Angst und Schrecken in Rotterdam

In den Niederlanden nimmt der Antisemitismus immer mehr zu. Vor allem islamische Jugendliche aus Einwandererfamilien in den Großstädten sind dafür verantwortlich. Besonders in der Hauptstadt Amsterdam werden jüdische Niederländer von marokkanisch-stämmigen Jugendlichen immer öfter auch tätlich angegriffen. „Diesem neuen, immer weiter wuchernden Judenhaß muß Einhalt geboten werden“, forderte die mit einer Auflage von fast einer Million größte niederländische Tageszeitung De Telegraaf. Der Dschihad, der „Heilige Krieg“, drohe nun auch an niederländischen Schulen ausgetragen zu werden, warnte die Zeitung in einer Sonderseite zum Gedenken an den 65. Jahrestag der „Reichskristallnacht“ im November. Manche Lehrer trauten sich nicht mehr, den Holocaust in der Schule zu behandeln. Auch der niederländische EU-Kommissar Frits Bolkestein rief bei einer Gedenkfeier am 9. November in Amsterdam zu Wachsamkeit auf. Der rechtsliberale Politiker nahm kein Blatt vor den Mund und wies explizit auf diejenigen hin, die seiner Meinung nach für den neuen Antisemitismus verantwortlich sind: „Es sind vor allem nordafrikanische und marokkanische Jugendliche, die durch die arabische Propaganda beeinflußt werden.“ „Wer hätte je gedacht, daß wir hier heute stehen würden, 65 Jahre nach der Kristallnacht, 60 Jahre, nachdem meine Klassenkameraden Hans Hendriks und Ineke Berens abgeführt und in Polen ermordet wurden? Wer hätte je gedacht, daß vor einem Jahr hier in Amsterdam, mitten auf dem Damplatz, im Herzen unserer Stadt, wo es ein Denkmal gibt zur Erinnerung an die Nazibesatzung, ein Mann von einer Gruppe marokkanischer Jugendlichen überfallen wurde, nur weil er ein Käppchen aufhatte? Wer hätte gedacht, daß Lehrer in den Niederlanden sich nicht trauen würden, über die Shoa zu unterrichten, wegen der feindlichen Reaktionen ihrer islamischen Schüler?“ fragte Bolkestein vor den rund tausend Teilnehmern der Gedenkveranstaltung. Gefahren einer weiteren Zunahme von Einwanderern „Selbstverständlich kann man der heutigen Politik Israels kritisch gegenüberstehen. Aber dann ist man nicht gleich Antisemit.“ Der Unterschied zwischen Antisemitismus und Antizionismus werde in islamischen Kreisen aber nicht gesehen, so der EU-Kommissar. Als Chef der rechtsliberalen VVD hatte Bolkestein bereits in den neunziger Jahre vor den Gefahren einer weiteren Zunahme von Einwanderern in der Hauptstadt gewarnt. Der Politiker kritisierte in seiner Rede auch die Antiglobalisierungsbewegung. Seit 1967 werde Israel von Teilen der Linken als Vorposten des kapitalistischen Westens gegenüber dem „ausgebeuteten“ und „armen“ Süden betrachtet. Aus diesem Grund hätten die Palästinenser unter Antiglobalisten viele Sympathisanten haben. Wurde die Gedenkfeier an die „Reichskristallnacht“ in den vergangenen Jahren von kaum mehr als ein paar Dutzend Menschen besucht, versammelten sich in diesem Jahr in Amsterdam fast tausend. Die Fraktionsvorsitzenden fast aller niederländischen Parteien nahmen an der Gedenkveranstaltung teil. Auch Selami Yüksel, Sprecher des Kontaktverbandes Muslime und Staat (CMO) meinte, es sei inakzeptabel, daß Konflikte aus anderen Regionen in Europa ausgetragen werden. Der regierende Bürgermeister von Amsterdam, Job Cohen, nannte es „schockierend und beschämend“, daß in einer Stadt, in der Juden so gelitten haben, Juden jetzt diffamiert und bedrängt werden. Von den über 100.000 jüdischen Mitbürgern, die einst in Amsterdam wohnten, überlebten lediglich ein paar tausend die deutschen KZ. Die Stichting Vredeseducatie (Stiftung Friedensbildung) bestätigte die Einschätzungen Bolkesteins. Islamische Jugendliche würden stark von arabischen Fernsehbildern beeinflußt, in denen Juden ausschließlich als Unterdrücker der Palästinenser erscheinen. Sie seien nicht imstande, diese Bilder kritisch wahrzunehmen. Außerdem würden sie sich stark mit den Palästinensern identifizieren, weil sie meinten, in den Niederlanden eine vergleichbar diskriminierte Position einzunehmen. Strenggläubige junge Marokkaner ließen sich von antisemitischen Stereotypen leiten. Die EU scheint aber nicht bereit, sich mit dem Problem des islamischen Antisemitismus auseinanderzusetzen. Ein Bericht über Antisemitismus von moslemischen und pro-palästinensischen Gruppen in Europa blieb unter Verschluß. Auch aus diesem Bericht geht hervor, daß ebendiese Gruppen in hohem Maße für den heutigen Antisemitismus verantwortlich sind. Tätliche Übergriffe auf Juden und die Schändung und Zerstörung von Synagogen würden oft von jungen, radikalen Moslems verübt. Die Grenze zwischen einer legitimen Kritik an Israel und einem Benutzen von antisemitischen Stereotypen werde von Teilen der Linken und radikalen Moslems aber deutlich überschritten, meint auch Juliane Wetzel, Mitarbeiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin. Die „Auschwitz-Lüge“ werde, so Wetzel am 3. Dezember in einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk, immer wieder von arabischen Medien nach Europa transportiert. Auch Teile der Linken und Globalisierungsgegner, so Wetzel, benutzten antisemitische Stereotypen. EU verschweigt offiziell das heikle Thema Daß der Bericht der in Wien ansässigen Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) bisher nicht offiziell veröffentlicht worden sei, sei ein Akt der Unehrlichkeit und Feigheit, kritisierte Elan Steinberg, Vize-Präsident des Jüdischen Weltkongresses (JWC). Doch bisher weigert sich die EU, die Probleme beim Namen zu nennen und für Transparenz einzutreten. Sie verschweigt das heikle Thema lieber, um die größte Minderheit in Europa aus der Kritik zu halten und am Traum der „multikulturellen Gesellschaft“ festzuhalten.

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