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Minneapolis: Anti-Trump-Proteste nach tödlichem ICE-Einsatz

Minneapolis: Anti-Trump-Proteste nach tödlichem ICE-Einsatz

Minneapolis: Anti-Trump-Proteste nach tödlichem ICE-Einsatz

Auch in LA kommt es nach dem tödlichen ICE-Einsatz zu Protesten. In Minneapolis sind derweil Grenzschützer bei einer Abschiebung im Einsatz. Foto: picture alliance / Anadolu | Madison Thorn / picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Caroline Brehman
Auch in LA kommt es nach dem tödlichen ICE-Einsatz zu Protesten. In Minneapolis sind derweil Grenzschützer bei einer Abschiebung im Einsatz. Foto: picture alliance / Anadolu | Madison Thorn / picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Caroline Brehman
Auch in LA kommt es nach dem tödlichen ICE-Einsatz zu Protesten. In Minneapolis sind derweil Grenzschützer bei einer Abschiebung im Einsatz. Foto: picture alliance / Anadolu | Madison Thorn / picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Caroline Brehman
Minneapolis
 

Anti-Trump-Proteste nach tödlichem ICE-Einsatz

Wieder stirbt ein Mensch bei einem Einsatz der US-amerikanischen Abschiebebehörde ICE in Minneapolis. Das Heimatschutzministerium spricht von Selbstschutz, trotzdem demonstrieren Zehntausende gegen Trump. Entgleist die Migrationspolitik des Präsidenten?
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MINNEAPOLIS. Nach tödlichen Schüssen am Rande eines Einsatzes der US-amerikanischen Abschiebebehörde ICE in Minneapolis haben sich landesweit zehntausende Menschen an Protesten gegen die Regierung in Washington beteiligt. Allein in der Hauptstadt des Bundesstaats Minnesota sollen sich nach dem Zwischenfall um die 50.000 Menschen zu einem von Streiks begleiteten Demonstrationsmarsch versammelt haben, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Samstag meldete.

An die tausend weiteren Kundgebungen seien laut Sendernetzwerk NPR für das Wochenende im Rest des Landes unter dem Motto „ICE Out For Good Weekend of Action“ geplant, so etwa in New York, Boston, San Francisco und Los Angeles.

Heimatschutzministerium spricht von Selbstschutz

Ersten Erkenntnissen zufolge wurde der 37jährige Krankenpfleger Alex Jeffrey Pretti bei einem ICE-Einsatz im Süden von Minneapolis bei einem Handgemenge erschossen. Im Internet kursierende Aufnahmen zeigen mehrere Beamte, die einen Mann am Boden halten, bevor an die zehn Schüsse fallen.

Das Heimatschutzministerium, dem die Abschiebebehörde unterstellt ist, veröffentlichte noch am Samstag eine Stellungnahme, in welcher es darauf hinwies, der Getötete sei „auf die Grenzschutzbeamten mit einer halbautomatischen 9 Millimeter Pistole bewaffnet“ zugegangen. Die Kollegen hätten versucht, dem Mann die Waffe zu entwenden, dieser habe sich jedoch gewehrt, woraufhin die Beamten „um ihr Leben und die Sicherheit der Beamten fürchtend“ die Schüsse abgegeben hätten.

Gouverneur Walz sieht seinen Bundesstaat „besetzt“

Der Gouverneur von Minnesota Tim Walz (Demokraten) beklagte auf einer Pressekonferenz nach dem Todesfall die „Besetzung“ seines Staates durch Bundesbeamte, die „schon lange nichts mehr mit Migrationspolitik“ zu tun, sondern sich in eine „brutale Kampagne gegen die Einwohner von Minnesota“ verwandelt habe. In einer ersten Reaktion ließ der Politiker die Nationalgarde des Bundesstaates in Bereitschaft versetzen – die Truppe hilft normalerweise bei der Bekämpfung von Naturkatastrophen oder ist bei der Eindämmung gewaltsamer Proteste im Einsatz.

Schon seit Wochen ist Minneapolis Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen US-Bürgern auf der einen Seite und ICE-Beamten auf der anderen, deren Vorgehen bei Abschiebungen auf immer mehr Widerstand stößt. Anfang Januar erst wurde die Schriftstellerin Renee Good bei einem Einsatz der Behörde in der Nähe des Stadtzentrums erschossen, was eine Protestwelle auslöste. Immer öfter werden ICE-Beamte bei ihrem Vorgehen von US-Bürgern behindert, die ihnen den Weg versperren, sie zur Rede stellen oder sie filmen.

US-Vizepräsident J.D. Vance machte „linksradikale Agitatoren“ für die Zustände in der Stadt verantwortlich. „Dieser Grad an selbstgemachtem Chaos ist charakteristisch für Minneapolis“, schrieb Vance am Sonntag auf X.

Diskussion um Ausbildung von ICE-Beamten flammt auf

Die Schüsse lassen unterdessen erneut eine Diskussion über die Ausbildung der ICE-Beamten hochkochen. David Bier vom libertären Cato Institute aus Washington D.C. etwa warnte unlängst im US-Fernsehsender NBC: „Die aggressive Anwerbepolitik der Behörde bedeutet, daß bald eine Menge Leute im Einsatz sein werden, die eigentlich eine beträchtliche Ausbildung bräuchten, auch weil sie womöglich in der Vergangenheit niemals bei einer Behörde wie dieser gearbeitet haben.“ Ihre Unerfahrenheit führe dazu, daß sich Anwärter leichter in Situationen verstrickten, in die erfahrenere Kollegen niemals geraten würden.

Tatsächlich hat sich die Anzahl der ICE-Beamten seit dem Amtsantritt von Präsident Trump mehr als verdoppelt – von rund 10.000 Beamten Anfang 2025 auf 22.000 Anfang 2026. „Das ist eine Steigerung von 120 Prozent für unsere Tatkraft“, lobte eine Sprecherin des Heimatschutzministeriums die „unvergleichliche Rekrutierungskampagne“ von ICE in den vergangenen Monaten in einer Stellungnahme vom Januar.

Um die Zahl der Rekruten in die Höhe zu treiben hat das Heimatschutzministerium NBC zufolge die Altersgrenzen für eine Bewerbung abgeschafft und Bonuszahlungen von bis zu 50.000 Dollar ausgeschrieben sowie die Tilgung von Studienschulden in Aussicht gestellt – auch wenn ein Abschluß laut ICE keine Bedingung für die Bewerbung darstellt. Mehr als 220.000 Bewerber sollen so angelockt worden sein. Die Ausbildung normaler Vollzugsbeamter dauert im Schnitt zwischen vier und acht Monaten und umfaßt neben Kursen zum Einwanderungsrecht auch Spanischunterricht und Schießtrainings. (fw)

Auch in LA kommt es nach dem tödlichen ICE-Einsatz zu Protesten. In Minneapolis sind derweil Grenzschützer bei einer Abschiebung im Einsatz. Foto: picture alliance / Anadolu | Madison Thorn / picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Caroline Brehman
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