Joachim Kuhs

 

Erinnerungen an eine versunkene Metropole

Wer im Leben etwas tut, ohne Ärger zu haben, tut nichts.“ Mit diesen Worten leitete der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) am vergangenen Freitag seine Rede ein, die er auf Einladung Hamburger Studentenverbindungen vor über 400 Teilnehmern auf dem Festkommers zum 750. Geburtstag der Stadt Königsberg in der Hansestadt hielt. Schönbohm reagierte mit seiner Aussage auf Vorwürfe linker Medien und Parteien, die ihm vorgehalten hatten, er adele mit seinem Besuch eine ihrer Meinung nach politisch bedenkliche Veranstaltung. Der CDU-Politiker wies den Vorwurf zurück und machte deutlich, daß es in einem Staat wie der Bundesrepublik sehr wohl möglich sein müsse, einer Veranstaltung demokratischer Patrioten beizuwohnen, und daß er sich dies von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), einer ehemaligen Stoßtrupp-Organisation der SED, die gegen den Auftritt des Ministers lauthals protestiert hatte, mit Sicherheit nicht verbieten lasse. Zu der von den Gegnern angekündigten Demonstration der üblichen linken Verdächtigen erschienen letztlich nur knapp hundert Teilnehmer. Die massive Polizeipräsenz verhinderte Zusammenstöße von Teilnehmern und Demonstranten. Lediglich am Rande kam es zu einigen Handgreiflichkeiten. Bei dem unter der Schirmherrschaft der studentischen Dachverbände Coburger Convent und Deutsche Burschenschaft sowie der Landsmannschaft Ostpreußen stehenden Feier handelte es sich – anders, als von linker Seite behauptet – mitnichten um eine Veranstaltung von Revanchisten. Vielmehr stand das Erinnern an die Geschichte Königsbergs und Ostpreußens sowie die durch Krieg und Vertreibung ausgelösten Leiden im Vordergrund. Die Redner hoben vor allem die geistige und kulturelle Bedeutung hervor, die Königsberg weit über die Grenzen Ostpreußens hinaus hatte. Besondere Würdigung erfuhr dabei der berühmteste Sohn der Stadt – Immanuel Kant. Der 1724 in Königsberg geborene Philosoph gilt als einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Aufklärung und setzte in der Erkenntnistheorie neue Maßstäbe. Durch ihn wurde Königsberg zu einem Zentrum der Philosophie. Die Stadt selbst wurde mit ihrer Universität zu einem geistigen Mittelpunkt lutherischen Glaubens, mit enormer Ausstrahlung auf den Protestantismus. Ein Höhepunkt des Kommerses war das Totengedenken. Mit einer Schweigeminute wurde der Opfer von Krieg, Flucht und Vertreibung gedacht. In diesem Zusammenhang wies der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Wilhelm von Gottberg, in seiner Rede ausdrücklich darauf hin, daß das Kriegsende nicht für alle eine Befreiung, sondern für viele auch den Tod bedeutete. Die Redner des Kommerses warfen aber nicht nur einen Blick zurück in die Vergangenheit, sie sprachen ebenfalls von den politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Perspektiven, die sich im Gebiet des ehemaligen Königsbergs böten. Der Gastredner der Deutschen Burschenschaft forderte die akademische Jugend auf, sich ihrer Verantwortung bewußt zu werden und sich für den Wiederaufbau dieses Gebietes einzusetzen. Gemäß ihrem diesjährigen Motto „Im Dialog der Heimat dienen“ bemühten sich die Landsmannschaft Ostpreußen und ihr Sprecher von Gottberg um zukunftsträchtige Projekte im ostpreußischen Raum. Diese Initiativen sollen der Entwicklung des heute von den Russen Kaliningrad genannten Königsberg und der dort lebenden Menschen dienen, aber auch die Erinnerung an die deutsche Geschichte dieser Gegend am Leben erhalten. Auf dem nächsten Deutschlandtreffen der Landsmannschaft Ostpreußen im Mai in Berlin werden sich viele dieser Initiativen einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. Zum Ausklang der Veranstaltung, die trotz aller im Vorfeld ausgesprochenen Drohungen von Linksextremisten friedlich verlief, erklang das Ostpreußenlied.

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