„Wer die Wahrheit sagt, macht sich unbeliebt“

Herr Fendt, Sie starteten Anfang des Jahres in Ihrer Gemeinde Marktoberdorf ein Experiment: Jede Familie erhält für ihr drittes oder jedes weitere Kind von Ihnen 1.000 Euro als Prämie. Können Sie uns erklären, wie Sie auf diesen originellen Gedanken kamen? Fendt: Vor zwei Jahren saß ich in unserer Bürgerversammlung, und da legt der Bürgermeister immer die Geburtenzahlen und die Belegung der Schulen sowie der Kindergärten vor. Mir fiel auf, daß alle Zahlen rückläufig waren, dabei kam mir letztendlich der Gedanke mit der Geldprämie. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit man an diesem Projekt teilnehmen kann? Fendt: Erstens muß es das dritte, vierte oder fünfte Kind einer Familie sein. Zweitens sollte dieses Kind katholisch oder evangelisch getauft werden, und drittens sollte zumindest ein Elternteil die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Viertens müssen die Leute ab dem Tag der Bürgerversammlung vom letzten Jahr auch bereits schon in Marktoberdorf mit erstem Wohnsitz gemeldet gewesen sein. Weshalb legen Sie auch einen besonderen Schwerpunkt auch auf das christliche Bekenntnis? Fendt: Weil heute sehr viele Kinder überhaupt ohne Glauben und ohne religiöse Erziehung aufwachsen. Das ist schade, weil man doch durch den Glauben etwas vermittelt bekommt, das einem im Leben auch weiterhilft. Gab es bereits Reaktionen aus Ihrer Gemeinde? Fendt: Meine Aktion ist eigentlich recht positiv aufgenommen worden. Was besonders lustig ist: Im Fasching wurde vom städtischen Theater ein richtiges Theaterstück darüber aufgeführt. Da werde ich dargestellt und auch verschiedene andere Familien. Die ersten sind Maria und Josef aus der Bibel, die auch die Prämie holen wollen. Und ich sage dann im Theaterstück: „Nein.“ Weil es das erste Kind war? Fendt: Ja, für das erste Kind gibt es nichts. Und dann kommen sechs verschiedene Familien. Am Schluß kommt ein Familienvater an, bei dem schließlich alle Kriterien zutreffen und der sogar Mitglied der Bayernpartei ist. Das gab großen Beifall und viele Lacher. Sie nehmen solche kleinen Frotzeleien mit Humor? Fendt: Aber ja. Das muß man schon aushalten können. Auch in manchen Zeitungsartikeln, wie zum Beispiel in der linken taz, wird man gerne durch den Kakao gezogen. Aber das macht nichts, die Aktion wird davon ja nur bekannter. Wer sind die schärfsten Kritiker ihres Experiments? Fendt: Kritik wurde eigentlich nicht geäußert. Nur eine Marktoberdorferin kritisierte, daß es falsch sei, wenn Andersgläubige ausgeschlossen blieben. Die hat dann eine Prämie ausgesetzt für diejenigen, die bei mir die Kriterien nicht erfüllen. Aber ansonsten habe ich bisher noch keine Kritik gehört. Und meine Stadt Marktoberdorf wurde dadurch ausschließlich positiv in den Medien dargestellt. Wurde die Annahme der Prämie bereits schon einmal abgelehnt? Fendt: Ich habe heute von unserer Stadt einen Brief bekommen, in dem für die ersten fünf Kinder die Prämien angefordert wurden. Das unterliegt alles dem Datenschutz, und damit werden die Namen ja nicht bekannt. Aber unser Bürgermeister prüft jede Geburt, ob die Kriterien erfüllt sind und da muß ich ihm vertrauen, daß er mir die entsprechenden Benachrichtigungen zuschickt und dann schicke ich ihm das Geld und er gibt es wieder weiter. Von einer Ablehnung der Prämie ist mir daher bislang nichts mitgeteilt worden. Wie läuft die Aktion? Fendt: Wir können praktisch bis August noch überhaupt keine Wirkung feststellen. Die Kinder, die jetzt alle geboren werden, waren ja sozusagen schon in der „Pipeline“, bevor man von der Prämie etwas wußte. Da habe ich keinen Einfluß darauf. Aber was dann von August bis Dezember an Kindern kommt, das muß man mit den Vorjahreszahlen vergleichen, um zu sehen, ob sich die Prämie ausgewirkt hat. Haben Sie sich ein bestimmtes Ziel gesetzt? Fendt: Unsere Stadt feiert dieses Jahr ihr 50jähriges Jubeläum. Ich habe mir gedacht, daß fünfzig Kinder schon ganz passend wären. Bislang waren es immer um die dreißig Geburten, auf die das Kriterium zugetroffen hätte. Wenn es fünfzig werden, wäre das ein signifikanter Beweis dafür, daß die Prämie etwas genutzt hat. Wenn es nach wie vor auch nur dreißig sind, dann erbringt das wiederum den Nachweis, daß solche Prämien nichts bewirken. Was sagen Sie Leuten, die die Kriterien als antiquiert oder gar diskriminierend bezeichnen? Fendt: Da kann ich eines dazu sagen: Die deutsche Frau bekommt im Durchschnitt 1,4 Kinder. Dagegen haben die hier lebenden Ausländer eine Geburtenrate von 2,1 Kindern. 2,1 ist die Zahl, die ein Volk haben muß, damit es sich regeneriert und nicht ausstirbt. Das heißt, bei den Ausländern braucht man gar nichts machen, die vermehren sich von selber in der ausreichenden Zahl. Not am Mann ist nur bei den Deutschen, und deshalb muß man eben dort ansetzen. Woran liegt es, daß es eine solche Entwicklung bei Ausländern, selbst wenn diese schon jahrelang in Deutschland leben, nicht gibt? Fendt: Vor allem bei den Südländern herrscht ein anderes Familienbild. Da ist der Mann noch der Ernährer und die Frau kümmert sich um die Kinder und das Haus. Bei ihnen sind die Frauen auch nicht dem Wahn aufgesessen, sich beruflich selbstverwirklichen zu müssen. Sie sehen eben ihre Aufgabe noch in der Familie. Deshalb gibt es bei den Ausländern auch mehr Kinder. Kritikern entgegne ich daher: Ich nehme mir diese Leute eher zum Vorbild, statt sie zu diskriminieren. Woran liegen Ihrer Meinung nach die Ursachen für den ständigen Geburtenrückgang in Deutschland? Fendt: Viel zu viele Frauen sind berufstätig. Sie müssen oftmals sogar in einen Beruf ausüben, weil sonst das Geld nicht reicht. Wenn man aber iberufstätig ist, kann man meist maximal nur ein Kind bekommen. Deutschland ist ein absolut kinderfeindliches Land. Die staatlichen Fördermaßnahmen sind alles andere als ausreichend. Normalerweise wäre es sinnvoll, Müttern ein Erziehungsgehalt von 1.000 Euro im Monat zu zahlen. Dann könnten sich die Frauen der Familie widmen und wir hätten mehr Geburten. Vor allen Dingen ist ja auch der Grund, warum wir so viele Arbeitslose haben und warum die Konjunktur lahmt: Uns fehlen jedes Jahr 200.000 Menschen. Das sind nach zwanzig Jahren vier Millionen Autokäufer, Konsumenten, Mieter oder Häuslebauer, die fehlen. Seit Beginn des Geburtenrückgangs 1970 fehlen schon sechs Millionen Menschen. Das merken wir jetzt auch in der Wirtschaft, die nicht mehr wächst. Verschiedene Bevölkerungswissenschaftler argumentieren, man könne dies durch Einwanderung kompensieren. Fendt: Solche Aussagen bewerte ich sehr negativ. Man muß auch an die Länder denken, wo diese Leute herkommen sollen. Die 200.000 Menschen, die man zuwandern lassen will, sollten ja Leute sein, die unserem Staat nützen. Das wäre dann die Elite aus dem Land, wo sie herkommen. Wenn man diese Länder ihrer Elite beraubt, dann gehen diese Länder unter. Wenn die „schlechten“ Leute dort bleiben und die Guten alle auswandern, dann gehen die Herkunftsländer zugrunde. Deshalb ist es für mich Blödsinn. Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen dem demographischen Wandel in Deutschland und einem allgemein zu verzeichnendenWertewandel? Fendt: Ja. Das hängt alles zusammen. Eine „normale“ Familie gilt in diesem Land nicht mehr viel. Es gibt heute „gemischte Familien“. Da bringt der Vater ein paar Kinder mit und die Mutter ein paar Kinder und dann haben sie miteinander noch ein paar. Dann weiß kein Kind mehr, wo es eigentlich hingehört. Eine Woche ist es bei dem Vater, eine Woche bei der anderen Mutter – da herrscht ein Chaos in den familiären Beziehungen. Darüber hinaus gibt es auch noch Zweit- und Drittehen, die dieses Chaos perfekt machen. Aber da wir einen Bundeskanzler haben, der das vorlebt, brauchen wir uns nicht wundern, wenn es die Bürger nachmachen. Wie könnte man den demographischen Wandel wieder korrigieren? Fendt: Wir haben in Bayern eine Verfassung, die jedem Kind einen Kindergartenplatz garantiert. Aber wenn man einen Kindergartenplatz sucht, steht man vor verschlossenen Türen, weil doch keine Plätze frei sind. Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt. Wir leisten uns jeglichen Luxus. Für ausreichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten fehlt es dann aber immer an Geld. Sehen Sie einen Unterschied in der Entwicklung auf dem Land und in städtischen Bereichen, was das angeht? Fendt: Auf dem Land funktioniert es noch relativ gut. Dort zählt das „traditionelle“ Familienmodell noch was. In den Großstädten dagegen gibt es schon viel zu viele Singles und auch „Halbfamilien“. Auf dem Land gibt es kaum Alleinerziehende, da ist das gesellschaftliche Gefüge noch nicht zerstört. Welche Sofortmaßnahmen würden Sie der Politik empfehlen? Fendt: Ich bin Mitglied der Bayernpartei, deren Ziel es ist, Bayern vom bundesdeutschen Staatenverbund unabhängig zu machen. Wir haben von einem Experten berechnen lassen, daß ein unabhängiges Bayern einen Haushaltsüberschuß von 17 Mrd. Euro hätte. Mit diesem Haushaltsüberschuß könnte man eine sehr familienfreundliche Politik gestalten. In der heutigen Struktur der Bundesrepublik Deutschland wäre das ohne Einsparungen in anderen Bereichen nicht finanzierbar. Aber ein freier Staat Bayern hätte die Mittel und könnte das finanzieren. Heute haben wir 2 bis 2,5 Personen, die einen Rentner versorgen. In fünfzig Jahren hat jeder Rentner nur noch eine Person, die ihn finanziell versorgt. Das kann nicht funktionieren, weil entweder die Rente stark sinken würde oder der Rentenbeitrag stark steigen müßte. Deshalb ist das Allerwichtigste, was wir heute brauchen, eine massive Erhöhung der Geburtenrate. Das würde alle anderen Probleme, die wir haben, wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit und Wachstumsschwäche, lösen. Wenn man das Problem aber nicht löst, dann wird es weder Konjunktur noch Wachstum geben. Wo soll es denn herkommen, wenn die Leute immer weniger verdienen und die Bevölkerung nicht mehr wächst? Sind Ihrer Meinung nach die Politiker noch geeignet, um als Vorbilder für eine familien- und kinderfreundliche Politik zu dienen? Fendt: Die Politiker sind dazu weder persönlich noch fachlich geeignet. Persönlich, wie man an den vier Ehen bei unserem Kanzler Gerhard Schröder und beim Außenminister Josef Fischer sehen kann. Jeder von diesen Leuten lebt in recht seltsamen Verhältnissen. Da habe ich nicht darüber zu richten, das ist schließlich die Privatsache eines jeden selber. Aber Politiker sind die, die nur an die nächste Wahl denken. Staatsmänner sind die, die auch an die nächste Generation denken. Wir haben nur noch Politiker und keinen einzigen Staatsmann mehr. Da nehme ich die Unionsparteien nicht aus. Die CDU/CSU hat uns auch lange genug regiert. Die heutigen familienfeindlichen Verhältnisse haben beide großen Parteien zu verantworten. Da kann man nicht sagen, das waren die Roten oder das waren die Schwarzen. Das waren sie alle miteinander. Von welcher Partei ist Ihrer Meinung nach heute am ehesten eine familien- und kinderfreundliche Politik zu erwarten? Fendt: Nur von der Bayernpartei. Sonst denken alle anderen Politiker zu kurzfristig und sind auch nicht in der Lage oder nicht mutig genug, um dem Volk „reinen Wein“ einzuschenken und die Fakten zu vermitteln. Die machen immer nur hohle Versprechungen, aber wissen genau, daß das alles auf Dauer nicht gut geht. Glauben Sie, das Volk wird merken, wer an die nächste Generation denkt und auf die Staatsmänner warten? Fendt: Das wird erstmal so weitergehen, weil es den Politikern, die an der Macht sind, nur um ihre persönliche Macht geht. Dabei sollte es um das Wohl des ganzen Volkes gehen. Den Etablierten geht es darüber hinaus um ihre eigene finanzielle Versorgung. Deshalb wird in der Politik und bei politischen Beamten auch für eine gute Altersversorgung gesorgt, und auf diese Quellen wollen sie natürlich nicht verzichten. Das ist auch der Grund, warum sie überhaupt gewählt werden wollen. An die staatlichen Geldtöpfe wollen sie alle ran. Vor wem warnen Sie denn ganz besonders in der heutigen Politik? Fendt: Vor den Gewerkschaftsführern muß man ganz besonders warnen. Denn die sind eigentlich daran schuld, daß in diesem Land überhaupt nichts mehr weitergeht. Wenn irgendein Vorschlag von Unternehmerseite gemacht wird, dann lehnen die den sofort ab. Die Gewerkschaftsfunktionäre maßen sich eine Macht an, die ihnen nicht zusteht. Eigentlich sollte die Regierung regieren und der Bundestag sollte Gesetze machen. Was da aber momentan mit diesen ganzen Kommissionen und dem gescheiterten Bündnis für Arbeit abläuft, ist bizarr. Haben Sie eigentlich schon Reaktionen aus der Politik auf Ihre Aktion? Fendt: Nein, aus der Politik habe ich dazu noch überhaupt nichts gehört. Erwarten Sie noch Reaktionen? Fendt: Wenn einer die Wahrheit sagt, wird er von der Politik nie besonders geliebt. Das wird dann natürlich auch von den Medien unterdrückt. Die Medien haben zwar schon etwas gebracht, allerdings mehr in der Unterhaltungssparte. Die politischen Hintergründe meiner Aktion haben eigentlich weniger interessiert. Was sagt Ihre Ehefrau zu Ihrem Experiment? Fendt: Sie weiß ja als Frau, weshalb man sich ein Kind zulegt. Sie sagte: „Na ja, bewirken wird das sicherlich nicht viel. Es wird sich für 1.000 Euro niemand schwängern lassen.“ Das sagt sie heute zwar auch noch, aber wir haben deswegen also keinen Zwist in der Familie. Wir kommen nach wie vor alle gut miteinander aus. Wie sprechen Sie mit Ihren Kindern über diese Thematik? Fendt: Ich gebe natürlich auch den Kindern weiter, daß man für die Allgemeinheit etwas tun muß. Man kann nicht nur das Geld für sich selber ausgeben, sondern man muß auch etwas für das Volk aufbringen. Und das wird auch so akzeptiert und verstanden? Fendt: Ich glaube, da sind sie noch zu jung. Das verstehen sie noch nicht so. Peter Fendt , 53, ist Diplom-Kaufmann in Marktoberdorf. Er ist der Sohn des bekannten Traktorenfabrikanten Hermann Fendt und wuchs selbst mit drei Geschwistern auf. Fendt ist schwäbischer Bezirksvorsitzender und wirtschafts- und finanzpolitischer Sprecher der Bayernpartei.Heute betreibt er einen Versandhandel für Zigarren und Zigarrenzubehör. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. weitere Interview-Partner der JF

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