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Einfache Lösung

Ein ebenso dümmliches wie deshalb beliebtes „Argument“ aller Ideologen ist die Polemik gegen „einfache“ Antworten, mit denen man zwar in populistischer Manier die „Stammtische“ überzeugen könne, aber nicht die verantwortlichen Entscheidungsträger in Gesellschaft und Politik. Dazu kann man zunächst nur feststellen: „Wenigstens diesen nicht unbeachtlichen Teil des Volkes!“ Wen überzeugen eigentlich die Ideologen außer sich selber und ihresgleichen? Selbstverständlich läßt sich jede „einfache“ Antwort immer auch „differenzierter“ und „problemorientierter“ erteilen: nicht in fünf Minuten, sondern auch in einem zweistündigen Vortrag; nicht nur auf einer Druckseite, sondern auch in einer umfangreichen Denkschrift; nicht nur in einer Zeitungsanzeige, sondern auch in einem längeren Artikel. Wer möchte das bestreiten? Aber kommt es darauf letztlich an? Offensichtlich doch, um eigene Gedankentiefe, eigene Visionen, eigenes Verantwortungsbewußtsein und eigene soziale Gesinnung zu demonstrieren, wenn man sie schon nicht aus nachgewiesenen Leistungen erkennen kann. Auf diese Weise meint man, sich vorteilhaft vom „Vereinfacher“ vom sogenannten terrible simplificateur absetzen zu können. Deshalb muß heute um Antworten „gerungen“ werden, am besten in langen Nachtsitzungen, aus denen die Teilnehmer am frühen Morgen und von Müdigkeit gezeichnet vor die Kameras treten. Was soll diese „sterile Aufgeregtheit“ und Dramatik? Jeder Omnibusfahrer, jeder Lokführer und jeder Pilot ist gesetzlich verpflichtet, Ruhepausen einzuhalten, um seinen Dienst verantwortungsbewußt versehen zu können. Die verantwortlichen Vorgesetzten machen sich strafbar, wenn sie die Einhaltung dieser Vorschrift bewußt mißachten. Wenn schließlich nach quälenden Marathon- und Nachtsitzungen eine Lösung gefunden wird, dann folgt in der Regel ein Minderheitenvotum. Alles ist richtig, auch das Gegenteil, um mit Kurt Tucholsky zu sprechen – eben nur nicht die „einfache“ Antwort. Es bedarf keiner ausführlichen Begründung, daß auf diese Weise ein Prozeß der Entmündigung unseres Volkes vorangetrieben wird. Immer weniger Politiker und Bürger haben wegen der angedeuteten Zustände den Mut, „das Einfache“ und das Selbstverständliche zu sagen, nur um nicht in den Verdacht des Populismus zu geraten. Solange das der Fall ist, wird es in Deutschland den vielzitierten „Ruck“ nicht geben, auf den wir nun schon jahrelang warten. Prof. Dr. Klaus Motschmann lehrte Politikwissenschaft an der Hochschule der Künste in Berlin.

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