-Online vom 12. November mit dem Titel „Honorarprofessor unter Rechtsextremismus-Verdacht“. In dem Beitrag wurde Vogt unter anderem seine Mitgliedschaft in der von Spiegel-Online als rechtsextrem bezeichneten Münchner Burschenschaft Danubia vorgeworfen. Zudem wurde der Medienwissenschaftler für seine Dokumentation „Geheimakte Heß“ kritisiert, die 2003 und 2004 mehrfach vom Nachrichtensender n-tv ausgestrahlt worden war. Darin waren auch Dokumente vorgelegt worden, die auf eine Friedensbereitschaft Hitlers mit England hinweisen sollen.

Aktueller Anlaß für den Artikel war aber eine Presseerklärung der damals noch bestehenden rechten Fraktion im Europäischen Parlament „Identität Tradition Souveränität“ (ITS), auf der auch Vogts Name aufgetaucht war. Der Presseerklärung war ein gemeinsames Treffen führender Vertreter rechter bis rechtsextremer deutscher Parteien mit der ITS-Fraktion in Straßburg Ende September vorausgegangen. Das Treffen hatte für erhebliche mediale Aufmerksamkeit gesorgt, weil auch die Parteispitze der NPD daran teilgenommen hatte.

Spiegel-Online behauptete in dem Artikel weiter, daß Studenten unter anderem deshalb Vogts Rauswurf forderten. So wurde die Antirassismus-Referentin des Studentenrats der Universität Leipzig, Henrike Böhm, mit den Worten zitiert: „Es ist unerträglich, dass ein Rechtsaußen in Leipzig lehrt“.

Nun kündigte die Leipziger Universität die Zusammenarbeit mit Vogt auf. Grund dafür seien „Vogts politische Aktivitäten außerhalb seiner Lehrtätigkeit an der Universität Leipzig im Zusammenhang mit Veranstaltungen und Publikationen rechtsextremer Gruppen“, so die Universität am Freitag in einer Pressemitteilung. Dennoch danke das Institut Vogt für seine „in den vergangenen Jahren geleistete Lehr- und Betreuungsarbeit, in der nach Aussagen der Studierenden zu keiner Zeit politische Auffassungen oder Aktivitäten eine Rolle gespielt“ hätten.

Gegenüber der JUNGEN FREIHEIT bezog Vogt nun erstmals Stellung zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen und die Rolle von Spiegel-Online sowie der Antirassismus-Referentin Böhm in der Kampagne gegen seine Person.

Herr Professor Vogt, was war der Auslöser zur Kampagne gegen Sie?

Vogt: Jüngster Auslöser waren meine zeitgeschichtlichen Filme zum Englandflug von Rudolf Heß 1941 und zum Nürnberger Prozeß. Die Kampagne seitens der „Antifa“ und des „Informationsdienst gegen Rechtsextremismus“ begann 2003, nachdem der Heßfilm insgesamt siebenmal bei n-tv ausgestrahlt worden war 2006 wurde dann ein erster Anlauf in München gestartet, die politischen Helfershelfer der Antifa an den Unis gegen mich in Stellung zu bringen. Und Ende Oktober dieses Jahres passierte dasselbe jetzt in Leipzig.
Eine sehr viel ältere Kampagne der damals von Ost-Berlin bezahlten „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ startete schon 1983, als ich zusammen mit Wolfgang Venohr zwei große ARD-Dokumentationen für das Abendprogramm über die Kriegsverbrechen der Alliierten im 2. Weltkrieg machte und dabei erstmals und bislang einmalig auch Verbrechen der Roten Armee dokumentierte.

Wann begann die aktuelle Kampagne gegen Sie?

Vogt: Die erste Veröffentlichung und der Auftakt zur Hatz erfolgte unter dem bezeichnenden Tenor „Ein Mensch mit einer solchen politischen Einstellung kann und darf nicht an unserer Universität lehren“, bezeichnenderweise am 9. November, dem Tag der Reichspogromnacht.

Was wirft man Ihnen konkret vor?

Vogt: In erster Linie geht es – wie schon 2006 und seit 2004 – um meine Filme und hier zunächst „Geheimakte Heß“. Die darin enthaltenen Dokumente belegen, daß 1940/41 seitens der Churchillregierung jegliche Friedensinitiativen abgelehnt wurden.
Diese offenbar volkspädagogisch unerwünschten Wahrheiten darf man nicht verbreiten. Soviel zur Freiheit der Wissenschaft.
Der zweite Vorwurf bezieht sich auf meine Mitgliedschaft in der Burschenschaft Danubia. Aus Sicht der den Rausschmiß betreibenden Studenten ist man deswegen als Professor an einer deutschen Universität untragbar.

<---newpage---> Die Zielrichtung stand von Anfang an fest

Ihr Name tauchte auf der gemeinsamen Presseerklärung der ITS-Fraktion mit Vertretern von NPD, DVU, Republikanern und anderen auf. Wie kam es dazu?

Vogt: Als ich diesen Umstand am Tage der Veröffentlichung dieser Pressemitteilung erfuhr – ich hatte davon keine Ahnung, diese Meldung weder unterschrieben, noch an ihr in irgendeiner Form mitgewirkt oder je mein Einverständnis gegeben, – daß mein Name dort erscheint, bin ich sofort aktiv geworden, um diesen fatalen Irrtum korrigieren zu lassen, was dann auch sofort geschah.
Fakt ist: Ich war und bin nicht Parteimitglied in irgendeiner der dort anwesenden Parteien. In dieser Erklärung der versammelten höchsten Parteispitzen bin ich daher also völlig fehl am Platze.

Was denken Sie war dabei der entscheidende Punkt, der nun letztlich zur Beendigung ihrer Lehrtätigkeit führte?

Vogt: Die zweite Meldung bei Spiegel-Online macht es noch einmal deutlich, daß es in erster Linie um meinen Film „Geheimakte Heß“ ging. Meine historischen Filme sind der Grund – die ITS-Meldung war lediglich der Auslöser.

Wer waren dabei die treibenden Kräfte an ihrer Hochschule?

Vogt: Instrumentalisiert von der „Antifa“ oder selbst deren Bestandteil waren es der Studentenrat und das Antirassismusreferat der Universität. In Verbindung mit der Presse wurde die Kampagne lanciert. Die Presse hat es dabei – genau wie die Studentenvertreter – vorgezogen, sich mit den Inhalten meiner filmischen Arbeit erst gar nicht auseinanderzusetzen.

Welche Rolle spielte Spiegel-Online in der aktuellen Kampagne gegen Sie?

Vogt: Spiegel-Online spielt als das führende Nachrichtenmedium im Internet natürlich eine herausragende Rolle. Auch wenn der Verfasser des ersten Beitrages sich als Redakteur des Berliner Tagesspiegel ausgab, ist er wenigstens einer von zwei Journalisten, die über mich schrieben und mich dabei überhaupt kontaktierten. Da die Zielrichtung allerdings vorab feststand, war das Gespräch fruchtlos. Die von mir wiedergegebenen Zitate stimmen ebenso wenig wie die der Spitzenfunktionäre der Republikaner, von denen ich inzwischen Erklärungen vorliegen habe, daß beide die bei Spiegel online abgedruckten Äußerungen so nicht gemacht haben.

Wie viele Studenten haben sich überhaupt über Sie beschwert?

Vogt: Ich habe von meinen eigenen Studenten nur Zuspruch erhalten. Im Forum der Kommunikationswissenschaftler des Studentenrats gibt es ganze acht Einträge, von denen sich vier mit der Frage, wie man nach dem Wegfall meines Seminars an den erhofften Schein kommt, befassen. Faktisch kritisch zu meiner Person ist in diesem Form ein einziger Eintrag – soviel zum in den Medien zitierten „Aufruhr“ und der „Aufregung“ unter den Studenten.

Wie verhielt sich das übrige Kollegium Ihnen gegenüber?

Vogt: Ich habe – das ist sicherlich ein besonderer Fall – vom Institutsrat im Rahmen einer Anhörung die Möglichkeit gehabt, den Kollegen und den Studentenvertretern Rede und Antwort zu stehen. Dafür bin ich dankbar, da es für die universitätsadäquate Herangehensweise an dieses Thema spricht und nicht für die Form des Eingehens auf eine schon erfolgte mediale Hinrichtung, wie sie Eva Herman seitens ihres Senders erfuhr.

Prof. Dr. Michael Friedrich Vogt: Jahrgang 1953, studierte Geschichte und Politische Wissenschaften in München. Anschließend als Fernsehjournalist und Filmemacher tätig. Langjährige Arbeit als Presse-, Kommunikations- und Marketingchef in verschiedenen Unternehmen und Verbänden. Seit 2001 freiberuflicher Fernsehjournalist und Hochschullehrer an der Universität Leipzig.

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