Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Endlich ein Beispiel an den Franzosen nehmen

Wer die zunehmende Anglisierung unserer Sprache und die damit einhergehende Verarmung unseres Wortschatzes und Ausdrucksreichtums registriert, mag vielleicht resigniert bei der Losung des neuen „real life“-Formats von Kabel eins landen, die da lautet: „Echt auswandern!“ Daß es noch einen anderen Weg gibt, demonstriert das von der international renommierten Opernsängerin Edda Moser begründete „Festspiel der deutschen Sprache“, für das in der Vergangenheit Kapazitäten wie der Schauspieler Mario Adorf oder der Dichter Reiner Kunze gewonnen wurden. Dessen inzwischen dritte Ausrichtung, wie schon im Vorjahr im berühmten historischen Goethe-Theater von Bad Lauchstädt, erinnert uns daran, daß es — auch wenn alles in Ordnung zu sein scheint — eben nicht „okay“ ist. Denn die Studentinnen der an der Kölner Musikhochschule lehrenden Sopranistin Moser müssen jedesmal einen Euro Strafe zahlen, wenn sie den englischen Ausdruck benutzen. Auf diese Weise will Opernstar Moser dazu beitragen, die deutsche Sprache zu schützen. Schließlich drohe durch die Globalisierung die Gleichmacherei. Deshalb, so Moser, sollten wir uns an den Franzosen ein Beispiel nehmen und „künftig lernen, uns sprachlich abzugrenzen. Bislang sind die Deutschen dafür aber zu feige“, konstatiert die Kammersängerin. Um also Mut zur Benutzung der eigenen Sprache zu machen, treten diesmal vier hochkarätige Schauspieler an: Udo Samel, Katharina Thalbach, Axel Milberg und Otto Schenk. Sie werden zeigen, wie „cool“ es ist, sich eben nicht dieses Wortes zu bedienen, sondern zwischen den Ausdrücken „hinreißend“, „überwältigend“ oder „berührend“ wählen zu können, denen viel mehr Kraft eignet als dem schlichten Anglizismus. Schließlich können wir mit Tracy Chapman leidlich „sorry“ sagen, doch ist dies laut Moser „viel oberflächlicher. Aus Scheu vor Tiefe werden Gefühle versteckt.“

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