Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Einsam?

Zugegeben, das Problem der Einsamkeit ist kein so ganz neues Phänomen unserer Zeit. Abend für Abend kommen Millionen von urbanen Singles heim in ihr tristes Zuhause, um sich dann mutterseelenallein in den Schlaf zu wiegen, verstärkt durch die Anonymität heutiger Großbauten und -städte, in denen man kaum noch seinen Nachbarn kennt, geschweige denn weiß, ob dieser überhaupt noch lebt. Auch mir ging es einmal so, doch damit ist jetzt Schluß! Seit ich im Internet bin, hat sich mein gesamtes Leben dramatisch verändert. Jede Woche schicken mir zahllose blutjunge, willige Frauen ihre Nacktfotos zu oder teilen mir, etwas diskreter, ihre eigens und nur für mich allein freigeschaltete Internetadresse mit. Ein bißchen kompliziert ist das manchmal schon, weil ich mir da erst einen Dialer oder so was runterladen muß, doch ein bißchen selbst aktiv werden muß man ja schließlich auch! Genauso faszinierend finde ich, daß ständig irgendwelche gerade volljährig gewordenen Teenagerinnen auf meine Kontaktanzeigen antworten, die ich noch gar nicht aufgegeben habe. Erstaunlich, daß das Internet von alleine weiß, daß ich einsam bin. Rührend ist auch die aufopferungsvolle Sorge selbstloser Menschen um meine Finanzen: Sogar aus Afrika bekomme ich regelmäßig die verlockendsten Geldanlagen, den hiesigen Banken kann man ja schließlich nicht mehr trauen. Das mit der Penisverlängerung war schließlich auch ein prima Tip, und das Problem mit meiner Telefonrechnung habe ich letztendlich dank meiner neuen Freunde diskret gelöst. Ab ins Internet, schwärmt Euer supibeliebter EROL STERN

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