Joachim Kuhs
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Nach Polizeiaktion gegen Muslimbrüder
 

Ausnahmezustand in Ägypten

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Räumung des Protestcamps im Stadtteil Nasr City Foto: picture alliance/ dpa

KAIRO. Der ägyptische Präsident Adly Mansour hat einen einmonatigen Notstand ausgerufen, damit „die Streitkräfte in Kooperation mit der Polizei Sicherheit und Ordnung aufrechterhalten“ können. Zuvor hatten sich nach der Auflösung zweier Protestcamps der Muslimbruderschaft in Kairo am Mittwoch Unruhen auf ganz Ägypten ausgebreitet. Bei der Räumung der beiden Lager kam es zu zahlreichen Todesfällen.

Über die genaue Anzahl gab es zwischen den Konfliktparteien Unstimmigkeiten. Das Gesundheitsministerium gab am Nachmittag die Zahl der Toten mit 95 an. 874 Personen seien bei den Zusammenstößen verletzt worden. Zuvor hatte ein Sprecher der Muslimbruderschaft, Gehad al-Haddad, von über 600 Todesopfern und 5.000 Verletzten gesprochen. Wie Regierungsstellen der Nachrichtenagentur AP miteilten, begann die Operation am Mittwoch um 7 Uhr Ortszeit im größeren der beiden Camps, im Stadtteil Nasr City, einer Hochburg der Islamisten im Osten der Hauptstadt.

Nach AP-Angaben nahm die ägyptische Armee nicht an der Räumung teil, gab der Polizei jedoch Rückendeckung. Zu weiteren Kämpfen kam es laut Berichten ägyptischer Medien bei der Räumung von Platzbesetzungen in Gizeh. Bis zum Mittag gingen auch in Alexandria und anderen ägyptischen Städten hunderte Anhänger der Muslimbrüder auf die Straße, um gegen die Räumungen zu protestieren.

Islamisten zünden Kirchen an

Militante Islamisten haben als Reaktion auf die Niederschlagung ihrer Proteste am Mittwoch zahlreiche Kirchen in Brand gesetzt. In mindestens fünf Kleinstädten brannten laut der ägyptischen Zeitung Daily News Egypt Kirchen. In Suez wurde eine Schule der Franziskaner angezündet. In der etwa 115 Kilometer südlich von Kairo gelegenen Großstadt Bani Suef stellten sich Bewohner schützend vor eine Kirche und verhinderten so, daß Islamisten sie in Brand setzen konnten.

Einem Regierungsbeamten der Fayoum-Provinz zufolge hatten Anhänger von Präsident Mursi bereits vor Tagen Vergeltungsaktionen gegen Christen angekündigt, sollten die Protestlager in Kairo aufgelöst werden. Seit dem Sturz von Präsident Mursi Anfang Juli sind mehr als 350 Menschen bei Auseinandersetzungen zwischen Armee und protestierenden Muslimbrüdern ums Leben gekommen. (tb)

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