Duell um Österreich

Die Nationalratswahlen in Österreich werden zwar erst zwischen Mitte Oktober und Ende November abgehalten. Doch tobt im Nachbarland der Wahlkampf bereits seit Wochen auf vollen Touren. Vor allem zwischen der Freiheitlichen Partei (FPÖ) und dem vom ihr abgespaltenen Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) kommt es immer wieder zu heftigen Schlagabtäuschen. „Duell um Österreich“ heißt es nun auf seiten der FPÖ, und das Ziel ist klar: mit Parteichef Heinz-Christian Strache, der im vergangenen Jahr bei den Wiener Landtagswahlen für ein „blaues Wunder“ sorgte und 15 Prozent erreichte, ein zweistelliges Ergebnis erzielen. Im Duell mit Jörg Haiders BZÖ standen die Zeichen bis dato auch günstig. Denn einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts OGM zufolge lagen die Freiheitlichen vor zwei Wochen bei neun und die BZÖ bei ganzen drei Prozent (ÖVP 39, SPÖ 37, Grüne 11 Prozent). Über drei Prozent ist die orangene Regierungstruppe um den Kärntner Landeshauptmann Haider seit ihrer Abspaltung vor etwas mehr als einem Jahr noch nie herausgekommen. Ein Prozent hieß dann auch das niederschmetternde BZÖ-Ergebnis bei der Wien-Wahl. Die Zeichen standen auf Sturm, und die zermürbende Hängepartie bei der Suche nach einem Spitzenkandidaten ließ kaum politische Höhenflüge erwarten. Von prominenten ehemaligen freiheitlichen Spitzenpolitikern hagelte es ob der zu erwartenden Blamage Absagen. Entsprechend fokussierte sich der Blick einmal mehr auf Jörg Haider. Tritt der allgewaltige BZÖ-Chef und Strippenzieher als Spitzenkandidat in den Ring? Doch der Bärentaler sorgte nur für Verwirrung: dementierte, ließ offen und sah sich dann plötzlich wieder in der „Pole-Position“. Die FPÖ ätzte. Generalsekretär Harald Vilimsky schalt Haider einen „tragischen Angsthasen“ und „politischen Clown, dessen einziges Ziel es ist, den schlechtesten Bundeskanzler der Zweiten Republik, Wolfgang Schüssel, zu unterstützen, nur weil er, Haider, dafür ein paar Brosamen der Macht erhält.“ Doch, so Vilimsky weiter, sei es eben „völlig gleich, wer als orangenes Kanonenfutter für die Wahl mißbraucht“ würde. Wenige Tage später rief das Bündnis zur Pressekonferenz und präsentierte als designierten Bündnis-Chef und Spitzenkandidaten den Ex-FPÖ-Politiker, Ex-Vorstand der österreichischen Fußball-Bundesliga und Ex-Manager des Magna-Konzerns Peter Westenthaler. Der frühere Fraktionschef der FPÖ war im Jahr 2002 mit einem „Bonjour“ aus der Politik ausgestiegen. Wurde aber aufgrund seiner Verbindungen immer wieder in Verbindung zum BZÖ gebracht. Nun war es soweit. Da saßen sie auf der Pressekonferenz unter dem Motto „Comeback für Österreich“ im Blitzlichtgewitter. Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach (BZÖ) schaute etwas grimmig und kratzte sich verlegen an der Augenbraue. Noch BZÖ-Chef Jörg Haider blickte abwesend in die Ferne, während Westenthaler seine Antrittsrede als neuer „Chefkoordinator“ der BZÖ-Regierungsarbeit hielt. Erwartungsgemäß zielte diese in erster Linie auf die FPÖ und geriet zur Abrechnung. Seine alte Partei sei unter Parteichef Heinz-Christian Strache an den „extrem rechten Rand“ geführt und in die „Bedeutungslosigkeit abgedriftet“, erklärte der 38jährige und pries das BZÖ als das „bessere Angebot an die freiheitlichen Wähler“. Er strebe die „Wiedervereinigung“ des freiheitlichen Wählerspektrums an und schließe eine Wiedervereinigung des Dritten Lagers nicht aus. „Haiders Kofferträger von einst“ Von all dem will die FPÖ allerdings nichts mehr wissen. Entsprechend erteilte FPÖ-Generalsekretär Vilimsky jeden BZÖ-Andeutungen in diese Richtung eine klare Absage: „Wir wollen mit diesen Herrschaften genausowenig zu tun haben wie die Wähler, die bislang dem BZÖ bei jeder Wahl eine rüde Abfuhr erteilt haben.“ Und FPÖ-Chef Strache setzte noch einen drauf, sprach von „künstlicher Reanimation“ und erklärte Westenthaler zu „Haiders Kofferträger von einst“. Noch-Parteichef Jörg Haider wolle sich „wieder einmal nur nicht selbst die Finger schmutzig machen“, erklärte Strache gegenüber der Presse und fuhr in Vorfreude auf den weiteren FPÖ/BZÖ-Wahlkampf fort: „Es gibt eine Karte, die niemand will: den Schwarzen Peter.“ FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (Foto)

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