Hohmann scheitert in Fulda

Am Ende reichte es nur für Platz drei. Martin Hohmann ist mit seinem Versuch gescheitert, als erster parteiloser Kandidat seit 1949 in den Bundestag einzuziehen. Er erreichte in seinem Walkreis 176 in Fulda 21,5 Prozent der Stimmen und landete damit hinter dem CDU-Direktkandidaten Michael Brand (39,1 Prozent) und Claudia Blum (29,7 Prozent) die für die SPD ins Rennen gegangen war. Hohmann macht aus seiner Enttäuschung kein Geheimnis. „Ja, ich hätte gerne mehr erreicht“, sagte er der JUNGEN FREIHEIT und verwies auf mehrere Umfragen, die ihn vor seinen Mitbewerbern um das Mandat im Wahlkreis Fulda sahen. „Ich habe mir mehr ausgerechnet als die 21,5 Prozent.“ Die politischen Gegner kommentierten Hohmanns Niederlage genüßlich. Die hessische SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Waschke sagte der Fuldaer Zeitung, Osthessen wäre bei einer Wahl Hohmanns „bundesweit in eine braune Ecke gestellt worden“. Und der Direktkandidat der Grünen, Bernd Eckard, nannte die 21,5 Prozent für Hohmann „entsetzlich viel“. Sowohl Eckard als auch der FDP-Kandidat Mario Klotzsche hatten vor der Wahl dazu aufgerufen, mit der Erststimme die Kandidatin der SPD bzw. Michael Brand zu wählen. Im Wahlkampf hatte vor allem die CDU mit harten Bandagen gekämpft. Nachdem Hohmann in mehreren Umfragen in Führung gelegen hatte, spielte die CDU ihren Trumpf aus und warnte mit Verweis auf das Bundeswahlgesetz davor, daß bei einer Wahl Hohmanns mögliche Zweitstimmen für die Union unter den Tisch fallen würden (JF 38/05). Zahlreiche Wähler, die für die CDU, aber auch nicht gegen Hohmann waren, dürften es sich unter diesen Umständen noch einmal überlegt haben, ob sie dessen Wahlspruch „Erststimme Hohmann, Zweitstimme wie bisher“ Folge leisten sollten. Hohmann berichtete, daß zudem versucht worden sei, den Wählern einzureden, ihre Stimme wäre komplett ungültig, wenn sie den parteilosen Kandidaten mit der Erststimme wählten. Wie viele Wähler, die mit Hohmann sympathisierten, aus diesen Gründen am Ende wieder mit Erst- und Zweitstimme für die Union stimmten, läßt sich nicht genau feststellen. Hohmann selbst schätzt, daß die Kampage der Union ihn fünf bis sieben Prozent gekostet haben könnte. CDU-Wahlhelfer zerstörten Hohmann-Plakat Doch die CDU begnügte sich nicht mit dem Verweis auf die Tücken des deutschen Wahlrechts. In der Nacht zum vergangenen Freitag mußte die Polizei auf seiten Hohmanns in den Wahlkampf eingreifen: Die Ordnungshüter nahmen zwei Männer fest, die zwei Hohmann-Plakate zerstört und ein weiteres demontiert hatten. Es stellte sich heraus, daß es sich bei den beiden Wahl-„Kämpfern“ um einen Mitarbeiter der CDU-Kreisgeschäftsstelle Fulda und den Vorsitzenden der Jungen Union Fulda handelt – die zudem noch mit einem Fahrzeug des Kreisverbandes der Union unterwegs waren. „Ich hätte mir nicht vorstellen können, daß die Kampagne der CDU gegen mich einen solch traurigen Höhepunkt erreicht“, sagte Hohmann. Aus den Worten spricht auch Enttäuschung über das Verhalten seiner ehemaligen Partei im Wahlkampf. Die CDU ließ daraufhin mitteilen, sie „bedauert und mißbilligt“ das „eigenmächtige Verhalten“ ihrer Wahlhelfer, und forderte sie auf, sich bei Hohmann zu entschuldigen, was diese nach seinen Angaben mittlerweile auch getan haben. Den Wahlabend verbrachte Hohmann in Rommerz in seiner Heimatgemeinde Neuhof. In einem kleinen Gasthof hatte er bei Bier und Würstchen Freunde und Wahlkampfhelfer um sich geschart. Gemeinsam wurden die Wahlkampfsendungen im Fernsehen verfolgt, telefonisch gingen die Ergebnisse aus dem Wahlkreis Fulda ein, die bald die Niederlage deutlich machten. Für Hohmann endete damit nicht nur ein intensiver Wahlkampf, in dem er mit Postwurfsendungen, Hausbesuchen und einem Flugzeug, das mit einem Werbebanner mit der Aufschrift „Wir fliegen auf Hohmann“ über den Wahlkreis flog, für sich geworben hat. Am Sonntag ging vorerst auch Hohmanns politische Karriere zu Ende. Er werde sich aus der Politik zurückziehen und zunächst „aufräumen und Briefe beantworten“, kündigte Hohmann an. Über seine konkrete Zukunftsplanung wollte er sich jedoch nicht äußern. Ob Hohmann tatsächlich den vorgezogenen (politischen) Ruhestand genießen kann, bleibt daher abzuwarten. Schon gibt es Stimmen, die in ihm einen neuen Hoffnungsträger sehen, der konservative Wähler, die sich von der Union nicht mehr repräsentiert fühlen, um sich sammeln könnte. Er selbst sieht das skeptisch, möchte aber auch für die Zukunft ein erneutes politischen Engagement nicht ausschließen. „Ich werde allerdings nicht einer bestehenden Partei beitreten“, sagte Hohmann, der sich zugleich skeptisch zu einer möglichen Neugründung einer konservativen Partei äußerte – diese aber auch nicht grundsätzlich ablehnen wollte. Mit Blick auf die Bundestagswahl verwies er im Gespräch mit der JF darauf, daß das konservative Lager von den Parteien in Deutschland „praktisch nicht mehr repräsentiert wird“. Wenn er in der Union einen Repräsentanten des konservativen Lagers nennen sollte, dann müßte er lange suchen, sagte das ehemalige CDU-Mitglied. Foto: Martin Hohmann am Wahlabend: Feier mit Freunden und Helfern

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