Undercover

Manch einer wird sich noch an Günther Wallraffs Report "Ganz Unten" erinnern, wo er in den untersten Schichten unserer Arbeitswelt recherchierte und mit seinen Enthüllungen für viele Kontroversen sorgte. Einen ähnlichen Weg gingen nun zwei Analysten der Credit Suisse First Boston, um ihre Bewertungen

bezüglich der Aktienwerte von amazon.com vor Ort zu überprüfen. Zu diesem Zwecke heuerten sie bei einer Personalleasingfirma an, die viele Arbeitskräfte an Amazon verleiht. Mittlerweile gilt ein "DotCom" im Firmennamen nicht mehr als Gütesiegel, sondern stellt einen nicht unerheblichen Makel dar. Jedenfalls landeten unsere beiden Abenteurer in der Versandabteilung und konnten das rege Treiben auswerten. Abgesehen von ein paar Kleinigkeiten in der Organisation waren die beiden nach ihrem einwöchigen Exkurs vollauf zufrieden und wiederholten ihre Kaufempfehlung, nicht zuletzt auch im Hinblick auf Bestellungsabwicklungen und Kundenservice. Einer der Gründe, warum sich reine eCommerce-Firmen hierzulande noch eher schleppend entwickeln, ist wohl darin zu suchen, daß es noch an Vertrauen und Renommée mangelt. Das alte Prinzip "erst die Ware und dann das Geld" wird hier umgekehrt, zudem beweisen ständige Hackerberichte, daß auch hier in punkto Daten- und Transaktionssicherheit das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Dem klassischen Handel kommt die Webpräsenz jedoch zugute, weil sich der Einkaufsbummel zwar ins Netz verlagert hat, aber der eigentlich Kauf noch "irL" stattfindet – im realen Leben, schreibselt Euer Erol Stern

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