Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Mit Herz

Anfang März gewann die SPÖ die Salzburger Landtagswahlen – dank Spitzenkandidatin Gabriele Burgstaller. Nach dem Erfolg der „roten Gabi“ mußte die verbrauchte Landesgarde der ÖVP abtreten (JF 12/04). In der neuen rot-schwarzen Landesregierung gibt es daher einige neue Gesichter. Für katholisch-konservative Positionen in der großen Koalition steht nun Doraja Eberle, Tochter des früheren Landesrates Friedrich Baron Mayr-Melnhof, Oberhaupt eines der traditionsreichsten Salzburger Adelshäuser. Die neue Landrätin ist zuständig für Familienpolitik sowie für den „Erhalt des kulturellen Erbes“ und der „Volkskultur“. Vor allem das Soziale, geprägt vom katholischen Glauben, durchzieht ihr gesamtes Privat- und Berufsleben. So war die 49jährige Diplom-Sozialarbeiterin beispielsweise als Stationsgehilfin in der Kinderchirurgie tätig. Schon während ihres Studiums arbeitete sie ein Jahr lang in Chile und Brasilien und später jahrelang als Sozialarbeiterin in einem Mädchenwohnheim. Im Jahr 1991, als das Morden auf dem Balkan begann, gründete Eberle gemeinsam mit Freunden den Verein „Bauern helfen Bauern“. Die Idee war, den Vertreibungsopfern im früheren Jugoslawien durch den Bau von Holzhäusern ein Dach über den Kopf zu geben. Das Baumaterial für mittlerweile weit über 500 Holzhäuser besorgte Eberle größtenteils aus dem familieneigenen Forst. Sie ist Präsidentin des Vorstandes „Humanitäre Hilfe in Kroatien/Bosnien/Kosovo“. Auch die Witwen von Srebrenica unterstützt sie bis heute. Für ihr Engagement erhielt Eberle 2003 in Zagreb den Preis „Humanistin des Jahres“ überreicht. Zusammen mit tausend anderen Frauen weltweit wurde sie für den Friedensnobelpreis 2005 vorgeschlagen. Gleich nach ihrer Nominierung sorgte sie wieder für Aufsehen: „Radikal gegen die Abtreibung“ sei sie, bekannte Eberle in der Wiener Tageszeitung Die Presse. Sie werde alles tun, um den betroffenen Frauen Hilfe zu geben. Abtreibung auf Krankenschein komme aber nicht in Frage. Das landeseigene St. Johannisspital weigert sich bislang beharrlich, Schwangerschaftsabbrüche vorzunehmen. Die neue Landeschefin Burgstaller wie auch die bisherige ÖVP-Landessozialrätin Maria Haidinger forderten daher die Einrichtung einer speziellen Abtreibungsklinik in Salzburg – Eberle konnte dies in den Koalitionsverhandlungen verhindern. Seit der Freigabe von Schwangerschaftsabbrüchen 1973 liegt deren Zahl jährlich im fünfstelligen Bereich. Experten schätzen, daß den rund 80.000 Geburten in Österreich bis zu 40.000 Abtreibungen gegenüberstehen. Eberles Widerstand gegen die herrschende Abtreibungspraxis in Österreich erklärt sich auch aus ihrer Biographie: „Ich habe zwölf Kinder durch Fehlgeburten verloren“, verriet sie Journalisten. Schließlich fuhr sie nach Indien, um dort zwei von Mutter Teresa vermittelte Kinder zu adoptieren. Als Sozialarbeiterin bot Eberle einer abtreibungswilligen jungen Frau an, alle Verantwortung und Kosten zu übernehmen, falls sie das Kind behalten wolle. Das so gerettete Baby unterstützt Eberle noch heute. Die Kritik der Salzburger Grünen, sie sei zwar „eine Persönlichkeit mit hohem sozialem Engagement, aber auch einem reichlich konservativen Familien- und Frauenbild“, ficht Eberle nicht an. „Konservativ ist für mich nicht negativ besetzt“, sagt sie. „Intakte Familie sind zentral für die Gesellschaft. Ich bin seit 24 Jahren verheiratet und halte das hoch“. Doraja Eberle (Foto)

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