Zurückgezogen

Vor fünf Jahren rebellierte die taz gegen die unerträgliche Autorisierungspraxis, also dagegen, daß sich Politiker und andere Promis Interviews nachträglich zur Überarbeitung vorlegen lassen. Die Zeitung druckte einfach ein Interview ab und schwärzte die geänderten Stellen. So wurde klar, wie der Interviewte Olaf Scholz (SPD) die Leser an der Nase herumzuführen versuchte. Dazu gab es einen grimmigen Kommentar von Chefredakteurin Bascha Mika, die sich über den „Betrug am Leser“ aufregte. Jetzt ist sie es, die anderen mit der Autorisierung das Leben schwermacht. Der Kadmos-Verlag hat ein Büchlein herausgegeben, in dem bekannte Journalisten interviewt werden, darunter Immer-noch-taz-Chefredakteurin Bascha Mika. Sie hat den Text auch autorisiert. Aber dann, nach fast einem halben Jahr, hat sie die Autorisierung zurückgezogen. Mittels eines Gerichtsbeschlusses läßt sie derzeit die Auslieferung von „Die vierte Gewalt“ unterbinden. Verlagschef Wolfram Burckhardt muß die Seiten per Hand heraustrennen lassen. Er rechnet mit „sieben- bis achttausend Euro“ Schaden — ein herber Schlag für den kleinen Verlag.

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