Medienschelte

Bärbel Schäfer ist wieder da. Nicht nur, daß die Blondine jetzt wieder im WDR auf Sendung geht. Nein, Frau Schäfer beschimpft neuerdings lautstark ihre eigenen Kollegen. Manche Journalisten hätte man fragen können, „ob sie auf ihr Handwerk geachtet haben.“ Gemeint sind natürlich die fiesen Boulevardjournalisten, die sich auf sie und ihren Freund Michel Friedman gestürzt haben wie der Teufel auf die Seele. Die Moderatorin bemängelt den Umgang mit ihrer Privatsphäre. Soso. Hat sie vergessen, daß das Preisgeben von Intimitäten vor der Kamera jahrelang ihren zweifelhaften Broterwerb darstellte? Ist ihr entgangen, daß ihre Talkshow genau die Art von Sodom und Gomorra transportiert hat, über die ihre Kollegen jetzt in Hinblick auf ihren Lebensgefährten berichten? Zu so viel Heuchelei paßt folgende Meldung aus Amerika: Jayson Blair ist zurück; der Reporter, der für die New York Times so viele Geschichten erfunden hat. Die Chefredaktion ließ ihn monatelang gewähren. Blair bespricht jetzt einen Film über einen Kollegen, der ebenfalls wegen Fälschungen 1998 von seinem Blatt gekündigt worden ist. Und besser noch: Blair schreibt seine Memoiren. Wen wundert es, wenn immer weniger US-Jugendliche noch Zeitungen lesen wollen? Neunzehn Prozent tun dies heute noch täglich. Einer Studie zufolge soll die Zahl auf neun Prozent im Jahre 2010 sinken. Langfristig drohen dem Zeitungsmarkt die Leser wegzubrechen. Schon heute ist der Durchschnittszeitungsleser über fünfzig Jahre alt.

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