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Zwanzig Jahre Historikerstreit

Geschichte kommt von Geschehen. Geschehen nachträglich zu systematisieren und zu bewerten, ist Sache der Historiker. Deren Glaubwürdigkeit hängt davon ab, inwieweit es ihnen gelingt, Vergangenes zu beschreiben, ohne aus dem Hier und Jetzt heraus zu argumentieren. Der Autor Horst Drescher beschrieb dieses Schwierigkeit in bezug auf die jüngere deutsche Geschichte einmal so: „Über die Zeit von 1945 bis 33 wissen wir viel, jedoch kaum etwas über die Zeit von 33 bis 45.“ Es ist kein Zufall, daß es ein Zeitungsaufsatz über ebenjenen, immer wieder politisch wie moralisch bewerteten Zeitraum war, der vor genau 20 Jahren Aufsehen erregte. Von der Vergangenheit, die nicht vergehen will In diesem wiederholte Ernst Nolte unter dem Titel „Vergangenheit, die nicht vergehen will“ Thesen, die er bereits Jahre zuvor in Fachkreisen vertreten hatte. Der Historiker sah zwischen dem roten Terror der Bolschewiki und den Verbrechen der Nationalsozialisten einen ursächlichen Zusammenhang. Jürgen Habermas warf Nolte daraufhin vor, die Greueltaten der Nazis zu relativieren. Der nun einsetzende Historikerstreit fand in etwa 1.000 Presseartikeln seinen Niederschlag. Das Ergebnis: Nicht nur Noltes Thesen, sondern auch der Historiker selbst wurden fortan von der Mehrheit seiner Zunft geächtet. Der heute 83jährige besteht jedoch weiterhin darauf, daß es die oberste Pflicht eines Historikers sei, verstehbar zu machen, wie es zu Phänomenen wie Auschwitz kam. In der Dokumentation „Ein deutscher Streitfall“ (Montag, 22. Mai, 20.15 Uhr, 3sat) wird die Eskalation des Streits rekonstruiert, und Ernst Nolte kommt zu Wort. Eine Diskussionsrunde (21.35 Uhr) schließt sich an.

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