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Eine Parallelgesellschaft vom Reißbrett

Die Leipziger Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun, als sie am vergangenen Sonntag früh ausrücken mußte. Um 4.40 Uhr ging die Alarmmeldung ein, der Don-Xuang-Markt in der Maximilian-Allee stehe in Flammen. Wenige Minuten später hieß es "Wasser marsch".

In der Großmarkthalle schlugen den Feuerwehrleuten lodernde Flammen aus dem Lagerraum eines asiatischen Textilhändlers entgegen. Die Einsatzkräfte dreier Löschwagen benötigten fast eine Stunde, um das Feuer endgültig unter Kontrolle zu bringen.

Es ist erst sechs Jahre her, daß ein blutiger Bandenkrieg innerhalb der asiatischen Mafia ähnliche Brände am laufenden Band produziert hatte. Durch die Vermietung zu überhöhten Preisen kassieren die Hallenbetreiber angeblich auf "legale" Art und Weise Schutzgeld von kleinen Gewerbetreibenden.

Stadt hofft auf Fördermittel der Europäischen Union

Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen solchen "Hallenbetreibern" verloren im Jahr 1999 fünfzig Händler ihre Existenz. Damals brannte die Vorgänger-Halle an der Maximilian-Allee ab. Steht jetzt etwa ein Wiederaufflackern des Bandenkrieges von ausländischen Mafia-Clans bevor?

Leipzig ist seit der Wiedervereinigung zur neuen Heimat von rund 30.000 Ausländern geworden (Ausländeranteil: 6,1 Prozent). Das liegt weit unter vergleichbaren Werten westdeutscher Großstädte. In Mitteldeutschland jedoch ist dies der Spitzenwert schlechthin. 6,3 Prozent aller Betriebe in der Stadt gehören mittlerweile Zuwanderern. Die sächsische Stadt beherbergt knapp 1.400 Asylbewerber. Es gibt 18 ausländische Kulturvereine und 23 deutsch-ausländische Gesellschaften.

Im Grunde könnte die 500.000-Einwohner-Stadt also froh über diesen mustergültigen Ausländeranteil sein – ohne Ghettos und ohne Parallelgesellschaften. Dennoch scheinen Teile der Stadtverwaltung Leipzigs nicht zufrieden zu sein: Sie planen jetzt die gezielte Ansiedlung von Ausländern in einem Stadtquartier im Leipziger Osten.

Eigentlich geht es beim geplanten internationalen Quartier (inoffiziell auch als "Chinatown" tituliert) lediglich um ein Karree von vier Straßenblocks mit zwölf Häusern aus der Gründerzeit an der Eisenbahnstraße. Das Viertel liegt ein wenig südlich von der Maximilian-Allee, ebenfalls im Osten Leipzigs.

Aber hinter dem Projekt, das offiziell unter der nichtssagenden Bezeichnung "Block 99" firmiert, steht natürlich mehr. Es geht hierbei zum Beispiel um die Frage, wie wünschenswert ein reines Ausländerviertel in einer deutschen Großstadt ist. Welche Lehren ziehen deutsche Kommunalpolitiker aus den Krawallen von Paris? Wiederholt der Osten die Fehler, die im Westen vor vierzig Jahren gemacht worden sind?

"Wir haben die Straßen saniert und wollen jetzt im zweiten Schritt wieder für mehr Leben sorgen", zitiert die Leipziger Volkszeitung Karsten Gerkens vom Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung. Die ohnehin schon erhebliche "räumliche Konzentration" von Ausländern in Ost-Leipzig (14,8 Prozent) solle noch verstärkt werden.

Amtsleiter Gerkens spricht es offen aus: "Es könnte zum Beispiel ein kleines ‚Chinatown‘, ein ‚Klein-Moskau‘ oder ein ‚Arabien‘ entstehen." Die zur Hälfte in städtischem Besitz befindlichen Gebäude sollen deshalb zielgerichtet an Fremde vermietet werden. Laut Leipziger Volkszeitung träumt Gerkens in diesem Zusammenhang von Händlern "exotischer Reissorten" oder einem "China-Enten-Laden".

Ab 2007 sollen dazu Fördermittel der Europäischen Union eingesetzt werden. Die letzten beiden EU-Förderprojekte haben der Stadt Leipzig ermöglicht, vierzig Millionen Euro in den planmäßigen Stadtumbau zu investieren. "Wenn im Jahr 2007 die neuen EU-Programme kommen, werden wir soweit sein, daß wir sofort beginnen können", sagte Gerkens.

Das geplante "Chinatown" war sogar schon Thema im sächsischen Landtag. Der debattierte auf Antrag der NPD-Fraktion, die vor der "Ausgeburt multikultureller Illusionen" warnte. Für die Partei sind die Pläne des nach der Wende aus Westdeutschland nach Leipzig gezogenen Gerkens ein gefundenes Fressen. Sie verteilt derzeit nach eigenen Angaben 50.000 Flugblätter im Rahmen einer "Aufklärungsaktion" in der Stadt.

Die Leipziger Stadtverwaltung dagegen wurde von den Vorhaben ihres Behördenchefs auf dem falschen Fuß erwischt. Gerkens hat seine Pläne zunächst nur auf öffentlichen Veranstaltungen kundgetan, aber nie im Stadtrat diskutieren lassen. "Wir haben davon aus der Zeitung erfahren", beschwert sich ein CDU-Stadtrat. Und: Ein Ausländerviertel sei eine "echte Schnapsidee".

Seit die lokale Presse über das mit öffentlichen Mitteln geförderte "Chinatown" berichte, mehrten sich die Anrufe besorgter und aufgebrachter Bürger, sagen auch Angehörige anderer Fraktionen. Ansbert Maciejewski, Pressesprecher der Leipziger CDU, schließlich warnt: "Man muß vorsichtig sein, wenn man bestimmte Begriffe in die Welt setzt."

Vor allem die öffentliche Förderung durch EU-Mittel oder den städtischen Immobilienbesitz sorgt für Unmut unter den Leipzigern. Die Stadt selbst klagt in ihrer Selbstdarstellung, daß "in Leipzig wie in anderen Kommunen deutschlandweit die Finanzausstattung für die vielen kommunalen Aufgaben nicht mehr ausreicht". Im 1,2-Milliarden-Haushalt der Stadt klafft ein Loch von mindestens achtzig Millionen Euro.

Wie das geschlossen werden soll oder ob der abgebrannte Textilhändler aus der Don-Xuang-Halle in einem neugegründeten "Chinatown" eine neue Existenz aufbaut, ist noch unklar. Die Brandursache dagegen steht für die Kripo Leipzig bereits fest: Es war Brandstiftung.

Foto: Mietshäuser aus der Gründerzeit in Leipzig: Räumliche Konzentration von Einwanderern

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