Joachim Kuhs

 

Ein blonder Junge, der noch nie zuvor in Spanien war

An einem Dezembertag 1948 kam er frühmorgens mit dem Zug aus Lissabon in Madrid an und fuhr gleich nach Las Jarillas weiter, eine Finca, zwanzig Kilometer von Madrid entfernt. Acht Jungs haben auf ihn gewartet. Und dann kam ein blonder Junge, der noch nie in Spanien gewesen war und einen ausländischen Akzent hatte. Der Ärmste fand sich urplötzlich an diesem fremden Ort wieder, aber er erwarb sich schnell unsere Zuneigung,“ erklärt Jaime Carvajal, ein Jugendfreund des heutigen spanischen Königs Juan Carlos I.

Urplötzlich stand der zehnjährige Sohn des im portugiesischen Exil lebenden Thronfolgers Don Juan vor einer kolossalen Aufgabe. Franco hatte 1947 beschlossen, daß Spanien, das 1931 die Monarchie abgeschafft hatte, wieder ein Königreich werden soll, eine eingeschränkte Monarchie allerdings. Denn Franco allein entschied, wer König wird und wann. Ausersehen hatte er dafür den jungen Juan Carlos.

 Schnell wurde der junge Mann zur Geisel in einem erbitterten Kampf zwischen seinem ehrgeizigen Vater und dem Generalísimo, die einander die Vormundschaft über den verlorenen Sohn streitig machten. 

Doch wie groß war der Einfluß des Caudillo? Wie das Verhältnis des Jungen zum Vater im Exil? Und wie wurde aus Juan Carlos, den Franco selbst zu seinem Nachfolger bestimmt hatte und der von Falangisten und Opus-Dei-Anhängern erzogen worden war, das  angesehene Staatsoberhaupt von heute, nachdem er am 22. November 1975, zwei Tage nach Francos Tod, zum König proklamiert wurde?

Antworten gibt die französische Dokumentation von Daniel Leconte, in der auch Generalleutnant Jorge Herrera, ein Jahrgangskamerad von Juan Carlos, ins Schwärmen gerät: „Ich glaube, er war durch und durch Soldat: beseelt von einem ritterlichen Geist, dem Geist der Kavallerie, kühn und draufgängerisch.“

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