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Gnadenlose Kärntner Straßenkämpfer

Der Vorgang, der sich letzte Woche in der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt abspielte, ist nicht neu. Jegliche Symbolik und Namensgebung, die sich auch nur indirekt oder verdachtsweise in Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus bringen lassen könnte, soll aus österreichischen Städten rücksichtslos verbannt werden. Der Siegfriedskopf an der Universität Wien beispielsweise wurde 2006 nach langjährigen Protesten meist linker Studentenverbände von der Aula in den hinteren Bereich des Arkadenhofs übersiedelt. Das 1923 von der Deutschen Studentenschaft für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Kommilitonen und Lehrer aufgestellte Denkmal verweise in seiner Symbolik auf die Siegfried-Mythologie der Nibelungen-Saga sowie die „Dolchstoßlegende“ des Ersten Weltkriegs, argumentierte damals Friedrich Stadler, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte. Der Siegfriedskopf sei „Ausdruck eines undemokratischen, ethnozentrischen Geistes, der in die Phase des Austrofaschismus und Nationalsozialismus mündete“, so Stadler. Vier Jahre zuvor war das Gefallenendenkmal bereits schwer beschädigt worden. Das Bündnis „Verhindert den Naziaufmarsch“ erklärte, der Kopf sei „ein faschistisches Denkmal“, das „skandalöserweise“ immer noch in der Aula stehe. Die Nase des Siegfriedskopfs sei durch „AntifaschistInnen“ abgestemmt worden. Jetzt solle die Uni auch den Rest abtragen – was schließlich geschah. Daß Grüne, die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) oder das antideutsche Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) weitere Maßnahmen zur politisch-korrekten Namenstilgung fordern, überrascht niemanden. Selbst wenn, wie im Falle des Erbforschers Julius Wagner-Jauregg, Historikerkommissionen zu keinem die Intention der Namenstilger stützenden Ergebnis gelangen. Doch in Klagenfurt fiel nun eine politische Entscheidung, die mit den Stimmen der großen Volksparteien SPÖ und ÖVP (sowie natürlich der Grünen) im Stadtsenat gefällt wurde: Die Philipp-Lenard-Gasse, die Hindenbergstraße, die Prof.-Porsche-Straße und Rauterstraße sollen umbenannt werden. Der Vorschlag für die Umbenennung erfolgte offiziell durch eine Historikerkommission – einer ihrer treibenden Kräfte war ein SPÖ-Hinterbänkler, der Vizepräsident des Landesschulrates, Rudolf Altersberger. Der Ex-Spitzensportler bewarb sich 2005 aussichtslos um den Landesparteivorsitz. Philipp Eduard Anton von Lenard (1862-1947) erhielt 1905 für seine Arbeiten über die Kathodenstrahlen den Nobelpreis für Physik. 1913 baute er in Heidelberg das wegweisende Radiologische Institut auf. Doch schon vor 1933 bekannte er sich als erster renommierter Wissenschaftler öffentlich zur NSDAP, der er aber erst 1937 beitrat. Lenard gehörte zu den führenden Kräften der NS-nahen Bewegung der „Deutschen Physik“, die der Relativitätstheorie und der Quantenmechanik ablehnend gegenüberstand. Im westfälischen Münster soll der Hindenburgplatz umbenannt werden, in Darmstadt aus der Hindenburgstraße eine Marion-Gräfin-Dönhoff-Straße werden, in Trier das Hindenburg-Gymnasium seinen Namen ablegen (JF 14/08) – das ließ auch die Klagenfurter Historikerkommission nicht ruhen. Zwar gibt es hier gar keine Hindenburgstraße. Doch gemäß Gutachten ist die Hindenbergstraße in Wahrheit Paul von Hindenburg (1847-1934) gewidmet – so wird auch sie einen neuen Namen erhalten, denn der zweite Reichspräsident der Weimarer Republik ernannte Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler. „Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG“ – so heißt der bekannteste deutsche Sportwagenhersteller mit Sitz in Stuttgart-Zuffenhausen. Benannt ist das Milliarden-Unternehmen nach dem aus Böhmen stammenden Autokonstrukteur Ferdinand Porsche. Von 1944 bis 1950 war das Porsche-Werk in Gmünd in Kärnten kriegsbedingt dessen Konstruktions- und Produktionsstätte. 1948 wurde dort mit dem Porsche 356 der erste Sportwagen mit dem inzwischen weltberühmten Namen hergestellt. Der Bochumer Historiker Hans Mommsen ordnete Ferdinand Porsche als „Technokraten“ ein, „der sicherlich kein Kriegsverbrecher gewesen ist“. Seine österreichischen Kollegen waren weniger nachsichtig: Porsche habe als Hitlers Lieblingsingenieur gegolten und in seinen Werken auch Zwangsarbeiter eingesetzt. Die Straße wird künftig nur noch Porschestraße heißen. Sollte damit sein Sohn Ferry gemeint sein, könnte es neuen Ärger geben: Er war an der Entwicklung des „KdF-Wagens“ (Volkswagen der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“) beteiligt, der dann als Kübelwagen bei der Wehrmacht diente. Besondere Pikanterie kommt in Klagenfurt jedoch dem beschlossenen Widerruf der Ehrerweisung für Thomas Rauter (1893-1992) zu. Rauter hatte 1918 maßgeblich dazu beigetragen, die Besetzung Klagenfurts durch jugoslawische SHS-Truppen zu verhindern. Doch er soll sich 1934, anläßlich des Juli-Putsches der österreichischen Nationalsozialisten, engagiert haben. Dem verdienten Abwehrkämpfer wurde die nach ihm benannte Straße vom Klagenfurter Gemeinderat erst am 26. Juni 1992 zugedacht. Dies geschah unter einem ÖVP-Bürgermeister und mit Zustimmung desselben ÖVP-Stadtrats Dieter Jandl, der alsdann in jener von Wilhelm Deuer geleiteten Historikerkommission saß, die Thomas Rauter als NS-Kollaborateur definierte. Abgesehen vom hieraus erwachsenen Erklärungsbedarf der ÖVP sind auch die drei übrigen Umbenennungen in der Klagenfurter Bevölkerung höchst umstritten. Besonders die Anrainer stellen ihr Gewohnheitsrecht über die Glaubwürdigkeit der Beweggründe eines gleichfalls nicht unumstrittenen historischen Interpretariums, das ihnen neue Wohnanschriften verordnete. Dieser Adreßwechsel ohne Übersiedlung hätte fraglos auch den Heimatdichter Karl-Heinrich Waggerl zu einer augenzwinkernden Betrachtung verleitet. Jenem bekennenden Österreichers Waggerl (1897-1973) wird postum „moralisches Versagen“ attestiert, weil er in den Tagen des Dritten Reiches nicht mit einem Arbeitsverbot belegt worden war, sondern seine Popularität noch zu steigern vermocht hatte. Waggerl schrieb in „Ein Mensch wie ich“: „Was einem genommen wird, dem soll man nicht nachweinen, das ist verloren, für immer. Nur was man gibt, bekommt man zurück.“ Waggerls Werke werden weiterhin gelesen, wie wohl auch Autos der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG durch die umbenannten Straßenzüge Klagenfurts rollen werden.

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