Israel tötet Hamas-Militärchef

GAZA. Die israelische Luftwaffe hat den Militärchef der Hamas, Ahmed Jabari, getötet. Laut Angaben der israelischen Armee handelte es sich dabei um eine „chirurgische“ Operation, bei der Jabari in seinem Auto gezielt getötet wurde.

Israelischen Medien zufolge wurde neben dem 52jährigen allerdings auch dessen Sohn getötet.  Ahmed Jabari galt in der Hamas nicht nur aufgrund seiner militärischen Expertise als entscheidende Figur im bewaffneten Kampf gegen Israel. Er war zudem ein wichtiger Verbindungsmann zwischen der Hamas-Führung in Gaza und der Exilführung um Hamas-Chef Chaled Meschaal.

Jabari wurde im Alter von 22 Jahren von einem israelischen Gericht wegen Beteiligung an einem Anschlag zu 13 Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Freilassung 1995 schloß er sich der Hamas an. Nachdem Israel seinen Vorgänger, Mohamed Deif, im Jahr 2002 liquidierte, wurde Jabari Chef des militärischen Arms der Hamas, der Izzedin-al-Quassam-Brigaden und war verantwortlich für den bewaffneten Kampf der Organisation während der Zweiten Intifadah bis 2005. Unter seiner Führung wurden die Quassam-Brigaden zusehends professioneller und richteten sich an Kampfstrukturen der libanesischen Hizbollah aus.

Israel machte Jabari für Gilad-Entführung verantwortlich

Israel macht Jabari auch für die Planung der Entführung des Soldaten Gilad Schalit verantwortlich, der von 2006 bis 2011 von der Hamas gefangen gehalten worden war.

2004 versuchte Israel bereits einmal vergeblich, Jabari zu töten. Bei dem Angriff auf sein Wohnhaus starben damals sein ältester Sohn, sein Bruder sowie drei weitere Familienmitglieder.

Nachdem zwischen Samstag und Dienstag über hundert Raketen aus dem Gaza-Streifen auf Israel abgefeuert wurden und Israel mit Gegenschlägen antwortete, bei denen sechs Palästinenser getötet wurden, schien sich die Situation am Dienstagabend zunächst zu beruhigen. Gegenüber ägyptischen Vermittlern deuteten sowohl Israel als auch die Hamas an, daß sie an einer weiteren Verschärfung der Auseinandersetzung nicht interessiert seien.

Am Mittwoch schlugen vier weitere Raketen in Israel ein, allerdings auf unbewohntem Gebiet. Bereits seit Tagen war in israelischen Sicherheitskreisen über mögliche Reaktionen auf den anhaltenden Raketenbeschuß südisraelischer Städte spekuliert worden. Die Liquidierung Jabaris wurde dabei stets als eine Option genannt.

Lage spitzt sich zu

Am Abend zeichnete sich eine Ausweitung der Eskalation ab. Im Rahmen der Operation „Säule der Verteidigung“ führte Israel dutzende Luftschläge und marinegestützte Operationen gegen Ziele im Gaza-Streifen durch. Bei diesen wurden mindestens zehn Menschen getötet, darunter ein Baby. Mindestens 40 weitere wurden verletzt. Aus Protest gegen das israelische Vorgehen hat Ägyptens Präsident Mohamed Morsi inzwischen den Abzug seines Botschafters aus Tel Aviv angekündigt.

Die Hamas hat unterdessen mit zahlreichen Raketenangriffen auf die Tötung Jabaris reagiert. Bis Mitternacht Ortszeit feuerte die Organisation nach Angaben der Zeitung Haaretz rund 60 Raketen auf Orte in Südisrael ab. Die meisten der Raketen, die auf die dichtbesiedelten Städte Beer Sheva und Ashdod gerichtet waren, wurden vom israelischen Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ abgefangen.

Es kam jedoch auch zu vereinzelten Einschlägen in Wohngebieten. Die Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva, die sich im Einzugsgebiet palästinensischer „Grad“-Raketen befindet, wurde bis auf weiteres geschlossen. Premierminister Benjamin Netanyahu traf sich am Abend mit seinem Sicherheitskabinett zu einer Sondersitzung in Tel Aviv. Dort wurde einer Einberufung von Reservisten zugestimmt. Außerdem autorisierte das Sicherheitskabinett Premierminister Netanyahu, Außenminister Avigdor Lieberman sowie Verteidigungsminister Ehud Barak, ab sofort allein über das weitere Vorgehen entscheiden zu dürfen.

Ein Sprecher der israelischen Armee kündigte gegenüber der Zeitung Yedioth Acharonot unterdessen weitere Luftschläge an. „Das ist nicht das Ende der Geschichte, alle Optionen sind offen. Wir werden weiterhin mit aller Entschlossenheit gegen die Terrororganisationen zuschlagen.“ Am Abend unterstrich auch Verteidigungsminister Barak auf der Pressekonferenz im Anschluß an die Tagung des Sicherheitskabinetts: „Wir befinden uns am Anfang einer Operation, nicht an deren Ende. Auf lange Sicht wird die Operation unsere Abschreckungskraft stärken.“

Unterstützung von der Opposition

Unterstützung erhielt die Regierung für ihr Vorgehen auch von der Opposition. Die frühere Außenministerin Tzipi Livni, die bei den im Januar anstehenden Wahlen eine Kandidatur gegen Netanyahu erwägt, sprach von einer „angemessenen Tötung des Führers einer Terrororganisation, der verantwortlich für das Blut israelischer Bürger ist“. Shelly Yachimovich, Vorsitzende der israelischen Arbeitspartei, nannte Jabari einen „Erzterroristen“, der das Blut vieler Israelis an seinen Händen habe. „Israel ist vereint in seinem Kampf gegen Terrorismus.“ (tb)

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