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Krieg in Afghanistan
 

Auf dem Rücken der Soldaten

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Afghanische Soldaten: Unzuverläsige Verbündete Foto: Flickr/Bundeswehr Lizenz: https://bit.ly/ZxsjDa

Nachdem Anfang Mai der erste KSK-Soldat in Afghanistan gefallen war, wurde zunächst versucht, die Umstände seines Todes geheimzuhalten. Nach und nach sickerte dann durch, daß die deutschen Spezialkräfte von verbündeten Afghanen, die sich in einem Gefecht mit Taliban befanden, zur Unterstützung angefordert wurden.

Als die KSK-Einheit vor Ort eintraf, sollen sich die Afghanen zurückgezogen haben, so daß sich die Deutschen auf einmal den Taliban allein gegenübersahen. Es wurde Luftunterstützung angefordert, die Lage schien bereinigt, als die Spezialkräfte in einen Hinterhalt gerieten, bei dem der KSK-Soldat fiel und ein weiterer schwer verwundet wurde.

Die verbündeten Afghanen sollen sich auch daran nicht beteiligt, sondern aus sicherer Entfernung den Feuerkampf beobachtet haben. Unklar bleibt, ob es sich um Verrat oder schlichte Untätigkeit handelt. Beides wiegt in einem Krieg ähnlich schwer. Der Generalinspekteur, General Wieker, räumte ein, daß man die Zusammenarbeit mit den Afghanen überdenken müsse.

Angriffe auf Bundeswehr nahmen um 25 Prozent zu

Am Mittwoch rief nun der Verantwortliche für die Auslandseinsätze, Konteradmiral Brinkmann, eine Handvoll Journalisten in seinen Dienstsitz. Brinkmann mußte eingestehen, daß die Bundeswehr die Sicherheitslage in Nordafghanistan, eben jener Region, welche die Bundeswehr als erste an einheimische Sicherheitskräfte abgibt, systematisch geschönt hat und von einem Rückgang der sicherheitsrelevanten Vorfälle keine Rede sein kann.

Im Gegenteil: die Angriffe und Anschläge nahmen 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent zu. In Nordafghanistan ist auch der KSK-Soldat gefallen, was für jeden Beobachter eine logische Konsequenz aus der zunehmenden Eskalation in der Region sein muß. Brinkmann bestätigte die durchgesickerte Darstellung der Vorgänge, wollte von Verrat jedoch nichts wissen.

Er wird mit der Aussage zitiert, daß „das taktische Verhalten der Afghanen“ anders war, „als wir das angelegt hatten“. Er zweifle, im Gegensatz zum Generalinspekteur, nicht „an der Zuverlässigkeit und auch dem Kampfeswillen der Afghanen“.

Krieg ist nicht zu gewinnen

Die Ereignisse, die zum Tod des KSK-Soldaten führten und die Deutung durch die Verantwortlichen läßt nur einen Schluß zu: Der Krieg in Afghanistan soll unbedingt als Erfolg verkauft werden, ohne Rücksicht auf die eigenen Soldaten, die dafür den Kopf hinhalten müssen. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die afghanischen Streitkräfte ein Problem mit Korruption haben und daß die Stammesloyalität im Zweifel mehr zählt als die zum afghanischen Staat.

Bei realistischer Einschätzung der Lage hätte man zu dem Ergebnis kommen müssen, daß, allen demokratischen Weltbeglückungsversprechen zum Trotz, Mißtrauen angebracht ist. Daß die Sinne mittlerweile nicht nur bei der Politik, sondern auch beim Militär vernebelt sind, fordert Opfer, die sich vermeiden ließen. Voraussetzung wäre, daß die Verantwortlichen die Diskrepanz zwischen Wunschvorstellung und Realität endlich zur Sprache bringen und damit eingestehen, daß der Einsatz in Afghanistan gescheitert ist – und unter den Voraussetzungen, mit denen Gutmenschen Krieg führen, nie zu gewinnen war.

Dr. Erik Lehnert, Jahrgang 1975, Philosoph und Historiker, ist seit 2008 Geschäftsführer des Instituts für Staatspolitik.

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