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Flammen und Feuer brennen tief in mir

Trommelwirbel. Schwarzweißbilder. Buren, Zivilisten und Soldaten. Dann das Porträt von Koos de la Rey. So beginnt das Musikvideo  der Hymne des jungen weißen Südafrika: „De la Rey“. 82.742 Buren gegen 346.693 britische Soldaten, steht da noch zu lesen, dann beginnt Bok van Blerk (29) zu singen:

„Auf einem Berg in der Nacht – liegen wir im Dunklen und warten. Ich liege kalt in Schlamm und in Blut –  Rucksack und Regen kleben an mir.

Und mein Haus und mein Hof sind verbrannt – um uns zu kriegen. Aber die Flammen und das Feuer brennen nun tief, tief in mir.“

Weit über einhundert Jahre ist der Burenkrieg nun schon her, aber dieser ungleiche Kampf ist noch immer  legendär. Viele Buren ziehen ihr Selbstbewußtsein aus diesem tödlichen Konflikt mit der britischen Kolonialmacht (1899-1902), die damals Tausende von Zivilisten in erstmals eingerichteten Konzentrationslagern zugrunde gehen ließ.

Koos de la Rey war ursprünglich gegen den Krieg, hat sich aber aus Patriotismus dann doch auf die Seite seiner Leute gestellt. Der Offizier war der „südafrikanische General Lee“. Deswegen lautet der Refrain des Liedes auch: „De la Rey, de la Rey, Kommst du und führst die Buren an? De la Rey, de la Rey, General, General, Wie ein Mann werden wir um dich fallen.“

Mit pathetischen Worten beschreibt Bok van Blerk den Kampf der Buren gegen die Briten („die Khakis, sie lachen“). Das fünfminütige Video besteht fast nur aus Kampfszenen. Natürlich ist so ein künstlerischer Erfolg auch von politischer Dimension. Längst haben die schwarzen Machthaber aufgebracht reagiert. Präsident Thabo Mbeki forderte persönlich, daß das Lied nicht mehr in staatlichen Radiosendern gespielt werden darf.

„Das Lied droht von rechtsradikalen Weißen gekapert zu werden“, teilte das südafrikanische Ministerium für Kunst und Kultur mit. Dem Sänger wird unterstellt, er wolle die „weiße, Afrikaans-sprechende Bevölkerung mobilisieren – oder die Buren, wie der Sänger sie nennt.“ Auch die Sprache der südafrikanischen ANC-Vertreter läßt an Klarheit und Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Der Begriff „Buren“ soll möglichst aus dem Sprachschatz entfernt werden, wenn es nach den Herrschenden in Johannesburg ginge.

Das tut der Beliebtheit keinen Abbruch. „Ich höre, daß Weiße sofort aufspringen, wenn das Lied in Kneipen oder Pubs gespielt wird“, berichtet Samuel Kentridge, ein liberaler Südafrikaner, in einer englischsprachigen Zeitung. Alt und Jung halten die Hand aufs Herz und singen lautstark mit, wenn „De la Rey“ erklingt.

Selbst die New York Times hat vom Erfolg des Buren-Liedes schon Notiz genommen und auf der Titelseite darüber berichtet („Song erweckt den verletzten Stolz der Afrikaaner“). Die alte orangeblaue Fahne des Apartheid-Staates werde auf den Konzerten von Bok van Blerk wieder geschwenkt, warnt das linksliberale Blatt seine Leser. Intellektuelle fordern, so die New York Times weiter, daß die Südafrikaner ihre Identität unterdrücken, damit ein einheitliches, neues Südafrika geschaffen werden kann.

Aber die Südafrikaner denken gar nicht daran. Das Lied ist ein Verkaufsschlager (mehr als 250.000 CDs gingen über den Ladentisch) und ist hunderttausendfach bei Youtube angeschaut worden. Das ist sehr viel für südafrikanische Verhältnisse.

Selbst nach Namibia ist die Welle der Begeisterung hinübergeschwappt. Im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika gehört es zum Standardrepertoire auf Festen, im Radio oder im Kaufhaus. Auch dort sind die etwa 75.000 Weißen eine winzige Minderheit, sehen sich einer gewaltigen Übermacht von zwei Millionen Schwarzen gegenüber.

In Südafrika sind immerhin noch neun Prozent der 46 Millionen Bürger Weiße. Dennoch: Eine Million Weiße hat seit dem Ende der Apartheid 1994 das Land verlassen.

„Fast 90 Prozent aller Afrikaans sprechenden Weißen sagen, sie sähen keinerlei Perspektiven mehr für sich in Südafrika“, berichtete erst kürzlich das Deutschlandradio. Der neue Staat ist längst nicht mehr der ihre. Er fördert die Schwarzen auf Kosten der Weißen. Diese Politik hat zum volkswirtschaftlichen Niedergang des Landes geführt.

Die Buren, die bleiben, setzen deswegen auch auf „afrikaanse“ Kultur. „De la Rey“ ist ihre Hymne. „Wir Afrikaaner fühlen uns verloren und sehnen uns nach einem Führer. Zur Zeit wird uns ja die Geschichte weggenommen – nur wegen unserer Hautfarbe. Aber wir sind weiße Afrikaaner, und das ist die schlichte Wahrheit“, sagt Janette, ein Van-Blerk-Fan.

Bok van Blerk auf dem Internet-Portal „Youtube“

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