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Die Angst vor den Zünglein an der Waage

Nicht Amerika ist anders, sondern Oklahoma: Nur in diesem US-Bundesstaat stehen lediglich Barack Obama und John McCain auf dem Stimmzettel zur Präsidentschaftswahl. In den anderen 50 Staaten ist die Auswahl bunter — auch wenn sie von fast allen Leitmedien totgeschwiegen werden (JF 36/08). Dem unabhängigen Bewerber Ralph Nader gelang es, in 45 US-Bundesstaaten auf den Wahlzettel zu kommen. 1996 und 2000 kandidierte der 74jährige bereits für die Grünen, 2004 für die konservative Reform Party. Kleinere Gruppen wie die Ecology Party of Florida, die Peace and Freedom Party oder die New Mexico Independent Party unterstützen Naders Kandidatur. In seinem Wahlkampf verzeichnete der Verbraucher- und Umweltschützer in den letzten Wochen volle Säle, was sicher auch mit der Verunsicherung vieler US-Bürger angesichts der globalen Finanzkrise zusammenhängt. Den amtierenden Präsidenten George W. Bush nennt Nader einen „mehrfachen Kriegsverbrecher“. Seine eigentlichen Attacken aber richtet er gegen Barack Obama, den er als Kandidaten der Großkonzerne sieht. Absichtsvoll werde der demokratische Senator als „zweiter Kennedy“ inszeniert, hinter dessen sanftmütiger Fassade weiterhin „neoliberale“ Politik betrieben werden solle. Auch wenn Nader in Umfragen kaum zwei Prozent der Stimmen zugetraut werden: Er könnte für Obama vielleicht erneut jener spoiler (Spielverderber) werden, der bereits 2000 durch seine Kandidatur dafür sorgte, daß dem Demokraten Al Gore die entscheidenden Stimmen zum Wahlsieg im swing state Florida fehlten. Gore erhielt zwar die Mehrheit der Stimmen (popular vote), aber der Präsident wird nicht direkt gewählt, sondern von Wahlmännern der Einzelstaaten, die — außer in Nebraska und Maine — alle an den jeweiligen Sieger gehen. 270 sind fürs electoral vote, den eigentlichen Wahlsieg, notwendig. In Florida (27), Missouri (11) oder North Dakota (3) ist das Rennen offen. Links spielen ansonsten allein die Grünen noch eine Rolle. Deren Kandidatin, die schwarze Ex-Senatorin der Demokraten Cynthia McKinney, könnte Obama mit Blick auf die weibliche und farbige Wähler­klientel einige Kopfschmerzen bereiten, obwohl sie unter der Ein-Prozent-Marke verortet wird. Der Bewerber der Libertarian Party, der republikanische Ex-Senator Bob Barr, ist in 44 Staaten auf dem Stimmzettel zu finden. Seine Partei kann mit ihrer Politik des laissez faire in der Wirtschaftspolitik vielleicht einige unentschlossene Wähler an sich binden. Obwohl Barr in keiner Umfrage über zwei Prozent liegt, könnte er John McCain im Falle eines knappen Wahlausgangs in „wackeligen“ Staaten vielleicht entscheidende Stimmen kosten. Der Fernsehprediger Chuck Baldwin von der christlich-konservativen Constitution Party (CP), der einen strikt protektionistischen Kurs der US-Politik fordert, dürfte von der weltweiten Finanzkrise hingegen eher profitieren. Eine 90minütige Diskussion zwischen Baldwin und Nader wurde immerhin voriges Wochenende vom Sender C-Span und im Internet übertragen. Baldwins CP kam zudem erstmals in 43 Staaten auf den Stimmzettel — was die Kongreßwahlen beeinflussen könnte. Unterstützt wird die CP von der Alaska Independent Party, der Todd Palin, der Ehemann von McCains running mate Sarah Palin, von 1995 bis 2006 angehörte. Informationen über die unabhängigen Kandidaten im Internet: www.thirdpartywatch.com  oder auch www.youdecide2008.com

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