Empörung

Empört gibt man sich bei der taz über ein Berliner Konkurrenzunternehmen. Die Berliner Morgenpost offeriert ihren Kunden nämlich einen Nachdruck alter Ausgaben – von jedem beliebigen Datum ab dem Jahr 1900. In das Faksimile wird ein individueller Beitrag eingerückt. Ein Leser kann sich beispielsweise eine alte Ausgabe mit einem fiktiven Bericht über seine Geburt aus dem Jahr 1970 erstellen lassen. Zur Illustration griffen die Morgenpost-Redakteure zu einer 60 Jahre alten Ausgabe. Am 13. Juli 1942 berichtete die Berliner Morgenpost über zurückweichende Bolschewiken an der Donfront. Auch über den ostpreußischen General Albert Kesselring ist die taz sehr ungehalten und fragt sich, wie dummdreist ihre Kollegen seien. Den Lesern der Berliner Morgenpost wünscht der Kolumnist ein „angenehmes“ Stück Stalingrad. Weniger bissig reagiert die Presse auf den Ehrentag Leni Riefenstahls, die am 22. August hundert Jahre alt wird. Das Lebenswerk der Regisseurin und Fotografin ist unübertroffen. Trotzdem wird die Künstlerin immer wieder wegen ihrer Arbeit im Dritten Reich gebrandmarkt. Erst am letzten Wochenende wurde sie erneut in der ZDF-Reihe „aspekte“ als glühende Verehrerin des Führers beschrieben und während der US-Propaganda-Streifen „Casablanca“ wieder in deutschen Kinos gezeigt wird, gilt Leni Riefenstahl als persona non grata. Dabei hat sie noch im hohen Alter einen neuen Unterwasserfilm fertiggestellt, der am vergangenen Donnerstag auf Arte erstmals ausgestrahlt wurde. Herzlichen Glückwunsch, Frau Riefenstahl!

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