Gespannte Lage nach Mord an radikalem Burenführer

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Internetseite der AWB: 1973 gegründet Screenshot: JF

VENTERSDORP. Bei einer ersten gerichtlichen Anhörung der mutmaßlichen Mörder des Anführers der Afrikaaner Widerstandsbewegung (AWB), Eugène Terre`Blanche, ist es am Dienstag zu Rangeleien zwischen schwarzen und weißen Südafrikanern gekommen, die vor dem Gericht demonstriert haben. Die Polizei konnte jedoch beide Gruppen mit Stacheldrahtbarrieren weitgehend auseinanderhalten, berichtete das schweizerische Internetportal 20minuten online.

Insgesamt kamen etwa 2.000 Demonstranten vor dem Gericht in der Stadt Ventersdorp, die rund 160 Kilometer westlich der Hauptstadt Pretoria liegt, zusammen. Terre`Blanche wurde am Samstag von einem 21 Jahre alten Farmangestellten und einem 15jährigen Jugendlichen mit einem sogenannten Panga (Schlagmesser) sowie einem Rohr erschlagen. Laut südafrikanischen Presseberichten soll ein Disput über ausstehende Lohnzahlungen das Verbrechen ausgelöst haben.

Der selbsternannte Burenführer Terre`Blanche hinterläßt eine Frau und eine Tochter. Der südafrikanische Polizeiminister Nathi Mthethwa kündigte eine lückenlose Aufklärung der Tat an: „Der Fall wird geknackt und jemand wird bestraft.“ An die Medien gerichtet sagte Mthethwa einem Bericht der im namibischen Windhuk erscheinenden deutschsprachigen Allgemeinen Zeitung (AZ): „Laßt uns als Südafrikaner eine Lösung finden. Es gibt nichts, mit dem wir als Südafrikaner nicht fertig werden können.“

AWB kündigte Racheakte an

Südafrikas Präsident Jacob Zuma nahm am Sonntag in einer Sonderrede zu dem Mord Stellung und bezeichnete ihn als „feige Tat“: „Dieser Vorfall spricht zu uns Führern, daß wir gründlich zu belegen haben, bevor wir öffentliche Erklärungen abgeben.“

Damit habe Zuma zur Hetzkampagne des Jugendführers des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), Julius Malema, Stellung bezogen, der bei Veranstaltungen häufig das Lied „Shoot the boer“ anstimme, so die AZ. Das Singen des Liedes ist inzwischen per Gerichtsbeschluß verboten worden.

Die AWB hat indessen für den Mord nicht näher definierte Racheakte angekündigt. Die Organisation ist 1973 von Terre`Blanche mit „sechs anderen afrikaansen Patrioten“ noch während der Zeit der Apartheid gegründet worden, da die offizielle Rassenpolitik unter dem damaligen südafrikanischen Premierminister John Vorster, der einen leichten Wandel eingeführt hatte, den Radikalen als zu liberal galt. Das Abzeichen der AWB ist deutlich an die nationalsozialistische Hakenkreuz-Fahne angelehnt. (vo)

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