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Gutachten Schweizer Gerichtsmediziner
 

Streit um Tod Arafats

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Arafats letzte Minuten auf palästinensischem Boden 2004 Foto: picture alliance/dpa

RAMALLAH. Das israelische Außenministerium hat sich skeptisch über den Bericht eines Schweizer Teams von Gerichtsmedizinern gezeigt, wonach der frühere Palästinenserpräsident Yassir Arafat mit Polonium vergiftet wurde. Dem Bericht zufolge sei die Poloniumkonzentration in Arafats Körper 18 mal über dem Normalwert gewesen sein. Bereits ein Millionstel Gramm Polonium kann einem Menschen töten.

Das ganze sei „mehr eine Seifenoper als Wissenschaft“, sagte Ministeriumssprecher Yigal Palmor nach einem Bericht der Jerusalem Post. „Das ist alles sehr verworren. Was aber klar ist, ist, daß es große Löcher in dieser Theorie gibt, mehr Löcher als in einem Schweizer Käse.“ Israel bemängelt vor allem, daß ausschließlich Spuren vom Leichnam, nicht aber solche aus Arafats Hauptquartier oder dem französischen Krankenhaus, in dem er behandelt worden war, genommen wurden.

Gerichtsmediziner entnahmen Proben

Arafat erkrankte im Oktober 2004 und starb wenige Wochen später am 11. November in einem Pariser Krankenhaus. Immer wieder hatte es nach seinem Tod Gerüchte gegeben, er könnte vergiftet worden sein. Nach der Einleitung eines Untersuchungsverfahrens durch die französische Staatsanwaltschaft im August 2012 nahmen Gerichstmediziner aus Frankreich, Rußland und der Schweiz Proben von Arafats Leichnam, der im Hauptquartier der palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah beigesetzt ist.

Bei der Palästinenserorganisation PLO ist man sich nach Bekanntwerden der Ergebnisse sicher, daß Israel für den Tod Arafats verantwortlich ist: „Präsident Arafat ist als Opfer einer organisierten, terroristischen Hinrichtung gestorben, die von einem Staat namens Israel ausgeführt wurde, der suchte, ihn los zu werden“, sagte das Mitglied im PLO-Exekutivkomitee,  Wase Abu Yousef, am Mittwoch in einer Stellungnahme. Die Veröffentlichungen des russischen und französischen Teams stehen noch aus. (tb)

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