Papst Franziskus: Die EU-Bürger lebten in einer „Epoche des Stacheldrahts“, in der keine Verantwortung für Migranten übernommen werde
Papst Franziskus: Die EU-Bürger lebten in einer „Epoche des Stacheldrahts“, in der keine Verantwortung für Migranten übernommen werde Foto: picture alliance / Giannis Panagopoulos / Eurokinissi / ANE

Einwanderung
 

Papst kritisiert Umgang mit Migranten auf Lesbos

ATHEN. Anläßlich seines Besuchs zweier Migrantenlager auf der griechischen Insel Lesbos hat Papst Franziskus den Umgang mit den dort lebenden Einwanderern angeprangert. „Ich bitte euch, laßt uns diesen Schiffbruch der Zivilisation stoppen“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Sonntag bei einer Predigt in Mytilini.

Migration sei ein Weltproblem und eine humanitäre Krise, die alle angehe. Derzeit werde sich dem Problem aber nicht ausreichend angenommen. Seit seinem letzten Besuch der Migrantenlager auf der Insel Lesbos habe sich kaum etwas verändert.

Papst Franziskus: Nationalismus hat katastrophale Folgen

Die „ständig Abwälzung von Verantwortung“ müsse aufhören. „Die Migrationsfrage darf nicht immer an andere delegiert werden, so als beträfe es niemanden und als sei sie nur eine nutzlose Last, die jemand zu übernehmen gezwungen ist“, mahnt der Papst laut Vatikanangaben.

Die EU-Bürger lebten in einer „Epoche des Stacheldrahts“, in der der Bau von Grenzbefestigungen als Lösung für die Migrationskrise betrachtet werde. Die Geschichte habe die katastrophalen Folgen von Abkapselung und Nationalismus gezeigt.

Mittelmeer verwandle sich in „kalten Friedhof ohne Grabsteine“

Das Mittelmeer gelte als „Wiege zahlreicher Zivilisationen“. Derzeit verwandle es sich aber in einen „kalten Friedhof ohne Grabsteine“ und einen „Spiegel des Todes“.

Am Freitag hatte Franziskus angekündigt, 50 Migranten von seinem Besuch auf Zypern mit nach Rom zu nehmen. Damit will er ein Signal an die EU senden, die aktuelle Einwanderungspolitik zu überdenken. (zit)

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