Aggressive Werbung für das Wort Gottes

Eine evangelische Kampagne hat ein lebhaftes Echo bei Medien- und Kirchenvertretern ausgelöst. Überall in Deutschland sieht man derzeit bekannte Christen von Plakatwänden lächeln wie den Profi-Golfer Bernhard Langer, den englischen Sänger Cliff Richard, den brasilianischen Fußballstar Paulo Sergio und den Urenkel des letzten deutschen Kaisers, Philip Prinz von Preußen. Sie werben für ein evangelisches Buch mit dem Titel „Kraft zum Leben“. Auch im Fernsehen wurden Werbespots geschaltet, ebenso Anzeigen in Zeitschriften. Per Postkarte, Internet oder Telefon kann man die kostenlose Schrift bestellen. Urheber der Aktion ist die amerikanische Arthur-S.-DeMoss-Stiftung mit Sitz in Palm Beach, Florida, nach eigenen Angaben eine „private, philanthropische Organisation“. Sie wurde 1955 von dem Versicherungsvertreter Arthur S. DeMoss gegründet, der seinen Reichtum „in den Dienst Gottes“ stellen wollte. Bei seinem Tod 1979 hinterließ er ein Vermögen von 359 Millionen US-Dollar. Seitdem leitet seine Witwe Nancy DeMoss die Stiftung. Es sei das Ziel des „Kraft zum Leben“-Projekts, „so viele Menschen wie möglich mit dem biblischen Bericht vertraut zu machen, wie man Gott auf einer persönlichen Ebene kennenlernen kann“, heißt es in einer Stellungnahme der Stiftung. Die Schrift „Kraft zum Leben“ wurde 1983 von dem christlichen Bestseller-Autor Jamie Buckingham (1932-1992) verfaßt. Die Teilnehmer an der Kampagne erhielten für ihr Mitwirken keinerlei Vergütung. Die Stiftung selbst suche keine Publizität und gebe keine Interviews. Mehrere Zeitungen spekulierten daher über einen sektiererischen Hintergrund. Die Bild am Sonntag glaubte sogar zu wissen, die Stiftung wolle Nichtchristen das Wahlrecht entziehen, was sich als unzutreffend herausstellte. Bereits im Sommer 2001 warb die Stiftung in deutschen Zeitungen mit Langer für das Buchprojekt. Die Aktion wurde jedoch nach wenigen Wochen beendet. Im November fiel die Entscheidung für die neue Kampagne, nachdem die Sendezeit für die Fernsehwerbung abgesichert war. Die Aktion soll noch bis Ende Februar fortgesetzt werden. Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, begrüßte gegenüber der evangelischen Nachrichtenagentur idea die Kampagne: „Alles, was der Verbreitung des Evangeliums dient, ist uns willkommen.“ Allerdings sei es schade, daß es keine Anbindung der Aktion an die Gemeinden gebe. Er hätte sich gewünscht, daß die Stiftung bereits im Vorfeld der Aktion Kontakt etwa zur Evangelischen Allianz gesucht hätte, um sich über ein gemeinsames Vorgehen abzusprechen. Ähnlich kritisierte auch der Referent der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin, Michael Utsch, das Vorgehen der Organisation: Das Buch fordere zwar die Leser auf, Kontakt zu einer bibeltreuen Gemeinde aufzunehmen, gebe aber keine Adressen an. Dies sei ein eklatanter Unterschied etwa zur Evangelisation ProChrist, wo die Gemeinden direkt eingebunden sind. Der von verschiedenen Medien als entschiedener Kritiker von „Kraft zum Leben“ dargestellte Utsch betonte gegenüber idea, daß er das Buch „keineswegs für einen Problemfall“ halte. Es sei vielmehr „sauber evangelikal gehalten“ und könne gut als Anknüpfungspunkt für Gespräche über den christlichen Glauben genutzt werden. Allerdings bezweifele er, daß sich der „amerikanische Stil“ des Buches in Deutschland durchsetzen werde. Auch die politischen Positionen der DeMoss-Stiftung in den USA – das Missionswerk tritt dort unter anderem für die Todesstrafe, gegen Homosexualität und Abtreibung sowie für ein Schulsystem christlicher Bekenntnisschulen ein – bezeichnete er als „intolerant“. Dies tue dem Nutzen des Buches jedoch keinen Abbruch, da es keine politische Aussage vertrete und ganz der Verbreitung des christlichen Glaubens diene. Auch der Beauftragte für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, Pfarrer Thomas Gandow, mahnte zu einer gewissen Vorsicht im Umgang mit dem Buch. Er selbst habe es noch nicht erhalten und könne daher noch nichts Genaues über den Inhalt sagen. „Es kann aber durchaus sein, daß es für den einen oder anderen, je nachdem zu welcher Konfessionsfamilie er sich rechnet, auch problematische Aspekte enthält.“ Gandow forderte alle Leser auf, „in ihrer christlichen Gemeinschaft oder Gemeinde darüber zu reden“. Zu der Plakataktion sagte Gandow: „Ich finde es sehr gut, daß sich evangelikale Christen mit ihrem Bild und ihrer ganzen Person für ihren Glauben einsetzen.“ Der Urenkel des letzten deutschen Kaisers, Philip Prinz von Preußen, äußerte sich gegenüber idea begeistert vom großen Engagement des amerikanischen Missionswerks: „Es ist großartig, daß eine Stiftung soviel Geld für Gott und ihre Mitmenschen einsetzt.“ Der evangelikale Theologiestudent, der selbst für die Aktion wirbt, betont, daß bei „Kraft zum Leben“ nur vom Evangelium die Rede ist. „Diese Botschaft hat vor vielen Jahren mein Leben buchstäblich gerettet und mich und meine Familie auf eine gute, eine gesegnete Bahn gebracht.“ Auch Bernhard Langer nimmt in einer Presserklärung zu seiner Beteiligung an der Werbeaktion Stellung: „Ich habe das angebotene Buch ‚Kraft zum Leben‘ in seiner englischen Fassung schon vor Jahren gelesen und es hat mir und meiner Familie sehr geholfen.“

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