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CDU betet Althaus gesund

Erst wenn Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) sich wieder der Öffentlichkeit zeigt, werden die Spekulationen um seinen Gesundheitszustand enden. Denn noch immer ist unklar, wie weit seine Genesung vorangeschritten ist. Am Neujahrstag hatte Althaus in Österreich einen schweren Skiunfall. Bei dem heftigen Zusammenprall wurde eine Frau getötet, und er erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma.

Wegen seiner Mitschuld am Tod der 41 Jahre alten Beata Christandl wurde der Ministerpräsident in der vergangenen Woche vom Bezirksgericht Irdning wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 33.300 Euro und zur Zahlung eines sogenannten Trauerschmerzensgeldes von 5.000 Euro verurteilt.

Zwei Tage nach der strafrechtlichen Bewertung des tragischen Unfalls kündigte Althaus schriftlich an, er werde erneut als Spitzenkandidat seiner Partei bei der Landtagswahl am 30. August antreten. Wegen seines Unfalls und der gesundheitlichen Verfassung sowie der Verurteilung waren zuletzt immer wieder Zweifel laut geworden, ob der Ministerpräsident in sein Amt zurückkehren könne. Nun will sich Althaus am Sonnabend in Abwesenheit von der Landesvertreterversammlung seiner Partei in Waltershausen bei Gotha auf Platz eins der Landesliste wählen lassen.

Schon seit Wochen hält er sich zur neurologischen Rehabilitation in einer Spezialklinik am Bodensee auf. Zwar soll er Ende des Monats nach Thüringen zurückkehren. Doch wird dies wohl nur deswegen geschehen, um eine ambulante Therapie in seiner Heimat Thüringen fortzusetzen. Angeblich haben seine behandelnden Ärzte empfohlen, er solle noch längere Zeit am Bodensee bleiben.

Aus CDU-Kreisen heißt es, Althaus führe trotz seiner gesundheitlichen Beeinträchtigung schon wieder rege Telefonate. Nach Einschätzung seiner Parteikollegen seien Ausfallerscheinungen bei Althaus nicht mehr erkennbar. Trotzdem werde er vorerst nicht in die Regierungsgeschäfte eingebunden. Gegenüber dem Focus sagte Regierungssprecher Fried Dahmen: „Herr Althaus hat keine Kabinettsunterlagen in seinem Krankenzimmer“, und eine telefonische Zuschaltung von Althaus bei Kabinettssitzungen sei „kein Thema“.

Die Opposition scheint sich bereits auf Althaus’ Rückkehr einzustellen. Der SPD-Landesvorsitzende Christoph Matschie ließ verlauten, er hoffe, daß Althaus die Regierungsgeschäfte bald wieder übernehmen könne. Denn die Landesregierung müsse in der Krise voll handlungsfähig sein und Althaus könne kein „Teilzeitministerpräsident“ sein.

Sollte Althaus zurückkommen, werde er sich auf einen „mit aller Deutlichkeit“ geführten Wahlkampf einstellen müssen, warnte der SPD-Bundesvorsitzende Müntefering. „Die CDU hat in Thüringen versagt“, sagte Müntefering. Unabhängig davon, daß Althaus einen persönlichen Schicksalsschlag erlitten habe, müsse das Land aber gut regiert werden. 

Um so verständlicher ist, daß die thüringische CDU ihren Spitzenkandidaten erst der Öffentlichkeit präsentieren möchte, wenn dieser vollständig genesen ist. Althaus soll nicht das angeschlagene Zugpferd der Wahlkampagne der CDU werden. Laut seinem Vorgänger im Amt des Ministerpräsidenten, Bernhard Vogel, dürfte Althaus nach den Äußerungen der Ärzte rechtzeitig vor der Wahl zurück sein. Doch auch dies ist Spekulation. Voraussichtlich am 17. März werden in einer Pressekonferenz die behandelnden Ärzte über den Gesundheitszustand von Althaus informieren. Dann wird man vielleicht etwas mehr wissen.

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