Erfolg im zweiten Anlauf

Markus Beisicht freut sich wie ein kleines Kind. Unentwegt strahlt er in die Menge, hebt jubelnd beide Daumen nach oben. Er ist am Ziel. Der Anti-Islamisierungskongreß von Köln findet statt. Keine Flucht. Kein Verbot. Strahlender Sonnenschein herrscht am Sonnabend auf dem Barmer Platz.

Es ist ein bizarres Bild. Während Pro Köln seine Anhänger mit Volks- und Kirchenmusik beschallt, dröhnen wenige Meter weiter schrille Pfiffe der Autonomen herüber. Der 45 Jahre alte Chef von Pro Köln hatte für seine Demonstration gegen eine zunehmende Islamisierung Europas bis zu 2.000 Teilnehmer angekündigt. Mit dabei zahlreiche Vertreter aus dem europäischen Ausland, unter anderem des Vlaams Belang mit Filip Dewinter, der FPÖ mit Harald Vilimsky sowie Abgesandte aus Frankreich, Spanien, Italien und Tschechien. Doch gekommen waren letztlich weniger als tausend. Ein Demonstrationszug zur Ehrenfelder Moscheebaustelle war von den Gerichten zudem ebenso untersagt worden wie eine Kundgebung auf dem zentralen Roncalliplatz.

Dennoch: Beisicht ist zufrieden. Der Grund: die negativen Erfahrungen, die Pro Köln beim ersten Anti-Islamisierungskongreß im September vorigen Jahres gemacht hatte. Mehr als 20.000 Gegendemonstranten waren damals erschienen – 20.000 gegen wenige hundert Kongreßteilnehmer. Damals schien das Böse in der Öffentlichkeit einen Namen zu haben: Pro Köln. Die Gruppe wurde aus Hotels, Taxis und Restaurants geschmissen, der gecharterte Rheindampfer mit Steinen beworfen. Und die Polizei glänzte bei Attacken gegen Pro Köln-Anhänger zumeist mit Abwesenheit oder Passivität.

Die Stadt war in der Hand eines antifaschistischen Mobs. Verletzte Polizisten, angezündete Mülltonnen, verprügelte Kongreßteilnehmer gehörten zur Bilanz jener Tage. Weil sie die Sicherheit der Kongreßteilnehmer nicht garantieren konnten, verboten die Behörden damals die Abschlußkundgebung auf dem Heumarkt. Ein Armutszeugnis für Rechtsstaat und Demokratie: Meinungs- und Versammlungsfreiheit konnten nicht garantiert werden.

Diesmal ist es anders. 5.600 Polizisten sind im Einsatz – fast doppelt so viele wie die demonstrierenden Kongreßgegner. Und die Beamten zeigen sich diesmal entschlossen, Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten. Gewalttätige Auseinandersetzungen werden schon im Ansatz unterbunden, die Polizei ist in der gesamten Innenstadt präsent. Auch der Geleitzug der Pro Köln-Anhänger zum Barmer Platz funktioniert reibungslos. „Das ist ein Sieg der Demokratie“, freut sich Beisicht. „Wenn ihr soviel Luft zum Arbeiten verbrauchen würdet wie zum Schreien, gäbe es in Deutschland ein Wirtschaftswunder“, ätzt FPÖ-Generalsekretär Vilimsky in Richtung der sogenannten „Antifaschisten“. „Wer bezahlt euch? Die Petro-Scheichs oder die Kommunisten?“ fragt zudem die italienische Islamkritikerin Adriana Bolchini Gaigher die Gegendemonstranten. Die Kongreßteilnehmer klatschen, rufen immer wieder: „Wir sind das Volk“. Doch sind sie das wirklich? „Köln ist eine sehr liberale Stadt, die breite Mehrheit steht Pro Köln ablehnend gegenüber“, meint etwa ein Gastronom aus der Innenstadt. Allerdings seien die Gewaltexzesse linksextremistischer Gruppierungen bei den Gegendemonstrationen im September bei der Bevölkerung sauer aufgestoßen. Diesmal blieb die linke Szene weitestgehend unter sich.

Ein Pulk von rund 500 überwiegend Schwarzgekleideten sammelt sich bereits am Abend vor der Hauptkundgebung auf dem Domplatz zu einem Demonstrationszug durch die Kölner Innenstadt. „Haß, Haß, wir sind voller Haß“, dröhnt es aus dem Lautsprecher. Viele sind vermummt, tragen schwarze Sonnenbrillen. Schon nach wenigen Metern stoppt die Polizei die Protestler, fordert sie auf, Sonnenbrillen und Vermummung abzunehmen. Keine Reaktion. Statt dessen Schmährufe gegen die Beamten. „Ich sehe hier keine Vermummten“, schreit der Demo-Versammlungsleiter in den Lautsprecher. Feuerwerkskörper  aus dem Antifa-Block fliegen in die Richtung umstehender Passanten. Unbeteiligte weichen erschrocken zurück, eine junge Frau legt schützend die Hände um ihr Kind.

Gesichter des Entsetzens machen sich bei vielen unbeteiligten Kölnern breit. Manche wenden sich kopfschüttelnd ab. Andere bleiben stehen, blicken neugierig in Richtung Demonstranten. Ein Mann ist eher zufällig in den grölenden Mob geraten, enteilt dem Geschehen, blickt verärgert auf die Demonstranten zurück, zeigt ihnen mit seinen Händen den Scheibenwischer – um dann ebenfalls kopfschüttelnd den Ort des Geschehens zu verlassen. „Pro Köln mag ich nicht“, sagt eine Imbißverkäuferin. „Aber was die Linken hier veranstalten, mag ich erst recht nicht.“ Auch sie hat die Krawalle autonomer Gewalttäter vom vergangenen Jahr noch gut in Erinnerung. „Das waren bürgerkriegsähnliche Zustände.“ Ein Taxifahrer pflichtet ihr bei. Auch er sehe Pro Köln kritisch. „Rasend“ machten ihn jedoch die milden Gerichtsurteile gegen Gewalttäter aus islamischen Staaten. „Köln ist ein Irrenhaus geworden“, meint er. 

Ein chinesischer Student beobachtet den autonomen Demonstrationszug ebenfalls mit Skepsis. Man hatte ihm eine linksextremistische Zeitung in die Hand gedrückt. „Gegen Staat, gegen Nation, gegen Kapital, gegen Anti-Islam-Kongreß“, liest er daraus vor. „Das ist alles nur Negatives“, merkt er kritisch an. Von den Demonstranten wünsche er sich mehr Konstruktives statt bloße Zerstörung.

Derweil profitiert die eigentlich eher kleine rechtspopulistische Gruppierung von den autonomen Aufmärschen. „Sie sind unsere Glücksschweinchen“, sagt Markus Beisicht auf dem Barmer Platz über die Autonomen. Er weiß: Ohne die Linksextremisten hätte Pro Köln wohl keine so große Aufmerksamkeit erringen können.

Foto: Teilnehmer des Anti-Islamisierungskongresses auf dem Barmer Platz, Gegendemonstranten unter Polizeiaufsicht: Das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit wurde durchgesetzt

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