Kein Konzept

Kalifornien hat gewählt, und ganz Deutschland und Österreich schauen zu. Was sonst eine Randmeldung gewesen wäre, war Bild, Krone und Co. diesmal einen Aufmacher wert. Beim Pro Sieben-Sat1-Kabel-N24-Konglomerat wurde der Sieg des einstigen Mister Universum positiv aufgenommen. Klar, das ehemalige Kirch-Imperium hat offensichtlich die Filmrechte der Schwarzenegger-Filme. Und da laut Schwarzenegger jetzt die Politik Vorrang genießt, können die alten Streifen um so öfter wiederholt werden. Sehr peinlich waren dagegen die Ergüsse im staatlichen Rundfunk. Bei Volle Kanne, dem ZDF-Magazin am Vormittag, saß ein griesgrämiger "Lindenstraßen"-Darsteller und blickte mißvergnügt in die Kameras. Da solle erstmal US-Präsident George W. Bush abgewählt werden, der habe ein viel größeres Defizit als der glücklose demokratische Gouverneur von Kalifornien zu verantworten. Der Held aus der "Lindenstraße" als Kronzeuge gegen den Hollywood-Darsteller Schwarzenegger – köstlich! Bei RTL (hat keine wohl leider keine Rechte an Schwarzenegger-Filmen) brachte Heiner Bremer alle Geschütze gegen den gebürtigen Österreicher in Stellung. Im Nachtjournal lief eine Live-Schaltung zu Arnolds erster Pressekonferenz nach der Wahl. Er habe kein Konzept, kommentierte der Kommentator das Geschehen. Schlecht recherchiert, liebe RTL-Kollegen! Schwarzenegger hat just auf dieser Pressekonferenz ein Zehn-Punkte-Programm für die ersten einhundert Regierungstage vorgelegt.

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