Ferner liefen

Vor vier Jahren hatte der Verbraucheranwalt Ralph Nader mit seiner Kandidatur für die Grünen den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl entscheidend beeinflußt: Er brachte den demokratischen Bewerber Al Gore in swing states wie Florida um den Erfolg. Denn wäre er nicht angetreten, dann hätte – laut Meinungsforschern – zumindest ein Teil der Nader-Wähler statt dessen für den „linksliberalen“ US-Demokraten gestimmt. Bei den diesjährigen Wahlen am 2. November kam aber keinem der 44 weiteren Kandidaten, die sich im Schatten der beiden großen Parteien tummelten, wahlentscheidende Bedeutung zu. Nader, der diesmal für die konservative Reform Party antrat, um für die Eindämmung des Einflusses der Konzerne auf die Politik, für mehr Umweltschutz und weniger Einwanderung zu streiten, brachte es bei einer Kandidatur in 34 von 52 Bundesstaaten auf knapp 392.000 Stimmen – US-weit nicht einmal 0,4 Prozent. 2000 noch hatte er stattliche 2,7 Millionen Stimmen erhalten. Und im heiß umkämpften Bundesstaat Ohio trat er gar nicht an, ebenso in der demokratischen Hochburg Kalifornien. Sein bestes Resultat verbuchte er in Alaska, wo seine zwei Prozent freilich auch nur ein matter Abglanz der zehn Prozent von 2000 waren. Dicht gefolgt auf Platz vier landete Michael Badnarik. Für den Kandidaten der wirtschafsliberalen und gesellschaftspolitisch freizügigen Libertarian Party entschieden sich in 48 Bundesstaaten rund 375.000 Wähler. Seine Hoffnung, in New Mexico oder Texas Bush so viele Stimmen abzujagen, daß diese Bundesstaaten an die Demokraten fallen würden, erfüllte sich nicht einmal ansatzweise. Michael Peroutka, der für die rechte Constitution Party unter der Devise „Gott – Familie – Republik“ in 37 Bundesstaaten antrat und sich als christlich-patriotische Alternative zu George W. Bush empfahl, verbesserte diesmal das Ergebnis seiner Liste um etwa 30.000 Stimmen: Knapp 129.000 US-Bürger stimmten damit auch „gegen Globalisierung, gegen weltweiten freien Warenverkehr, gegen die De-Industrialisierung und gegen unkontrollierte Einreise“. Peroutkas Versprechen lautete: „Alle Macht dem kleinen Mann!“ Sein Vizepräsidentschaftskandidat war übrigens der in Florida sehr bekannte Prediger und Radiomoderator Chuck Baldwin. David Keith Cobb, der Bewerber der Green Party, ließ sich nur in jenen 28 Staaten aufstellen, die als sichere Bastion für John Kerry galten. Doch immerhin fast 105.000 Amerikaner wollten den Nader-Kontrahenten im Weißen Haus haben. Überraschende 22.000 Stimmen verbuchte der nur in Kalifornien auf der Liste „Peace and Freedom“ kandidierende Leonard Peltier. Der dem Stamm der Oglala angehörende indianische Freiheitskämpfer aus dem Umfeld der American Indian Movement sitzt allerdings in Haft. 1977 wurde er zu zweimal lebenslänglich verurteilt, weil er 1975 in der Pine Ridge Reservation in South Dakota angeblich zwei FBI-Agenten erschossen haben soll. Die übrigen Kandidaten – alle unter 11.000 Stimmen und meist auf einzelne Bundesstaaten beschränkt – bildeten auch diesmal ein wirres Sammelsurium aus Trotzkisten, Maoisten, Faschisten, religiösen Sonderlingen sowie der „Partei zur Wiederauferstehung der Vogelspinne“. Vergleichsweise normal wirkte daneben die schon im 19. Jahrhundert gegründete Prohibition Party, für die seit Jahrzehnten Earl F. Dodge antritt. 122 Bürgern war diesmal das Alkoholverbot wichtigstes Wahlkriterium.

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