Langen Müller Sarrazin Wir schaffen das

 

Kriegsweihnacht

Wahrlich, wir leben in friedlichen Zeiten. George Bush packt Care-Pakete für die Irakis. Den Eltern der per Splitterbomben getöteten afghanischen Kinder zuliebe versetzt er Rumsfeld und Wolfowitz auf Müllsammlerposten im Central Park. Wladimir Iljitsch Putin wurde über Nacht Demokrat. Er befreit die Völker Rußlands von Befriedungsaktionen, die vielen Befreiten den ewigen Friedhofsfrieden bescherten. Die Seniorenriege an Chinas Spitze nimmt Abschied vom Modell „Platz des Himmlischen Friedens“ und bereitet den Großen Sprung in die vorgezogene Selbstpensionierung vor. Osama bin Laden und Nadeem Elyas erklären gemeinsam, sie hätten immer nur für sich selbst gesprochen, nicht für die Muslime. Falls die ihnen nicht verziehen, würden sie sich in der Wüste Gobi in die Luft sprengen. Ariel Scharon gibt bekannt, als Sohn eines Deutschen und einer Russin stamme er gleich aus zwei Tätervölkern. Da er schon als vierzehnjähriger Bub im Britenkillen ausgebildet wurde, habe er wie sein Kollege Arafat Schwierigkeiten mit dem Friedlichsein. Der Papst bittet um Vergebung für die Vertreibungsverbrechen seiner polnischen Mitbürger, auch für die Ermordung von weit über hundert Juden nach 1945. Er fordert die Kinder der Vertriebenen auf, in die Heimat der Vorfahren zurückzukehren, und plädiert für Deutsch als zweite Staatssprache. Gerhard Schröder und seine Partnerin Angela Merkel geben bekannt … nein, nicht die soundsovielte Eheschließung, sondern ihre feste Entschlossenheit, ihren unerklärten Krieg gegen Deutschland und das deutsche Volk zu beenden. „Schluß mit der Ausplünderung der arbeitenden Bevölkerung, Schluß mit dem Erzwingen von Kasernenhofgehorsam der Abgeordneten, Schluß mit weltweiter Kanonenbootpolitik und dem Soldatentod für fremde Interessen“ – das verkündeten beide nach Abriß des Palastes der Republik auf der Baustelle des Berliner Schlosses. Angesichts solch unerwarteter Entwicklungen wird weltweit Weihnachten als gemeinsames Friedensfest aller Völker gefeiert. Doch – wir sind noch nicht soweit. Und ohne Kampf werden wir nie soweit kommen. Aber Weihnachten sollten wir trotzdem feiern: Es erinnert uns daran, daß es in der Finsternis Lichter gibt, daß die Fürsten dieser Welt und der Finsternis nicht alles in ihrer Hand haben, daß in neuen Jahren und mit neuen Kindern Rettendes wachsen wird. Nicht in den Palästen, nicht auf den gewohnten Bahnen, sondern vom Rande her, aus Armut und Flüchtlingselend. Nicht vom Staat und der Macht her, sondern aus der Kraft des Geistes und der Gnade.

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