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Die Hand Gottes hat sich vergriffen

Mir wurde plötzlich sehr kalt und dann wußte ich – das ist der Tod, der auf mich wartet …“ Der Mann, der der jungen gutaussehenden Frau mit den langen blonden Haaren gegenübersitzt, vermag kaum weiterzusprechen. Seine Stimme klingt seltsam gepreßt, und seine kräftigen Arme beschreiben übergangslos und mit ruckartigen Bewegungen einen großen Kreis: „Das ist die Leere, die ich in meiner Brust fühle, die mich schmerzt und die mich immer wieder in eine tiefe Verzweiflung stürzt.“ Tränen kullern über sein Gesicht. Der Kameramann des argentinischen Fernsehens hält unbarmherzig die Szene fest, die den seelischen und körperlichen Niedergang eines Mannes dokumentiert, der einmal zu den genialsten Fußballern der Welt gehörte. Kein Zweifel, Diego Armando Maradona, 43 Jahre alt, ist am Ende. Susana Gimenez, eine der bekanntesten Fernsehmoderatorinnen des südamerikanischen Landes, hatte den ehemaligen Fußballstar am 30. April zu einem Interview gebeten, und Diego schilderte seine Ängste, seine Hoffnungen und den sehnlichen Wunsch, den Fans, die ihm bislang die Treue gehalten haben, persönlichen Dank abzustatten. Seine Sätze brachen plötzlich ab, denn es fiel ihm schwer, sich zu konzentrieren, er verhedderte sich und fand dann doch wieder den Faden, um sich der Zukunft zuzuwenden. Ja, er wolle unbedingt zur Geburtstagsfeier seiner 15jährigen Tochter Gianina am 21. Mai wieder fit sein. Möglicherweise werde er auch nach Kuba zurückkehren, „um dort die Dinge zu ordnen“, die ihm wichtig seien (schließlich ist er ein Busenkumpel vom Uraltrevolutionär Fidel Castro, mit dem er schon so manche Havanna gequalmt haben soll), und außerdem stehe noch eine unerledigte Reise nach Italien an, dem Land, in dem er in seinen besseren Zeiten einzigartigen Fußball gespielt hat. Wird er das alles schaffen? Diego Maradona, der 1986 mit seiner Mannschaft die Weltmeisterschaft gewann und die Welt davon überzeugte, daß Fußball nicht nur ein Kraftsport ist, sondern auch ausgesprochen elegant gespielt werden kann – hat er überhaupt noch eine Zukunft? Der 43jährige wirkt in diesen Tagen aufgedunsen, seine Haut ist fahl, er bringt 90 Kilogramm auf die Waage, viel zu viel für seine Körpergröße von 160 Zentimetern und für das angegriffene Herz, das jeden Augenblick aufhören kann zu schlagen. Er sieht ein wenig aus wie Elvis Presley kurz vor seinem Tod. Sein Atem geht stoßweise, immer wieder hat er Probleme mit dem Gleichgewicht. „Ja, ich werde die Kraft aufbringen, es zu schaffen“, sagte er zu seiner Interviewerin. Es klang trotzig, so als müsse er sich selbst Mut machen, um daran zu glauben. Diego galt schon immer als labil. Seine Karriere in Buenos Aires, in der argentinischen Nationalmannschaft und später dann in Neapel wurde durch zahlreiche Skandale und Skandälchen überschattet, aber erst im Januar 2000 wurde es richtig ernst. Infolge einer Überdosis Kokain brach er in dem uruguayischen Nobel-Badeort Punta del Este zusammen. Er ging auf Einladung des Präsidenten nach Kuba, um sich dort von seiner Rauschgiftsucht heilen zu lassen. Hin und wieder brachten Zeitungen ein Bild von ihm – man sah ihn beim Golfspielen, offensichtlich auf dem Weg der Besserung. Die kubanischen Ärzte verringerten von Monat zu Monat die Kokaindosis, um den vom Rauschgift abhängigen und geschundenen Körper langsam zu entgiften. Am 23. März dieses Jahres war Diego Maradona gesundheitlich wieder soweit hergestellt, daß er in sein Heimatland zurückkehren konnte. Zuvor mußte er allerdings noch ein paar juristische Dinge klären, die für eine Rückkehr hinderlich waren. Maradonas Anwälte zahlten 40.000 Dollar, um die Aufhebung eines Haftbefehls zu bewirken, den ein Richter wegen ausstehender Unterhaltszahlungen für ein 1996 geborenes Mädchen ausgestellt hatte. Kaum hatte sich das Fußballidol sich in seiner alten Heimat wieder eingelebt, folgte am 18. April ein totaler gesundheitlicher Zusammenbruch. Die Ärzte diagnostizierten akute Herzschwäche, eine Lungenentzündung, die durch das Einatmen von Erbrochenem für zusätzliche Komplikationen sorgte. Ein Notarztwagen brachte den 43jährigen in das Argentinisch-Schweizerische Krankenhaus im Zentrum von Buenos Aires. 14 Tage lang lag Diego Maradona auf der Intensivstation, sieben davon ohne Bewußtsein. Als er sich wieder einigermaßen gefangen hatte, wollte er weg. „Ihm schmeckte das Essen nicht, und die Ärzte und Krankenschwestern quälten ihn mit Untersuchungen“, meldete der argentinische Korrespondent der Madrider Tageszeitung El País. „Er bat einen diensthabenden Arzt: Geben Sie mir einen Fußball und Sie werden sehen, daß ich okay bin.“ Sein persönlicher Arzt Alfredo Cahe forderte die Klinikleitung auf, den prominenten Patienten nicht gehen zu lassen. Und das, obwohl sich vor dem Krankenhaus unglaubliche Szenen abspielten: Für Maradona, in Argentinien der Volksheld schlechthin, beteten ganze Heerscharen von Anhängern lauthals für seine Heilung, was den anderen Krankenhausbewohnern doch langsam auf die Nerven fiel. Doch Diego war nicht zu halten, auch nicht von seinen beiden Töchtern, die vergeblich versuchten, ihren Vater zur Fortsetzung des Krankenhausaufenthalts zu überreden. Am Ende steckte seine Ex-Frau Claudia Villafrane dem ehemaligen Fußballstar, der in seiner Glanzzeit Millionen verdient hatte, 100 Pesos in die Tasche seiner Trainingshose, damit er nicht völlig mittellos dastand. 100 Pesos, das sind etwa zehn Euro. Ein befreundeter Journalist brachte Diego Maradona auf ein großes landwirtschaftliches Gut etwa 50 Kilometer westlich von Buenos Aires, das Pascual Mastellone, dem Präsidenten der größten Gesellschaft des Landes für die Herstellung und den Export von Milchprodukten gehört, einem Bewunderer des ehemaligen Fußballstars. Fast zur gleichen Zeit, als Diego die Hauptstadt verließ, wurde sein 76 Jahre alter Vater in ein anderes Krankenhaus in Buenos Aires eingeliefert. Auch er hatte sich eine Lungenentzündung zugezogen. „Diegos Vater litt nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Die Aufregungen um seinen Sohn hatten ihm sehr zugesetzt“, meldete der El País-Korrespondent in die spanische Hauptstadt. „Ich bitte meine Familie, vor allem meine Mutter und meinen Vater um Nachsicht – ich bitte sie, nicht zu streng über mich zu urteilen“, sagte Diego Armando Maradona der blonden Journalistin Susana Gimenez ins Mikrofon, um dann für einen Augenblick sichtlich erschüttert zu schweigen. Foto: Fußballegende Maradona: Von der Sucht gezeichnet

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