Österreichische Sprachregelungen

Preßburg ist eine Auszeichnung

Der Wiener Mathematikprofessor Rudolf Taschner ist für populärwissenschaftliche Vorträge über sein Fach bekannt. Und für eine eigene Meinung. In der österreichischen Presse meldet er sich in seiner Kolumne „quergeschrieben“ so bissig wie kenntnisreich auch zu politischen Themen zu Wort.

In der neuesten Spalte lästerte der 62jährige über die krampfhafte Verdruckstheit, mit der für im Ausland liegende Städte unbedingt nur der Name der jeweiligen Landessprache verwendet wird. So fährt von Wien kein Zug nach Brünn, sondern nach Brno, keiner nach Znaim, nur nach Znojmo; die Prager Straße führt nicht nach Prag, sondern Praha. „So, als ob es ungehörig wäre, neben – nicht statt, sondern neben! – Bratislava auf österreichischer Seite auch Preßburg zu schreiben.“

Kein Vernünftiger käme auf die Idee, dies könne anrüchig sein. „Es zeichnet eine Stadt oder einen Landstrich aus, in verschiedenen Sprachen eigene Namen zu besitzen.“ Hinter der Manie liege wohl der Wunsch, sich als „moderner Europäer“ zu fühlen. „In diesem Fall übersieht der politisch Korrekte, daß er die von ihm gepriesene Vielfalt durch eine seichte Einfalt konterkariert.“ Zum Glück nur hätten „haarspalterische Krämerseelen“ bei Städten wie Moskau oder Rom keine Chance.

JF 31/32-15

Der Hauptplatz in Pressburg: Der politisch Korrekte kennt nur noch Bratislava Foto: picture-alliance / Lehtikuva

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