AFD Sachsen Wir Frauen brauchen keine Quote!

 

„I kon nimmer und mog nimmer“

Ob da Tiere dabei waren?“ fragt der 83 Jahre alte schwerhörige Zeuge verwundert den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl, der dann geduldig wiederholt: „Waren auch Offiziere dabei?“ — „Ach so“, lacht der Zeuge, „Offiziere.“ Immer wieder hat der Prozeß vor dem Münchner Landgericht gegen den 90jährigen ehemaligen Wehrmachtsoffizier Josef S. wegen dessen angeblicher Beteiligung an einem Massaker in Italien komödienhafte Züge. Als Prozeßbeobachter wird man einerseits bestens unterhalten und denkt unweigerlich an die beliebte bayerische Kultserie „Café Meineid“ von Regisseur Franz Xaver Bogner, der mit Witz und oft skurrilem Humor Situationen im Gerichtssaal eines imaginären Münchner Amtsgerichts schildert. Andererseits stellen die Vernehmungen für die greisen Zeugen, die alle zwischen 79 und 90 Jahre alt sind und beinahe ausnahmslos ein Hörgerät tragen, ein entwürdigendes Schauspiel dar. So zum Beispiel, wenn der 90jährige eigens aus Heilbronn angereiste ehemalige Oberfeldwebel völlig überfordert ist und übernervös meint, er solle nun ausgefragt werden und müsse — wie in der Schule — jede Frage korrekt und besonders ausführlich beantworten. Da er allerdings überhaupt nicht bei der kämpfenden Truppe war, sondern Spezialaufträge im Hinblick auf Materialbeschaffung zu erfüllen hatte, ist sein Wissen über Befehlsstrukturen und Kriegsabläufe äußerst gering. Er antwortet daher mit Vermutungen und Spekulationen, bis Rainer Thesen, einer der drei Rechtsanwälte des Angeklagten, es auf den Punkt bringt: „Das ist doch kein Quiz hier.“ Natürlich bleibt dafür die Rüge des Vorsitzenden Richters nicht aus. Thesen ergänzt aber treffend: „Der Zeuge soll nicht sagen, was er meint, sondern, an was er sich erinnern kann.“ Ein Klassiker war auch die Frage des Vorsitzenden Richters an einen 83jährigen Ex-Gefreiten, aus welcher Richtung bei der Durchkämmung eines Waldgebietes die unterstützenden Flak-Soldaten kamen. Das rang dem Zeugen nur ein müdes Lächeln ab. „Herr Vorsitzender, wie soll ich denn nach 64 Jahren wissen, woher die Flak-Soldaten gekommen sind.“ Den originellsten Dialog lieferte sich jedoch ein 84jähriger Landwirt aus Rohrdorf im oberbayerischen Kreis Rosenheim mit dem Richter. Erschöpft von der ausführlichen Vernehmung sagt er: „I kon nimmer und mog nimmer.“ — „Dann lade ich Sie eben noch einmal vor.“ — „Dann kim i nimmer.“ Von all diesen skurrilen Begebenheiten berichten die täglich anwesenden Pressevertreter der Süddeutschen Zeitung und des Münchner Merkurs natürlich nichts. Für sie steht die Täterschaft des Angeklagten fest, was in ihren Beiträgen deutlich zum Ausdruck kommt. Bezeichnend hierfür ein Artikel im Münchner Merkur über einen in Südtirol vernommenen Zeugen. Der sprach von einem Leutnant S. als Verantwortlichen. Nur trug dieser S. eben nicht den gleichen Nachnamen wie der Angeklagte, der zur Tatzeit ebenfalls den Dienstgrad eines Leutnants hatte. Im Beitrag wird aber suggeriert, daß damit der Angeklagte gemeint ist. Von dem offenkundigen Widerspruch und der damit erfolgten Entlastung des Angeklagten kein Wort — nur eines von vielen Beispielen der tendenziösen Berichterstattung. Von der Unschuld überzeugt ist hingegen ein 82jähriger Ex-Gebirgsjäger, der seit 1938 mit Josef S. befreundet ist. Damals war sein Vater Kommandeur des Angeklagten. „Der Sepp als Angeklagter eines 14fachen Mordes“: Der gehbehinderte treue Prozeßbeobachter kann die Vorwürfe nicht fassen. Einen Tag vor dem Prozeßauftakt hatten sie noch gemeinsam mit einem Gottesdienst in Ottobrunn die Diamantene Hochzeit von Josef S. und dessen Frau (88) gefeiert. Als der Freund der Familie nach dem ersten Prozeßtag auf Josef S. zugeht, zeigt sich dieser gerührt und kann eine Träne nicht verdrücken. Pietätlos hingegen einer der am ersten Tag zahlreich vertretenen „Antifaschisten“, der dem Angeklagten ein haßerfülltes „Wir kriegen Sie“ entgegenschleudert. Voller Abneigung steckt auch ein regelmäßig anwesender Neffe des 90jährigen. Heinrich S. (54) — ein ehemaliger Gemeinderat der Grünen in Ottobrunn — hielt schon am Rande des Pfingsttreffens des Traditionsverbandes „Kameradenkreis der Gebirgstruppe“ am Hohen Brendten bei Mittenwald im Jahre 2007 als Gegendemonstrant ein Schild hoch, auf dem zu lesen war: „Mein Onkel Sepp aus Ottobrunn ist wegen des Massakers von Falzano zu lebenslänglicher Haft in Italien seit September 2006 verurteilt. Die deutsche Justiz hat diesen Mord an Zivilisten nie bearbeitet.“ Bislang keine Beweise für eine Tatbeteiligung Kein Verständnis für den Prozeß zeigt eine 18 Jahre alte Gymnasiastin. Sie ist zugegen, weil sie sich selbst ein Bild machen möchte, denn: „Die Medien berichten nicht objektiv darüber. Mich stört es außerdem, daß in der Schule immer nur von deutschen Verbrechen gesprochen wird. In meiner Familie wurden Leute von den Russen umgebracht. Von deutschen Opfern lernt man nichts.“ Zwei ehemalige Angestellte seines Möbelgeschäfts sympathisieren ebenfalls mit dem Angeklagten. Im Moment sieht es gut aus für Josef S., denn es gibt bislang keine Beweise für seine Täterschaft. Weil aber noch Videovernehmungen mehrerer italienischer Zeugen sowie die Termine mit den Sachverständigen ausstehen, ist erst im nächsten Jahr mit einem Urteil zu rechnen. Foto: Der ehemalige Gebirgsjäger Josef S.: „Müdes Lächeln“

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles